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Filmreifer Jahreswechsel über dem Genfersee

Bericht vom 30. Dezember 2018 – 2. Januar 2019 | Bus Nummer 15

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Es berichtet für Sie unser Reiseleiter

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Erwin Zehnder

Filmreicher Jahreswechsel über dem Genfersee

Sollen wir Silvester zu Hause im Freundes- oder Familienkreis feiern, sollen wir dem Alltag entfliehen und genussreiche vier Festtage mit einem Tapetenwechsel verbinden. Diese Frage stellt sich jedes Jahr von neuem.

Anstatt über die Festtage ins weitere oder nähere Ausland zu jetten, drängt sich beim Entscheid „Tapetenwechsel“ eine Kurzreise in die den meisten unbekannte, welsche Schweiz auf. Insbesondere, wenn am Genfer See die Sonne lockt und im Flachland der Deutschschweiz der Hochnebel vorherrscht.

Damit wir in Zweisimmen den Zug „Belle Epoque“ mit seinen im Orient-Express Stil restaurierten Wagen erreichen, fahren wir am Morgen sehr früh von den verschiedenen Einsteigeorten der Deutschschweiz ab. In Spiez beginnt das ursprüngliche Simmental mit seinen eindrücklichen Chalets. Auf vielen Kurven erreichen wir Zweisimmen, den Endpunkt der Normalspurbahn. Hier steigen wir nach einer längeren Kaffeepause vom Zerzuben Bus auf die Montreux Oberland Bahn (Schmalspur) um. Gemütlich wie vor einhundert Jahren in den Polstern des Pullmannwagens sitzend, steigen wir umgeben von schönster Natur immer höher, um vom höchsten Punkt das tiefer liegende Saanenland mit dem weltberühmten Touristenmagnet Gstaad zu erblicken. An wohlbekannten Skiorten wie Saanenmöser vorbei geht’s nun Richtung französisch-sprachige Schweiz mit klingenden Ortsamen wie Château d’Oex. Beim Genuss eines prickelnden Proseccos erreichen wir bald den Scheiteltunnel. Und nun sind es nur noch sechshundert kurvenreiche Höhenmeter durch eine imposante Kulturlandschaft an die Gestade des Genfersees. Nach gut zwei Stunden und 62 km Fahrt neigt sich in Montreux eine der schönsten Bahnstrecken der Schweiz dem Ende entgegen.

Hier erwartet uns Romy, welche in der Zwischenzeit mit dem leeren Bus von Zweisimmen nach Montreux gefahren ist. In kurzer Fahrt führt sie uns vorbei am Nestlé Hauptsitz, dem wertvollsten Unternehmen Europas, zum Marktplatz von Vevey. Bei schönstem Sonnenschein spazieren wir entlang dem Seeufer des Genfersees zum Restaurant, um das späte Mittagessen einzunehmen. Begleitet werden wir dabei von den Savoyer Bergen im Süden und den Dents du Midi im Osten.

Wohlgestärkt nach dem Aufenthalt in Vevey ist es nun nicht mehr weit zum nur zwei Jahre alten Hotel „Modern Times“. Nach dem Deponieren des Gepäcks drängt es einige, vor dem Nachtessen auf eigene Faust an beeindruckenden Villen vorbei die umliegenden Rebberge mit den herrschaftlichen Häusern und Schlössern individuell zu erkundigen.

Ausgeruht sind wir heute gespannt, im Chaplin World das Leben von Charlie Chaplin kennen zu lernen, der von 1952 bis 1977 mit seiner Familie in Corsier wohnte. So war mir vor der Reise nicht bewusst, welch ein Frauenheld der aus sehr ärmlichen Verhältnissen stammende Schauspieler, Regisseur, Komponist, Drehbuchautor und Filmstudiobesitzer war. Neben vielen Liebschaften – auch mit Minderjährigen – war er viermal verheiratet. Aus diesen Ehen entsprangen insgesamt elf Kinder. Das letzte kam auf die Welt, als Chaplin 73 Jahre alt war. Speziell auch, dass seine Kinder keinen Zutritt in sein im Original erhaltenes Büro hatten, welches wir besichtigen können. Während der sehr interessanten Führung erfahren wir, dass Chaplin drei Oscars gewonnen hat, davor einen für die von ihm komponierte Musik für den Film Limelight. Für sein Umfeld mag er mit seinem Perfektionsanspruch schwierig gewesen sein. Kaum zu glauben, dass er eine Szene 450 Mal spielen liess bis er zufrieden war. Ebenfalls, dass der Komiker im Umgang mit seinen acht Kindern aus vierter Ehe und der Ehefrau sehr dominant war. So wurde täglich pünktlich um 18.45 h gemeinsam das Abendessen eingenommen. Selbstverständlich sass er oben am Tisch, seine Frau zu seiner Linken. Die 1840 gebaute Villa ist hoch über dem Genfersee gelegen. Vom Salon haben wir deshalb einen traumhaften Blick auf die Savoyer Alpen. Beim Spaziergang durch den vier Hektaren grossen Park bestaunen wir an diesem schönen Wintertag die alten imposanten Bäume. Im Studio werden wir nach einem kurzen Einführungsfilm durch verschiedenste Kulissen geführt, die den Werdegang und die verschiedenen Berufe Chaplins zeigen. Beeindruckt sind wir von der Strasse des ärmlichen Londoner Stadtquartiers, der nachgebauten Musikhalle, dem Filmschnittatelier sowie dem Filmstudio. Selbstverständlich werden in allen Räumlichkeiten diverse dazugehörende Filmsequenzen eingespielt, die oft vom Kampf mit der Polizei, dem Essen und natürlich von Liebschaften mit Frauen handeln. So vergehen die fünf Stunden im Chaplin World wie im Fluge bis Romy uns wieder für die Rückfahrt zum Hotel erwartet.

Im Hotel angekommen, wird uns nach dem Apéro das feine fünfgängige Silvestermenu serviert, welches aus gebratener Jakobsmuschel, Entenleber, gebratenem Hummer, gegrilltem Kalbsfilet sowie einem Überraschungsdessert besteht. Eine Augenweide, diese ausgezeichnet mundenden Köstlichkeiten auf schönen Tellern serviert zu erhalten. Wenn anschliessend der DJ bis Mitternacht die den Gästen angepasste Musik aufgelegt hätte, dann könnte ich über einen perfekten Abend berichten. Um Mitternacht stossen wir auf das Neue Jahr an.

Weil viele Gäste Montreux schon kennen, will ein Drittel von uns am Neujahrsmorgen mit der Zahnradbahn zum Ausflugberg „Les Pléiades“ hochfahren, um auf knapp 1‘300 Metern die strahlende Sonne und die Aussicht über den Genfersee zu geniessen.

Am Nachmittag führt uns Romy mit dem Bus nach einem Fotohalt beim Schloss Chillon ins Zentrum von Montreux. Leider zieht – verbunden mit einem bissigen Wind – der Hochnebel auf, so dass nach kurzer Zeit viele ins Museum über Freddie Mercury oder ins wärmende Restaurant flüchten.

Von der Westschweiz ist die Rückfahrt am vierten Tag sehr kurz, so dass wir schon am frühen Nachmittag von einer erlebnisreichen Reise nach Hause zurückkehren.

Euer Reiseleiter

Erwin Zehnder

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