Wenn die Tage kürzer werden und die ersten Lichter die Städte erhellen, beginnt die schönste Zeit des Jahres, um Kulturstädte im Osten Deutschlands neu zu entdecken. Dresden und Leipzig gehören seit Jahren zu den beliebtesten Adventsdestinationen.
Tag 1 – Von den Alpen in die weiten Landschaften Süddeutschlands
Früh am Morgen, um 6 Uhr, begann unsere Reise in Thun. Nach Stopps in Bern und Zürich war die Gruppe komplett: 44 Reisende, bereit für eine stimmungsvolle Tour durch winterlich-kalte Landschaften, traditionsreiche Städte und zwei der bedeutendsten Weihnachtsmärkte Deutschlands.
Unser Chauffeur Michel wählt die Route über Schaffhausen – Stuttgart – Heilbronn – Würzburg – Bamberg. Nördlich von Bayreuth wechselten wir auf die A9 Richtung Hof – Zwickau – Chemnitz – Dresden. So umgingen wir Nürnberg und hoffentlich auch den dort typischen Verkehr.
Wir kamen ausgezeichnet voran: wenig Verkehr, überraschend wenige LKWs, ruhige Fahrt. Dabei durchquerten wir verschiedene Bundesländer und Landschaftsregionen, jede mit eigenem Charakter.
Baden-Württemberg – Weinbau, Hügel und Industrie
Die Region um Stuttgart und Heilbronn prägen Wälder, sanfte Höhenzüge und Weinberge. Heilbronn liegt am Neckar und ist das Herz des zweitgrössten Weinbaugebiets Deutschlands. Typische Württemberger Rotweine wie der „Trollinger“ gehören hier zum Landschaftsbild, ebenso wie Rebhänge und Streuobstwiesen.
Franken – offene Täler, Weinberge und weite Höhen
Hinter Heilbronn öffnet sich das Tor zu Franken. Die Weinberge rund um Würzburg, die weichen Hügelformen und der Main verleihen der Landschaft Ruhe und Struktur. Je weiter wir nach Oberfranken fahren, desto dichter werden die Wälder, desto markanter die Höhenzüge. Bamberg und die Region um Hof sind geprägt von offener Weite, ländlicher Ruhe und winterlichen Feldern.

Vogtland – sanfte Höhen
Das Vogtland zeigte sich uns als weitläufige, hügelige Hochlandschaft mit Feldern, Waldinseln und offenen Höhenzügen. Die Ortschaften liegen oft verstreut in Senken und Mulden, sodass man beim Vorbeifahren vor allem die offene Landschaft wahrnimmt. Die Höhen erreichen meist 500 bis 800 Meter – genug für Wintersport, aber natürlich nicht vergleichbar mit unseren Alpen. Dennoch gibt es Skilifte, kleinere Pisten und offenbar zuverlässig Schnee. Die Menschen hier scheinen zufrieden mit dem, was die Hügellandschaft bietet.
Städte auf unserem Weg: Zwickau und Chemnitz
Zwickau, die viertgrösste Stadt Sachsens, liegt am Rand des Erzgebirges und ist vor allem als traditionsreiche Automobilstadt bekannt: Hier wurde der Trabant gebaut, und August Horch legte die Basis für die Audi-Geschichte. Als Geburtsstadt Robert Schumanns trägt Zwickau zudem ein bedeutendes musikalisches Erbe. Die Umgebung ist geprägt von sanften Hügeln, Waldinseln und der Zwickauer Mulde – eine typische Übergangslandschaft zwischen Westsachsen und dem Erzgebirge.
Chemnitz, die drittgrösste Stadt Sachsens, war einst eines der wichtigsten Zentren der deutschen Industrialisierung. Textil, Maschinenbau und Metallverarbeitung prägten die Stadt – daher der frühere Spitzname „Sächsisches Manchester“. Bekannt aus DDR-Zeiten als Karl-Marx-Stadt, zeigt Chemnitz heute einen urbanen Charakter. 2025 ist Chemnitz – gemeinsam mit der Region – Europäische Kulturhauptstadt, ein Zeichen des Wandels und neuer kultureller Impulse.
Auf langen Fahrten erzähle ich gerne Anekdoten aus früheren Reisen, heitere wie ernste Gedanken über die Zeit seit der Wiedervereinigung und persönliche Erinnerungen an meine ersten Eindrücke von 1992. Auch dieses Mal entstehen gute Gespräche.
Die Stimmung im Bus war ausgezeichnet: Es wurde geredet, gelacht, geschaut, geschwiegen, geschlafen – und Kaffee getrunken. Die Kaffeemaschine lief im Dauerbetrieb. Als Überraschung hatte ich wie immer kleine Minor-Schöggeli dabei. Allerdings musste ich feststellen, dass sie an ihrem Aufbewahrungsort vollständig geschmolzen waren – warum sagte mir der Chauffeur nicht, dass dort die Heizungsrohre verlaufen? Das Gelächter war gross, und nach einer halben Stunde im Kühlschrank konnten die Gäste die wieder fest gewordene „Schoggisauce“ doch noch geniessen.
Am frühen Abend erreichten wir unser Hotel ausserhalb von Dresden. Wir waren mit drei Bussen unterwegs; zwei standen bereits auf dem Parkplatz. Nach dem Einchecken und einem gemeinsamen Abendessen liessen wir den Tag an der Bar ausklingen – mit viel Vorfreude auf die Stadt, die uns am nächsten Morgen erwartete.

Tag 2 – Dresden: Barockstadt, Kunstmetropole und Weihnachtsklassiker
Nur wenige Städte vereinen historische Pracht und moderne Lebendigkeit so eindrucksvoll wie Dresden. Als ich 1992 erstmals hier war, standen nur die Reste der Frauenkirche; der Neumarkt war eine Wiese, auf der Schafe weideten. Die Stadt wirkte dunkel und zerbrochen. Heute dagegen beeindruckt Dresden mit rekonstruierter barocker Silhouette und neuem Selbstbewusstsein – eine Stadt, die sich eindrucksvoll neu erfunden hat.
Zwei lokale Guides begleiteten uns kompetent und leidenschaftlich durch Dresden. Wegen der bitteren Kälte begannen wir mit einer Rundfahrt im warmen Bus entlang der Elbe, vorbei an den Elbschlössern und grossen Parkanlagen. Anschliessend erkundeten wir zu Fuss die historische Altstadt.
Die Höhepunkte:
- Zwinger: eine der bedeutendsten barocken Anlagen Europas
- Residenzschloss: mit Museen von Weltrang
- Fürstenzug: das grösste Porzellanwandbild der Welt – über 23'000 Meissner Kacheln. Das Wandbild blieb bei der Bombardierung von 1945 fast unbeschädigt. „Nur“ 300 Kacheln mussten ausgewechselt werden. Aber auf die Gesamtmenge gesehen, waren das wirklich nicht viele.
Die Guides vermittelten anschaulich Geschichte, Zerstörung, Wiederaufbau und den kulturellen Reichtum Sachsens. So entstand ein tiefes Verständnis für diese besondere Stadt.
Der Striezelmarkt – Tradition seit 1434
Der Nachmittag gehörte dem Weihnachtsmarkt. Der Dresdner Striezelmarkt, erstmals 1434 erwähnt, feiert 2025 seine 591. Ausgabe. Mit über 200 Ständen, Holzkunst aus dem Erzgebirge, traditionellen Backwaren und einer imposanten Weihnachtspyramide entfaltete er eine einzigartige Atmosphäre.
Wenn am Abend die Lichter der Altstadt den Himmel über der Elbe golden färben, zeigt sich Dresden von seiner schönsten Seite. Gegen 20 Uhr fuhren wir erfüllt ins Hotel zurück – im Hotel konnten wir noch frische Christstollen (auf sächsisch Striezel) zum Mitnehmen kaufen.

Tag 3 – Leipzig: Musikmetropole, Kulturstadt und fröhlicher Adventstrubel
Am dritten Tag reisten wir rund 104km nach Leipzig – die Stadt Bachs, Mendelssohns, der Montagsdemonstrationen von 1989 und der heutigen Kreativszene. Leipzig wirkt dynamischer und jünger als Dresden: offen, beweglich und voller städtischer Energie.
Drei lokale Guides begleiteten uns durch die Innenstadt – humorvoll, charmant und bestens informiert. Ihre Art machte die Führung zu einem Erlebnis, bei dem die winterliche Kälte kaum noch spürbar war.
Die Höhepunkte in Leipzig:
- Thomaskirche – Wirkungsort Johann Sebastian Bachs
- Nikolaikirche – Zentrum der Friedlichen Revolution 1989
- Auerbachs Keller in der Mädler-Passage – eine traditionsreiche Weinstube aus dem 16. Jahrhundert, durch Goethe und Faust I weltberühmt geworden
Der Leipziger Weihnachtsmarkt – einer der grössten des Landes
Der Leipziger Weihnachtsmarkt zählt mit rund 300 Ständen zu den ausgedehntesten und abwechslungsreichsten Deutschlands. Er erstreckt sich über mehrere Plätze, darunter der grosse Markt mit Weihnachtsbaum und der mittelalterliche Bereich. Regionale Spezialitäten wie die Leipziger Lerche, sächsisches Kunsthandwerk und musikalische Darbietungen prägen die Atmosphäre.
Gegen Abend kehrten wir nach Dresden zurück und genossen ein letztes gemeinsames Abendessen im Hotel – begleitet von angeregten Gesprächen, viel Lachen und zufriedenen Gesichtern.

Tag 4 – Rückfahrt in die Schweiz
Der letzte Tag begann früh. Nach dem Frühstück und dem Verladen des Gepäcks verliessen wir Dresden um 07:00 Uhr. Unsere Rückfahrt führt über Bayreuth – Nürnberg – Ulm und zeigt uns nochmals die Vielfalt deutscher Landschaften: offene Felder Sachsens, die Wälder und Hügel Oberfrankens, die Region Nürnberg und die weiten Flächen der Schwäbischen Alb.
Was macht diese Reise so besonders?
Diese Adventsreise verbindet auf ideale Weise:
- Bedeutende Kulturstädte: Dresden und Leipzig gehören zu den kulturgeschichtlich reichsten Städten Deutschlands.
- Landschaftliche Vielfalt: von Alpenkulissen über Weinberge, Hügelländer und Mittelgebirge bis hin zu weiten sächsischen Ebenen.
- Weihnachtsmärkte mit Tradition: Striezelmarkt und Leipziger Weihnachtsmarkt zählen zu den schönsten und bedeutendsten Europas.
- Kompetente lokale Guides: humorvoll, erfahren und mit tiefem Wissen.
- Angenehme Reiseatmosphäre: eine perfekte Mischung aus Programm, Freizeit und entspannten Busfahrten.
Wer die Adventszeit mit Kultur, Geschichte und festlicher Stimmung verbinden möchte, findet in dieser Reise eine hervorragende Gelegenheit.
Ich danke allen Gästen für ihr aufgestelltes, zufriedenes und fröhliches Mitmachen – es machte diese Reise auch für mich zu einem besonderen Erlebnis. Und natürlich danke ich unserem Chauffeur Michel von Zerzuben Reisen, der uns sicher, ruhig und zuverlässig fuhr, sodass alle entspannt die Fahrten geniessen konnten.
Ich freue mich darauf, einige der Gäste auf einer nächsten Reise wiederzusehen.
Delia Crameri
Reiseleiterin car-tours.ch

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