Auf in den hohen Norden
Däne sein heisst: «Wind im Gesicht, Smørrebrød im Bauch und Hygge im Herzen».
Ob dieser Spruch der Wahrheit entspricht, davon wollten sich 32 gespannte Gäste selber überzeugen.
Von St. Gallen ging es via Zürich, Aarau, Basel mit dem Bus von Gerber «Royal Class» Richtung Norden. Die Royal Class Busse unterscheiden sich von den traditionellen Bussen, mit denen wir hauptsächlich unterwegs sind darin, dass durch die 3-er Bestuhlung etwas mehr Beinfreiheit und Sitzkomfort gewährleistet wird. Zudem werden auf diesen Reisen pro Bus maximal 32 Passagiere gebucht und WLAN wird kostenlos angeboten. Mit der munteren Schar und unserem stets gut gelaunten und zu Spässen aufgelegten Chauffeur Christian nahmen wir die ersten 700 Kilometer unter die Räder.
Nach einer Zwischenübernachtung in Hannover führte uns die Strecke via Flensburg, bekannt durch die «Punkte» für Verkehrssünden, über die deutsch-dänische Grenze. Auf unserer Rundreise umrundeten wir das gesamte Festland Dänemarks, genauer gesagt die Halbinsel Jütland. Dänemark gehört, wie Norwegen und Schweden, geographisch zu Skandinavien und bildet, zusammen mit Grönland und den Färöer-Inseln offiziell das Königreich Dänemark. Das Landesgebiet mit einer Einwohnerzahl von ca. 6 Millionen umfasst eine Fläche von 43.094 km², wovon 23.872 km² auf die Halbinsel Jütland und der Rest auf Inseln entfallen.
Der erste Besuch galt dem hübschen Städtchen Ribe, seines Zeichens die älteste Stadt von Dänemark und vor einigen Jahre zur schönsten Stadt des Landes ernannt. Das dies zurecht geschah, durften wir auf der Stadtführung mit dem lokalen Reisleiter Flemming erleben. Er zeigte uns auf der 1 ½ stündigen Tour entzückende, farbige, manchmal etwas windschiefe Häuser, enge Gassen, üppige Gärten und nicht zuletzt den imposanten Dom aus dem Jahre 860.
Inselzauber und Nordseewind
Fanø - die kleine Insel, westlich von unserem Übernachtungsort Esbjerg und ca. 50 Kilometer nördlich von Sylt gelegen, ist die zweitnördlichste der dänischen Wattenmeerinseln. Entstanden ist diese ca. 16 Kilometer lange Insel als Sandbank durch Flugsand und dadurch hat sich die heutige Landschaftsform mit Dünen und langen Sandstränden gebildet. Mit der Fähre der «Fanø-Linie» ging es innerhalb 12 Minuten vom Festland zu den entzückenden Städtchen Nordby, Rindby und Sønderho, alle drei touristische Ferienorte mit den typisch mit reetbedeckten farbenfrohen Häusern. Ein Spaziergang durch den Dünensand und zwischen den purpurfarbenen Heidesträuchern mit Wind im Gesicht trug dem ersten Attribut der Dänen Rechnung.
Nach der Rückkehr per Fähre machten wir noch einen kurzen Abstecher zu einer modernen Skulptur, den «Menschen am Meer». Vier 9 Meter grosse, weisse Betonfiguren, mittlerweile zum Wahrzeichen der Stadt geworden, sitzen seit 1995 am Strand und schauen auf’s Meer hinaus. Anlass zum Bau dieser Skulpturen war das 100-jährige Jubiläum der Stadt Esbjerg als eigenständige Gemeinde.
Eine weitere kurze Fährüberfahrt stand am nächsten Tag auf dem Programm, vom Fischerort Thyboroen, wo wir uns zuerst das «Sneglehuset» anschauten, nach Agger. Dieses einzigartige Gebäude, über und über mit Schneckenhäuschen und Muscheln dekorierte Haus, wurde ab 1949 vom Fischer Alfred Pedersen gebaut und verziert. Er löste damit ein Versprechen ein, dass er seiner Frau gegeben hatte, ihr ein Haus zu bauen, dass auch in 25 Jahren noch Besucher aus aller Welt anziehen würde. Recht sollte er behalten.
Thyboroen ist zudem ein Ort am sog. Atlantikwall, dieser über 2000 Kilometer langen Verteidigungslinie aus dem zweiten Weltkrieg, die von Südfrankreich bis hoch nach Norwegen verläuft. Davon zeugen leider noch heute etliche leerstehende Bunker, die am Strand ein trauriges Dasein fristen.
Wanderdünen und zwei Meere
Wer nach Jütland, vor allem an seine Westküste reist, muss damit rechnen, dass er jeden Abend seine Kleider und Schuhe vom Dünensand befreien muss. Das durften auch wir beim Spaziergang zur Wanderdüne «Rubjerg Knude» mit seinem versandeten Leuchtturm erleben. Dieser Leuchtturm, dessen Dienst 1968 eingestellt wurde, musste 2017 um etwa 70 Meter landeinwärts verschoben werden, da er in die Nordsee zu stürzen drohte. Es ist nicht ganz einfach, auf die zum Teil recht steilen Sandhügel hinaufzuklettern, besonders, wenn der Sand komplett trocken ist. Am besten geht dies barfuss ! Die Sanddünen oder wie man sie auch nennt, Wanderdünen, haben ihren Namen davon, dass sie in der Tat «wandern», d.h. sie verschieben sich pro Jahr um etwa 15 Meter ostwärts und werden so eines Tages komplett in der Ostsee verschwunden sein. Eine weitere Sehenswürdigkeit, die dem Sand zum Opfer gefallen ist, ist die Kirche von «Rabjerg Mile», etwas weiter nördlich gelegen. Mittlerweile ist nur noch der Kirchturm zu sehen, alles andere liegt unter dem Sand begraben.
Kattegat und Skagerrak – bzw. Nordsee und Ostsee treffen sich an der Nordspitze von Jütland, in Grenen. Mit dem «Sanddormen», einem von einem Traktor gezogenen Bahnwagen wurden wir vom Busparkplatz innert weniger Minuten zu diesem Naturschauspiel gefahren. Die Begegnung der beiden Meere ist deutlich an heftigen Strudeln zu erkennen und vom Baden in diesem Gewässer wird dringend abgeraten, da die Unterwasserströmungen lebensgefährlich sein können.
Skagen, das hübsche Städtchen in unmittelbarer Nähe von Grenen gelegen, bot sich perfekt für eine ausgedehnte Mittagspause an. Die Mehrheit der Häuser ist in gelber Farbe gestrichen, da zu der Zeit, als die Häuser gebaut wurden, diese Farbe sehr günstig zu kaufen war und zudem einen idealen Schutz für Wind und Salz bot.
Dieses berühmte Markenzeichen der Stadt zog bereits im 19. Jahrhundert viele Kunstmaler an und noch heute sind die Werke der sog «Skagen-Maler» ein wichtiger Tourismusmagnet.
Von Hirtshals nach Aarhus
Unser modernes Hotel in Hirtshals ist perfekt gelegen, hat man doch vom Restaurant aus einen sensationellen Blick auf den Hafen. Von Hirtshals fahren täglich mehrere Fährschiffe nach Norwegen, Schweden, Island und die Färöer Inseln, man bekommt regelrecht Fernweh, wenn man die «Fjordline», die «Color Line» oder die «Smyril Line» an- und ablegen sieht.
Bei uns ging es allerdings nicht mit dem Schiff, sondern mit unserem bequemen Bus weiter. Aarhus, an der Ostküste von Jütland gelegen, hiess unser heutiges Etappenziel. Bei einer interessanten Stadtführung mit Niels lernten wir einen Teil dieser faszinierenden Stadt kennen. Alt und neu sind nahe beieinander und im modernen Hafenviertel mit seinen futuristischen Bauten schwelgt jeder Architekt im Glück. Allerdings spürte man nach der Führung ein leichtes Ziehen im Nacken, wachsen die Bauten, wie in vielen anderen Städten der Welt auch, nach oben in den Himmel. Dies gilt vor allem für das Hochhaus «Aarhus Oeje», ein 142 Meter hoher Koloss mit traumhafter Aussicht über die Umgebung. Der Nachmittag gehörte den Gästen, jeder konnte seine Freizeit individuell gestalten.
Bereits war der vorletzte Tag da und bevor wir zu unserem letzten Übernachtungsort Göttingen aufbrachen, stand noch ein Besuch im Freilichtmuseum «Kongernes Jelling» auf der Tagesliste. Dieses Besucherzentrum zeigt einen Teil des Lebensraumes der Wikinger, jenem Volk, das nicht nur Skandinavien, sondern einen grossen Teil der Welt im ersten Jahrtausend geprägt hat.
Smørrebrød, Hygge und schöne Erinnerungen
Bevor wir nach einer langen Fahrt, die uns, infolge massiver Staus, viel Geduld abverlangte, das letzte Hotel erreichten, möchte ich noch ein paar Worte über die zwei weiteren anfangs erwähnten Attribute der Dänen verlieren: «Smørrebrød im Bauch» und «Hygge im Herzen». Das bekannte, ursprünglich aus Dänemark stammende «Smørrebrød» ist nichts anderes als ein einfaches Butterbrot (Smørre = Butter / Brød = Brot). Die Dänen und mit ihnen auch die Schweden und Norweger sind in der Zubereitung dieses Gerichts allerdings sehr phantasievoll. Da wird das Brot belegt mit Fleisch oder Käse oder Crevetten oder Gemüse oder Eier oder mit allem davon und wird in der Regel als leichtes Mittagessen serviert.
Was «Hygge» anbelangt – das bedeutet Gemütlichkeit; die Dänen hetzen nicht, sind sehr gastfreundlich und geniessen das Leben. Davon sollten sich die Schweizer manchmal auch ein Stückchen abschneiden !
Während der achttägigen wunderbaren Reise konnten wir von allem ein bisschen mit nach Hause nehmen.
Am letzten Tag durften wir sämtliche Reiseteilnehmer gesund und mit einem vollbepackten Erinnerungsrucksack an den verschiedenen Ausstiegstellen verabschieden.
Wir bedanken und ganz herzlich für die gemeinsam verbrachte Zeit und freuen uns auf ein Wiedersehen irgendwo und irgendwann.
Herzlichst – med venlig hilsen 😊
Gisela (Reiseleitung) & Christian (Chauffeur)