Hinreise
Früh geht es los ab Thun, dann «sammeln» wir alle Gäste ein und fahren gen Süden. Der Herbst ist im Tessin eingezogen, selten haben wir Nebel und so viele imposante Wasserfälle südlich des Gotthards gesehen. Je südlicher, desto freundlicher das Wetter. In Italien lacht uns bereits wieder die Sonne entgegen.
Wir kommen auf die Minute genau im Hotel an und das ist bei rund 700 km ab dem letzten Einsteigeort Bellinzona eigentlich ein Wunder. Oder war es vielleicht, weil wir nun um 20.30 Uhr alle Lust auf ein feines italienisches Nachtessen im Peperoncino Dispettoso, einem Restaurant 10 Gehminuten von unserer Unterkunft, dem Grand Hotel Tiberio (4*) entfernt, hatten? Wie dem auch sei, alle geniessen die leckere Pasta an Tomatensauce, Saltimbocca alla Romana mit Bratkartoffeln und Salat sowie das obligate Tiramisu. Wenn wir nicht schon aufgestellt gewesen wären, hätte uns das Tiramisu bestimmt noch mehr «hoch gezogen» (tira mi su = zieh mich hoch).
Nun ist wirklich allerhöchste Zeit, in die Federn zu hüpfen, damit wir fit für den ersten Tag in Rom sind.

2. Tag – Vatikan
Unsere beiden Stadtführerinnen Valentina und Sabine erwarteten uns am Caffè San Pietro direkt vor der Vatikanstadt. Niemand muss dieses Mal das Schweizer Sackmesser in einem Blumentopf vor der Sicherheitskontrolle vergraben, denn ich habe alle vorgewarnt. Auch die Shorts und schulterfreien T-Shirts warten im Rucksack für später.
Wir besuchen die letzten Ruhestätten vieler Päpste im «Underground» des Petersdoms, u. a. das Grab von Petrus, auf den der Petersdom zurückzuführen ist. Hatte nicht Jesus gesagt: «Auf diesen Felsen (damit ist Petrus gemeint) will ich bauen» … Auch wenn der Vatikanhügel kein eigentlicher Fels ist, das Fundament des Christentums ist hier zu finden.
Einige aus katholischen Kantonen wie dem Wallis haben diese Reise extra wegen des Heiligen Jahres und der Heiligen Pforte gebucht (eigentlich sind es insgesamt fünf Pforten), um sie zu durchschreiten. Diese grossen Tore werden nur in den Heiligen Jahren, also alle 25 Jahre, geöffnet, das hat für viele eine grosse spirituelle Bedeutung.
Das Eintreten durch die Heilige Pforte symbolisiert das Wort Christi: Ich bin die Tür, wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden, er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
So durchschreiten wir also nach der Führung durch den Petersdom die eine Pforte, die Bronzetür, die 16 Szenen aus der Heilsgeschichte zeigt. Kaum ist man durch, kann man die weltberühmte Pietà von Michelangelo hinter Glas bewundern. Die Figur der Maria, die ihren toten Sohn in den Armen hält, berührt erst auf den zweiten Blick, da sie klein und eben hinter Glas ist. Doch wenn man sich die Zeit nimmt und den allerfeinsten marmornen Linien dieses unglaublichen Kunstwerkes folgt, bleibt die Zeit stehen. Wie kann ein Mensch aus einem Block Marmor diese filigranen Züge der trauernden und doch gefassten Mutter meisseln? Und die Muskeln des geliebten Sohnes, der leblos in ihren Armen liegt? Und man stelle sich vor, der Künstler war erst 23 Jahre alt, als er dem Marmorblock zwischen 1498 und 1499 diese ewige Schönheit einhauchte.
Einige Gäste wollen dann mehr von diesem Ausnahmekünstler sehen und gehen noch in das Vatikanische Museum mit der berühmten Sixtinischen Kapelle, wo er zwischen 1508 und 1512 das wohl bekannteste Deckengemälde der Welt malte – die Erschaffung Adams. Man stelle sich vor, wie der nun etwas ältere Künstler auf Holzbrettern liegend die Decke bemalte, während ihm Farbe ins Gesicht tropfte. Es heisst, dass er diese Arbeit gehasst hat. Gott sei Dank hat ihn der sogenannte «Kriegerpapst» Julius II. quasi dazu «gezwungen», sonst könnten heute nicht Millionen von Menschen jährlich dieses unglaubliche Werk bewundern.
Die freie Zeit am Nachmittag verbringen andere mit der Besteigung der Kuppel. Der Lohn des etwas anstrengenden Anstiegs ist die atemberaubende Aussicht in das Kirchenschiff der Peterskirche und aussen auf den Petersplatz und die verschiedenen Quartiere.
Weitere gehen in Andacht den Pilgerweg ab dem Tiberufer durch die Heilige Pforte.
Danach erforschen die Gäste bereits die Altstadt jenseits des Tibers, spazieren entlang des Flusses zum Castel Sant’Angelo und ich entdecke zum ersten Mal den wunderschönen Piazza del Popolo (Platz des Volkes) und den darüberliegenden Park – die ewige Stadt vor mir ausgebreitet wie ein kostbares Gemälde.

3. Tag – Who in Who in Rom gibt sich die Ehre: Colosseo – Forum Romanum – Monumento Vittore Emanuele II – Fontana di Trevi mit wohlverdienter Mittags- und Stärkungspause und der Möglichkeit, Münzen in den Brunnen zu werfen (1 Münze = Ich kehre nach Rom zurück, 2 = Ich verliebe mich, 3 = Ich heirate, 4 = Ich lasse mich scheiden).
So kommen mehr als eine Million Euro pro Jahr zusammen, die an die Caritas gespendet werden, damit sie soziale Projekte in der Stadt finanzieren kann. Also die Euros sind gut investiert, aber die meisten werfen dann doch maximal 3 Münzen rein.
Am Nachmittag machen wir ein weiteres Gruppenfoto auf der Spanischen Treppe, bewundern von aussen das Pantheon – einige gehen es dann auch innen besichtigen. Hier haben die italienischen Könige ihre letzten Ruhestätten gefunden, ebenso der Maler Raffael, ein weiterer berühmter Renaissancekünstler. Die Grabinschrift weiss zu berichten: «Hier ist jener Raffael, von dem die grosse Mutter der Dinge (= Natur) fürchtete, übertroffen zu werden, solange er lebte, und zu sterben, als er starb.»
Wir beenden dann die Stadtführung auf der Piazza Navona mit dem Brunnen der vier Flussgötter: Donau = Europa, Nil = Afrika, Ganges = Asien, Río de la Plata = Amerika.
Nach 1 ½ Stunden Freizeit ist es dann Zeit, ins Hotel zurückzukehren. Einige bleiben wie gestern noch etwas länger im Zentrum der Stadt und wollen auch noch die Grabstätte des letzten Papstes besichtigen.

4. Tag – der Charme der Albanerberge – da wo die Päpste den Sommer verbringen
Bei herrlichstem Sommerwetter (maximal 32 Grad) fahren wir in den Sommersitz der Päpste, Castelgandolfo.
Da geniessen wir zuerst die atemberaubende Aussicht auf den azurblauen Albanersee, der vulkanischen Ursprungs ist. Dann nehmen viele die Gelegenheit wahr, den Sommersitz zu besichtigen. Momentan ist der Palazzo noch ein Museum, aber wenn Leo, der aktuelle «Papa», die Tradition der meisten Vorgänger wieder aufnimmt, wird er wohl den Sommer da verbringen und dann steht der Palast der Öffentlichkeit nicht mehr zur Verfügung.
Der Rest der Gruppe geniesst einen Espresso/Cappuccino in einem der lauschigen Strassencafés oder lässt sich von den hübschen Läden (Souvenirs, Schmuck, Kleider) verführen. Die Zeit vergeht jedenfalls für alle im Fluge.
Dann wartet etwas Einzigartiges auf uns. Zuerst halten wir gegenüber von Castelgandolfo und schiessen nochmals ein Foto des lauschigen Sees zu unseren Füssen und riechen den verführerischen Duft des «Porchetta», eines jungen Schweins von max. 50 kg, das in Kräutern und Gewürzen mariniert stundenlang über dem Feuer gebraten worden ist und dann kalt gegessen wird. Überall gibt es mobile Kioske mit einem Schwein am Stück. Die Einheimischen lassen sich dann dünne Scheiben dieser Köstlichkeit abschneiden und geniessen sie mit knusprigem Brot.
Dann dürfen wir alle eine Premiere erleben (das Phänomen gibt es nur drei Mal auf der ganzen Welt) – eine mysteriöse Begebenheit, die keiner glauben will, bevor er sie nicht selbst gesehen hat: Auf dieser Strasse in der Nähe von Frascati rollen Gegenstände bergauf! Sogar unser tonnenschwerer Bus ohne jegliches Gasgeben, ich habe 37 ZeugInnen! Hier spielt die Schwerkraft verrückt – Naturgesetze scheinen ausser Kraft gesetzt. Jeder, der bisher nicht dort war, etwa 60 Kilometer südlich von Rom, wird es nicht glauben: Flaschen oder Bälle rollen auf dieser Strasse den Berg hinauf, Wasser fliesst bergauf. Eben, sogar Autos, Busse oder Lastwagen rollen von allein nach oben. Kleine Kinder schieben mühelos mit einer Hand Autos mit abgestelltem Motor den Berg hoch. Klingt nach Science-Fiction? Ist es nicht.
Auf der Via di Laghi, die an den Vulkanseen Lago di Albano und Lago di Nemi vorbeiführt, wird das Undenkbare möglich. Auch ist die Strasse eine beliebte Rennstrecke für Radfahrer. Kommen sie an diesen Abschnitt der Strasse, fangen sie auf einmal stark an, in die Pedale zu treten – bergab. Hinauf hingegen lassen sie es laufen, sie scheinen wie von allein zu rollen.
Wir kamen jedenfalls aus dem Staunen kaum raus.

Danach fuhren wir weiter zu unserem Mittagshalt in Frascati wo wir natürlich den Fracasati Wein (weiss und neu auch rot) probieren und unglaublich leckere Spezialitäten wie eben auch das Porchetta geniessen können.
Dann wartet noch eine weitere Überraschung auf uns: Olga, eine russische Sopranistin mit viel Charme, betört uns mit ihrer unglaublichen Stimme und italienischen Gassenhauern wie «Azzurro» oder «Marina». Alle singen mit, klatschen und einige tanzen sogar. Eine Wahnsinns-Stimmung! DAS ist das Temperament Süditaliens – gemischt mit einigen Gläsern Frascati! Auch wenn die Italienerin eigentlich Russin ist.
Gesättigt von dem feinen und reichlichen Essen, dem spritzigen Wein und Olgas Witz und Lebendigkeit fahren wir glücklich zurück ins Hotel. Und wieder haben wir einen unvergesslichen Tag erleben dürfen, Car-Tours sei Dank!
Joana Lisa Braun
Reiseleiterin car-tours.ch

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