Tiflis und die Wiege des Weins: Kontraste und Jahrtausende alte Traditionen
Georgien ist ein facettenreiches Land, bekannt für seine spektakulären Berglandschaften, die uralte Weinbautradition und gelebte Gastfreundschaft. Die ehemalige Sowjetrepublik hat eine unglaubliche Natur, es gibt schneebedeckte Berge, sattgrüne Hügel, weitläufige Wälder, kristallklare Seen, unzählige Flüsse und das Schwarze Meer.
Wir haben uns aufgemacht, dieses bisher wenig bekannte Land zu besuchen und beginnen damit gleich in der Hauptstadt Tiflis, diese kontrastreiche Stadt zwischen Orient und Okzident. Begleitet werden wir von unserer lokalen Fremdenführerin Nino. Gemeinsam erkunden wir das historische Stadtzentrum, spazieren durch die schöne Altstadt, überqueren die futuristische Friedensbrücke. Dann führt uns eine Seilbahn hinauf zur Narikala Festung, auf der die riesige Statue Mutter Georgiens thront, von wo aus wir einen unbeschreiblichen Blick über die ganze Stadt haben. Weiter führt uns Nino zu den Schwefelbädern, der Moschee und in die imposante Sameba Kathedrale. Unseren Rundgang beenden wir in einem georgischen Lokal, wo bereits Tische mit lokalen Köstlichkeiten auf uns warten.
Die lokale Küche ist sehr vielfältig. Bekannt sind vor allem Gerichte wie Chinkali - gefüllte Teigtaschen die zum Dahinschmelzen lecker sind und das bekömmliche Chatschapuri, ein traditionelles Käsebrot. Die georgische Küche verwendet viel Gemüse und duftende Gewürze. Sehr schmackhaft ist auch der einheimische Käse.
Da unser Hotel nur einige Gehminuten von der Altstadt liegt, können wir auch am Abend individuell die kopfsteingepflasterten Gassen und die naheliegenden Sehenswürdigkeiten besuchen. Dann geht ein langer und eindrucksvoller Tag zu Ende.
Der nächste Tag führt uns durch die georgische Wüste in der Region Kachetien, nahe der Grenze zu Aserbaidschan. Es ist eine eindrückliche Gegend, jetzt im Frühling eine grünbedeckte Mondlandschaft mit einer wunderbarer Steppenflora. Inmitten dieser georgischen Wüste treffen wir auf einen Hirten mit seinen über 2000 Schafen, als wir ihn fotografieren, zückt er sein modernes Handy und will auch mit uns geknipst werden.
Es gibt in dieser endlosen Wüste nur ein Dorf, Udabno, einst verlassen, nun wieder langsam bevölkert ist das Dorf wie eine Oase in der Einöde. Nach ockerfarbenen Hügeln und bizarren Formationen taucht plötzlich das Höhlenkloster Gareja auf. Wir treten ein in diese Welt der Stille und Spiritualität, wir Frauen tragen hier und in allen Kirchen und Klöstern Kopftücher. Die Anlage stammt aus dem 6 Jahrhundert, entlang des Udabno Bergrückens und enthüllt gut verborgen Zellen, Kapellen und wunderbare Fresken.
Unsere Fahrt führt uns weiter in die Weinregion Kachetien wo wir auf dem Familienweingut Velino zum Mittagessen mit traditionellen Weinen erwartet werden.
Georgien gilt als Wiege des Weins. Die Tradition der Weinherstellung ist hier bereits 8000 Jahre alt. Der Besitzer zeigt uns, wie der Wein nach uralter Tradition in Tonamphoren reift. Diese Methode zählt heute zum UNESCO Kulturerbe. Das Land verfügt über günstige geologische und klimatische Voraussetzungen und ist deshalb auch heute noch eines der ältesten Anbaugebiete der Welt. Wein zählt heute noch als zweitwichtigster Exportartikel des Landes.
Hinauf in die schneebedeckte Bergwelt des Kaukasus
Am vierten Tag besuchen wir erst Mzcheta mit der Jvari Kirche und der Kathedrale Svetitshovell, einem der heiligsten Orte des Landes und fahren dann weiter über die georgische Heerstrasse, vorbei an der Ananuri Festung in die Bergwelt. Je höher wir kommen, desto mehr Schnee liegt und nach endlosen Serpentinen mit langen Camionschlangen fahren wir an Gudauri vorbei, immer weiter hinauf auf dieser kurvenreichen Passstrasse. Unser Chauffeur Sviadi ist wirklich gefordert hier, denn diese Strasse mit den zahlreichen Tunnels und Passerellen stammen noch aus der Sovjetzeit und sind in entsprechendem Zustand mit unzähligen Schlaglöchern. Kein Teilnehmer wird diese Fahrt vergessen! Ich kann es ganz einfach ausdrücken: wir schlichen die Serpentinenstrasse hinter unzähligen Lastwagen hinauf und auf der anderen Seite wieder herunter. Endlich sind wir im Ort, nur ca. 15 km von der russische Grenze entfernt, wo uns Geländewagen erwarten und uns hinauf fahren zur spektakulär gelegenen Dreifaltigkeitskirche Gergeti auf 2130 m.ü.M. Der Blick auf den nahen, 5047 m hohen Kasbek ist zwar etwas verdeckt, aber die ganze Gegend doch einmalig schön. Den Abend und die Nacht verbringen wir in einem tollen Hotel im Ferienort Gudauri auf 2000m im Grossen Kaukasus. Der Ort ist sehr bekannt für Heliskifahren und Wintersport.
Von antiken Mythen zu magischen Höhlen und Canyons
Am Tag 5 fahren wir wieder hinunter von der eindrücklichen Bergwelt in Richtung Flachland, vorbei an Gori, der Geburtsstadt Stalins, weiter nach Upliziche, der geheimnisvollen und eine der ältesten Siedlungen des Kaukasus und machen dort eine Zeitreise in die Frühgeschichte. Wir spazieren durch die in Stein gehauenen Tempel und Räume und fühlen uns zurückversetzt in eine andere Zeit. Wieder erwartet uns dann ein feines Mittagessen bevor wir weiterfahren nach Kutaisi, der legendären Stadt des goldenen Vlieses, ein zentraler Mythos der griechischen Antike. Unser tolles Hotel liegt sehr zentral, gleich neben dem Fluss und dem Eingang zur Altstadt. Einige von uns nehmen die Seilbahn die über den Fluss hinaus auf eine Anhöhe führt, andere geniessen die tolle Dachterrasse des Hotels.
Wir bleiben einen weiteren Tag in Kutaisi und besuchen die nahegelegenen Prometheus Höhlen, ein Naturwunder aus Felsen und Licht. Es ist ein beeindruckendes, rund 60-70 Millionen Jahre altes Karsthöhlensystem das erst 1984 entdeckt wurde. Wir begeben uns hinunter in die Höhle und marschieren gut 1,5 km vorbei an spektakulären Stalaktiten, Stalagmiten, versteinerten Wasserfällen. Am Ende der Tour können wir einer beeindruckenden Lichtshow, begleitet mit Musik beiwohnen.
Wieder am Tageslicht fahren wir einige Kilometer weiter zum smaragdgrünen Martvilli Canyon. Dort erkunden wir den tiefen Canyon mit Paddelbooten und spazieren anschliessend zu den eindrücklichen Wasserfällen mitten im Wald. Ein toller Tag in der wunderbaren georgischen Natur. Den Tag beschliessen wir in einem Lokal in Kutaisi, wo uns einmal mehr feine georgische Spezialitäten serviert werden. Ein Schlummerdrunk auf der hochgelegenen Hoteldachterrasse beendet diesen Tag in der herrlichen Natur Georgiens.
Klöster, Hängebrücken und das monumentale Höhlensystem von Varzia
Bevor wir Kuraisi verlassen, bummeln wir auch über den lokalen Markt, Nino weist auf allerhand einheimische Waren und Güter hin in der farbenfrohen Markthalle. Da das Gelati Kloster, unser nächstes Ziel komplett mit Planen und Tücher gedeckt und geschlossen ist, besuchen wir das kleine Kloster Motametza, etwas ausserhalb der Stadt gelegen. Auch hier, eine Oase der Ruhe und Stille mit wunderbarem Blick hinunter in einen kleinen Canyon. Weiter geht unsere Fahrt über Borjomi wo wir im Park des traditionsreichen Kurortes spazieren und die vielen russischen Häuser und Villen fotografieren können bevor wir weiterfahren nach Achlziche wo wir im Hotel mit einem feinen Abendessen erwartet werden.
Der nächste Zeit führt uns zu einem weiteren Höhepunkt, nach der Fahrt durch eine ruhige grüne Gegend, Teil der Seidenstrasse und einstmals sehr befahren von Lastwagen in Richtung Türkei, immer begleitet vom imposanten Fluss Mtkwari, machen wir einen Fotostopp bei der Khertvidi Festung. Der beste Blick auf die imposante Festung hat man von der anderen Seite des Flusses, so überqueren wir das reissende Wasser auf einer stark schwankenden Hängebrücke. Welcher Spass! Aber unser eigentliches Ziel heute ist das imposante Höhlenkloster Varzia aus dem 12. Jahrhundert. Es war einst Zuflucht für Tausende und ist auf einem Vulkanplareau in der Höhe von 1300 m gelegen und wurde Ausgrabungen zu Folge bereits in der Bronzezeit bewohnt. Da die Geländewagen die uns eigentlich hoch zum Eingang fahren sollten wegen einem lokalen Feiertag nicht anwesend waren, spazierten wir zu Fuss hinauf und wurden oben wirklich belohnt mit der Besichtigung der uralten Höhlen welche als Schlafsäle, Refektorien, Bäckerei, Wasserquelle und Kirche dienten. Auch dieser Ort wurde in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Fast unbeschreiblich, man muss es mit eigenen Augen gesehen haben.
Nach der Wanderung und Besichtigung dieses einmaligen Höhlensystems hatten wir alle Hunger und wurden nur einige Kilometer entfernt bei einer lokalen Familie zum Mittagessen erwartet. Wir hatten überall sehr gut gegessen, aber das hier war der absolute Gaumenschmaus mit den fein zubereiteten Forellen. Leider mussten wir diesen idyllischen Ort verlassen und uns auf den Weg zurück nach Tiflis machen. Aber auch diese Fahrt war mehr als eindrücklich, fuhren wir doch durch das georgische Sibirien mit zahlreichen Seen, hohen Bergen, Hochebenen und kleinen Ortschaften. Einmal mehr zeigte sich Georgien in all seiner Schönheit.
Abschied von treuen Begleitern und ein Plädoyer für Georgiens einzigartige Strassenhunde
Eine letzte sehr kurze Nacht in Tiflis und dann brachte uns ein Flieger von Edelweiss pünktlich in die Schweiz zurück mit unzähligen wunderbaren Erinnerungen. Wir mussten uns von unserer allwissenden und gossartigen lokalen Fremdenführerin Nino und dem tollen Chauffeur Sviadi, der uns unterwegs seinen hausgemachten Wein kosten liess, verabschieden. Beide waren einmalig!
Bevor ich diesen Bericht schliesse, möchte ich noch einige Worte sagen zu den Strassenhunde in Georgien.
Wenn man an Strassenhunde in fremden Ländern denkt, sieht man verwahrloste, schmutzige und oft hungrige Hunde vor sich. Nicht so in Georgien! Die Hunde sind alle gechipt, das heisst sie sind geimpft und kastriert. Es sind wirklich liebe Hunde, werden auch von der einheimischen Bevölkerung gut behandelt, sind nie aufdringlich, sie begleiteten uns manchmal (bis hinein in die Höhlen), freuen sich über ein nettes Wort und eventuelle Essensreste. Dann zotteln sie weiter und suchen sich ein Plätzchen zum ausruhen. Nie vorher habe ich solche Strassenhunde erlebt. Sie geben einen zufriedenen Eindruck, sind absolut nicht aggressiv und gehören überall, sei dies in der Stadt oder auf dem Land zum Strassenbild Georgiens.
Ja, es war eine absolut wunderbare Reise in ein bisher noch fast unbekanntes Land. Es braucht noch einiges an Infrastruktur, damit der Tourismus wirklich voll anlaufen kann. Wir hatten vielleicht teils löchrige Strassen, fehlende Infrastruktur, aber wir haben das noch identische und authentische Georgien erlebt mit der grossen Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Bewohner und ich bin sicher, dass alle Reiseleitnehmer noch lange an diese Tage in Georgien zurückdenken werden. Mir jedenfalls bleibt dieses wunderbare Land in allerbester Erinnerung.
Heidi Halter