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Korsika und Sardinien mit Daniele Degiorgi

Zwei Trauminseln, wilde Natur und unvergessliche Begegnungen: Kommen Sie mit an Bord und erleben Sie eine faszinierende Reise von der duftenden Provence über die wildromantischen Felsklippen Korsikas bis hin zu den antiken Geheimnissen Sardiniens. Ein Reisebericht voller Kontraste: Begleiten Sie uns bei spektakulären Bus-Manövern in den Calanche, wandeln Sie auf den Spuren von Napoleon und geniessen Sie ein traditionelles Hirten-Bankett mit mystischem Gesang in den Bergen der Barbagia. Ein echtes Insel-Abenteuer, das das Herz höherschlagen lässt!

Daniele Degiorgi
Reisebericht von Daniele Degiorgi
Reiseleiter
5. - 12. Mai 2026

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Leinen los in der Provence: Auf der Riesen-Fähre nach Korsika

Der erste Tag fängt sehr früh an, die Reise ist aber bequem und vielseitig. Wir passieren die Alpen von Chambéry, die riesigen Baumnuss-Plantagen zwischen Grenoble und Valence sowie das Rhonetal mit den Weinbergen der Côte du Rhône, Châteauneuf-du-Pape und Avignon, der Stadt der Päpste. Die Reise führt uns weiter durch die Provence mit all ihren Düften und Farben. In Toulon läuft dann alles ganz schnell: Die Fähre der Corsica Ferries wartet auf uns wie ein riesiger Wal mit offenem Maul. Wir steigen ein und nehmen Platz in unseren komfortablen Kabinen. Nach einer Nacht auf dem Schiff kommen wir am frühen Morgen in Bastia an.

Die Terra Nova, eine jahrhundertealte Zitadelle mit mächtiger Festungsmauer, wurde einst von den genuesischen Herrschern erbaut. Die kleine Stadt hat noch immer ein ligurisches Flair mit ihren engen Strassen und den farbigen Häusern. In der Nacht hat es stark geregnet, aber pünktlich zu unserer Ankunft hat es aufgehört. Wir flanieren frühmorgens durch die fast leere Zitadelle und spazieren hinunter zum Vieux Port. Nach einigen Kilometern entlang dem Meer fahren wir in die hügelige Gegend der Balagne. Hier finden wir das fruchtbare Hinterland im „Garten Korsikas“ mit Olivenhainen, Weinbergen und traumhaften Ausblicken auf die am Berg hängenden Dörfer. Wir steigen hoch bis nach Belgodère, von wo aus man eine wunderbare Sicht auf die Nordküste mit L’Île-Rousse, Algajola und Lozari geniesst. Auf unserer linken Seite kleben die Bergdörfer wie Speloncato und Feliceto wie Schwalbennester am Hang. Nach dem Mittagessen in L’Île-Rousse fahren wir noch hoch nach Sant’Antonino, einem der schönsten Dörfer Frankreichs. Wir spazieren durch die wunderschönen, alten, steingepflasterten Wege mit ihren zum Teil übergewölbten Passagen in die Oberstadt. Alle Häuser wurden mit viel Liebe unterhalten und dekoriert – ein Dorf wie aus dem Bilderbuch!

Abenteuer in den Calanche und kaiserliches Flair in Ajaccio

Heute werden wir die berühmten – oder berüchtigten – Calanche erleben. Die schmale Strasse ist für unseren grossen Car nicht geeignet, weshalb wir in einen lokalen, viel kürzeren Bus umsteigen, und das Abenteuer kann starten. Die Fahrt bringt uns zuerst in die Berge; wir sehen vor uns die höchsten und noch schneebedeckten Spitzen Korsikas, den Monte Cinto mit seinen über 2’700 Metern. Dann geht es wieder hinunter an der Küste entlang und anschliessend wieder höher in die Bergdörfer Osani, Curzo und Partinello. Die Strasse ist zum Teil extrem eng und sehr exponiert, aber Alexandre, unser lokaler Chauffeur, meistert sie mit Bravour. Der Halt in Porto mit seinem kleinen Hafen und den verschiedenen gemütlichen Bistros tut uns gut – es ist herrlich, hier an der Sonne einen Kaffee zu geniessen. Nach einer Weile kommen wir endlich an den Calanche an, einer bizarren Felsenlandschaft aus rötlichen Granittürmen. Die Strasse ist hauchdünn und wir stehen immer wieder am Rand einer tiefen Schlucht. Unseren Chauffeur scheint das überhaupt nicht zu beeindrucken; er fährt zügig, bremst im richtigen Moment und meistert den Gegenverkehr perfekt. Ein wahrer Künstler der Strasse! In Ajaccio treffen wir schliesslich auf Josette, unseren lokalen Guide. Sie wirkt, als wäre sie regelrecht in Napoleon verliebt – sie weiss einfach alles, erzählt uns mit viel Hingabe aus seinem Leben, kennt jedes Detail und die ganze Familie. Die Führung durch das Museum in seinem Geburtshaus ist hervorragend. Die Stadt Ajaccio selbst ist wunderschön, und unser Hotel liegt genial im Zentrum in der Fussgängerzone. Das ist die perfekte Lage, um am Abend noch zu Fuss durch die Gassen zu flanieren.

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Bonifacio-Klippen und die geheimnisvollen Gigantengräber Sardiniens

An unserem letzten Tag auf Korsika fahren wir nach Bonifacio, das spektakulär auf weissen Kreidefelsen über dem Meer liegt. Ein kleines Stadttram hilft uns beim Aufstieg bis ganz oben in die Altstadt. Der Blick auf die Klippen ist atemberaubend, ebenso wie der Spaziergang durch die von Touristen belebten Gassen. Eine kurze Fahrt mit der Fähre bringt uns anschliessend nach Santa Teresa Gallura – damit sind wir auf der nächsten Insel gelandet: Sardinien! Hier tauchen wir tief in die Nuraghen-Zivilisation ein, eine faszinierende, bronzezeitliche Kultur, die ausschliesslich auf Sardinien existierte und heute durch ihre imposanten Steintürme weltberühmt ist. Wir fangen an mit dem Gigantengrab Coddu Vecchiu bei Arzachena. Diese Bauten sind die grössten pränuraghischen Kultanlagen Sardiniens und zählen europaweit zu den spätesten Megalithanlagen. Die 321 bekannten Gigantengräber (2’200–1’600 v. Chr.) gehören zur Vorläuferkultur der Nuraghen. Später besuchen wir die nahegelegene Nuraghe La Prisgiona. Die Anlage ist noch nicht vollständig ausgegraben. Die bislang gewonnenen historischen Belege weisen auf eine Nutzung zwischen dem 14. und dem 9. Jahrhundert v. Chr. hin. Es handelt sich um ein Dorf aus etwa 90 Einzelbauten rund um eine höher gelegene Bastion. Einige sind in Ensembles angeordnet, die als Werkstätten interpretiert werden – was eine Produktion über den rein lokalen Gebrauch hinaus zuliess. Nach einem leckeren Mittagessen im hübschen, am Meer gelegenen Baja Sardinia führt unsere Route durch die duftende Macchia entlang der legendären Costa Smeralda. Porto Cervo wurde in den 60er-Jahren von Prinz Karim Aga Khan als neues, touristisches Luxuskonzept gegründet. Seine charakteristische Architektur mit abgerundeten Formen und Pastellfarben prägte fortan die gesamte Costa Smeralda. Wir haben Zeit, durch das Dorf zu spazieren; die engen Gassen und Unterführungen erwecken den Eindruck, man befinde sich in einem alten, einheimischen Dorf. Aber nein, das ist alles künstlich in den 60er-Jahren aus der Fantasie eines französischen Szenografen entstanden! Zum Abschluss geniessen wir noch eine Glace bei der berühmten Gelateria „La Virgola“ direkt am kleinen Strand.

Das Land der Banditen: Ein traditionelles Hirten-Bankett in Orgosolo

Der heutige Tag führt uns in das urige Sardinien, das in den Bergen der Barbagia noch mit seinen antiken Traditionen am Leben erhalten wird. Auf dem Weg halten wir zuerst für einen Kaffee in Nuoro, der Provinzhauptstadt, die hoch auf den Bergen wie ein Adlernest liegt. Es ist Sonntag, und die Stadt ist zunächst völlig leer – bis plötzlich die Messe zu Ende ist. Dann füllen sich schlagartig die Kaffees auf dem grossen Platz vor dem Santuario. Weiter geht es in die berüchtigte Barbagia, das einstige Land der Banditen. In Orgosolo flanieren wir durch die Hauptstrasse des Dorfes und bestaunen die unzähligen kunstvollen und zum Teil politischen Murales (Wandbilder), welche die Hausmauern dekorieren. Dann ist es Zeit fürs Mittagessen: Der Bauernhof liegt nur ein paar Kilometer weit entfernt in einer Waldlichtung. Gino empfängt uns mit jener herzlichen Freundlichkeit, die bei diesem hartgesottenen Volk als ganz natürliche Gastfreundschaft tief verwurzelt ist. Leider hat es in der Nacht wieder geregnet. Deshalb müssen wir heute, statt im Grünen unter den Bäumen, in einem komfortablen Saal sitzen und die sardischen Spezialitäten geniessen. Das Bankett kann starten! Zuerst gibt es Schinken, Salami und Speck mit dem traditionellen sardischen Brot Pane Carasau sowie milden Schafskäse (Pecorino). Danach folgt saftiges Schafsiedfleisch mit Kartoffeln, gefolgt von am offenen Feuer gegrilltem Spanferkel, begleitet vom Hirten-Fladenbrot Pane Guttiau. Alles wird vom eigenen Wein, dem kräftigen Cannonau, begleitet und am Ende durch den hauseigenen Schnaps „Filu ’e Ferru“ abgerundet. Es ist herrlich zu sehen, wie diese grossen, an die harte Arbeit in der Natur gewöhnten Männer als Kellner arbeiten und uns in ihrer einfachen Art sehr aufmerksam und sorgfältig bedienen. Nach dem Essen starten die Hirten einen „Cantu a Tenòre“, einen Stil des polyphonen Volksgesangs, der charakteristisch für Sardinien und besonders für die Region Barbagia ist. Wir hören gespannt zu – dieser monotone Gesang wirkt unheimlich mystisch und meditativ. Fast wie ein Gebet in der Natur.

Das katalanische Alghero und ein stürmischer Abschied am Capo Caccia

Die Stadt Alghero ist das letzte Ziel dieser wunderschönen Reise. Auf dem Weg dorthin halten wir kurz bei der romanischen Kirche Santissima Trinità di Saccargia. Die Abteikirche des ehemaligen, heute völlig zerstörten Kamaldulenser-Klosters ist ein wahres Juwel. Sie ist neben San Pietro di Sorres das bedeutendste Beispiel für romanisch-pisanische Architektur des 12. Jahrhunderts. Alghero selbst ist eine charmante Küstenstadt im Nordwesten Sardiniens, die oft als das „Barcelona Sardiniens“ bezeichnet wird. Diese besondere Identität verdankt sie ihrer über 400-jährigen Geschichte als katalanische Enklave, deren Erbe bis heute in der Architektur, den Bräuchen und einem lokalen katalanischen Dialekt lebendig ist. Unsere lokale Reiseleiterin Vincenzina führt uns über die mittelalterlichen Stadtmauern und vorbei an massiven Festungstürmen zur Kathedrale mit ihrem markanten Glockenturm sowie zur Kirche San Michele mit ihrer farbenprächtigen Keramikkuppel. Es ist extrem windig; der Westwind „Libeccio“ bläst heftig, weshalb heute kein einziges Schiff den Hafen verlässt. Leider können wir daher keine Bootsfahrt machen. Jozef, unser Bus-Chauffeur, hat aber sofort eine tolle Alternative parat: Wir fahren stattdessen bis vor zum „Capo Caccia“, wo die lange Escala del Cabirol mit ihren 654 Stufen steil an der Grotte mündet. Danach machen wir noch einen Fotostopp bei Porticciolo, einer fantastischen Bucht mit einer riesigen Aussicht. Am Abend erfolgt schliesslich die Einschiffung in Porto Torres zur Nachtfähre nach Genua. Unsere Reise ist somit am Ende. Was für eine Woche! Wir sind von den unzähligen wunderschönen Eindrücken völlig überwältigt. Unsere Kameras sind randvoll mit Fotos, unsere Herzen gefüllt mit gewaltigen Emotionen.

Daniele Degiorgi

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