Ankunft in Porto und erste Entdeckungen
Unsere gut gelaunte Reisegruppe landet bereits um 8 Uhr morgens am Flughafen von Porto. Chauffeur José Brandão empfängt uns freundlich am Ausgang und bringt uns im komfortablen Mercedes-Car zu unserer Unterkunft in der Innenstadt. Das Hotel Timbre Heroismo überzeugt mit modernem Design und bietet für unseren Nordportugal-Aufenthalt alle Annehmlichkeiten.
Das Wetter an diesem Maitag ist herrlich, und so hält uns nichts zurück, die Stadt am Douro zu Fuss zu entdecken. Den Auftakt bildet das ehrwürdige Jugendstil-Café Majestic. Dort stärken wir uns mit einem Espresso und Pastéis de Nata, den in ganz Portugal beliebten köstlichen Puddingtörtchen. Anschliessend bummeln wir durch die Fussgängerzone der Rua Santa Catarina bis zum Mercado do Bolhão. In dieser zu Beginn des letzten Jahrhunderts erbauten Markthalle findet sich alles, was das Feinschmeckerherz begehrt – Gemüse, Obst, Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch, Käse und Gewürze sowie natürlich Petiscos, die portugiesische Variante der spanischen Tapas.
Nächste Station ist die barocke Clérigos-Kirche mit ihrem hohen Turm. 225 Stufen führen hinauf zur Aussichtsplattform an der Spitze. Die meisten von uns wagen den Aufstieg und werden mit einem prächtigen Rundblick belohnt, der über die rotziegelgedeckten Dächer der Altstadt, die schmalen, hohen und mit Azulejos-Kacheln verkleideten Häuserfassaden sowie die zahlreichen Kirchen und Paläste reicht.
Nichts prägt das Stadtbild Portos jedoch stärker als die Ponte Dom Luís I. Die filigrane, zweistöckige Eisenbogenbrücke wurde von einem Schüler Gustave Eiffels entworfen und überspannt den Douro in rund 60 Metern Höhe. Wir überqueren die Brücke und blicken hinunter auf die Ufer des Douro, wo ein lebendiges, entspanntes Treiben aus Spaziergängern, Strassenmusik und den traditionellen Rabelo-Booten herrscht. Porto ist wirklich einzigartig.
Am Nachmittag besteigen wir ein Tram aus dem Jahr 1944, das uns entlang des Flussufers nach Foz do Douro bringt. Holprig, laut und nostalgisch ist die Fahrt. Kurz vor dem Ziel muss der Wagen abrupt stoppen: Ein parkiertes Auto steht mit zwei Rädern auf den Schienen, und trotz alles Bimmeln der Tramführerin lässt sich der Besitzer nicht blicken. Die letzten 200 Meter legen wir zu Fuss bis zur Endstation zurück. Foz do Douro bedeutet Douromündung – hier fliesst der Strom in den Atlantik. Wir bummeln entlang der Strandpromenade und blicken auf das endlose Blau des Ozeans. Bei einem Sundowner lassen wir den ersten Reisetag ausklingen, bevor wir mit dem Stadtbus ins Hotel zurückkehren.
Porto zwischen Geschichte und Portwein
Am nächsten Morgen begrüsst uns im Hotel Paula Marcelo. Die fröhliche Portugiesin ist für die nächsten vier Tage unsere lokale Reiseführerin. Einen Teil ihrer Jugend hat sie in Frankfurt verbracht und spricht deshalb ausgezeichnet Deutsch. Sie zeigt uns Ecken von Porto, die wir am ersten Tag noch nicht gesehen haben. Wir besichtigen die Bahnhofshalle von Porto São Bento, deren Wände mit Szenen aus der portugiesischen Geschichte geschmückt sind – dargestellt in Tausenden von Azulejos-Kacheln. Mit dem Börsenpalast bekommen wir ein architektonisches Juwel aus dem späten 19. Jahrhundert zu Gesicht. Wir bestaunen den prunkvollen Innenhof, der von einer grossen Glas- und Eisenkuppel überdacht ist, sowie den berühmten Arabischen Saal. Anschliessend spazieren wir durch die engen Gassen der Altstadt hinunter zur Ribeira, dem geschäftigen Flussufer des Douro. Uns wird bewusst, dass es in der am steilen Hang des Douro-Tals erbauten Stadt nur zwei Richtungen gibt – nach oben und nach unten. Porto bedeutet schlicht „Hafen“. Bis heute hat die Stadt den rauen, authentischen Charme ihrer Vergangenheit als Hafen- und Arbeiterstadt bewahrt – melancholisch, bodenständig und voller Atmosphäre.
Am Nachmittag lassen wir uns in der Kellerei „Calem“ in die Geheimnisse der Portweinherstellung einführen. In den dunklen Hallen liegt ein süsslich-alkoholischer Duft in der Luft, begleitet von Noten getrockneter Früchte, Eichenholz und kühler, feuchter Kelleratmosphäre. Die verschiedenen Sorten Portwein lagern in hunderten von Fässern mit einem Volumen von 550 bis 100'000 Litern. Je nach Stil reift der Wein zwischen zwei und 40 Jahren im Fass. Bei der anschliessenden Degustation wird angeregt darüber diskutiert, ob der fruchtig-süsse Ruby oder der herbere, nussigere Tawny besser mundet.
Naturerlebnisse im Peneda-Gerês-Nationalpark
Am nächsten Tag lassen wir das quirlige Porto hinter uns und fahren ins Gebirge. Unser Fahrer José steuert den Car ruhig und sicher über Autobahnen, Land- und Bergstrassen. Auch heute weiss unsere Lokalführerin Paula viel Wissenswertes und Spannendes über Land und Leute zu erzählen.
Der Peneda-Gerês-Nationalpark liegt im äussersten Norden Portugals und umfasst eine Fläche etwa in der Grösse des Kantons Glarus. Vom Wallfahrtsort São Bento da Porta Aberta erhalten wir einen ersten Eindruck der bergigen Landschaft und des weitverzweigten Stausees von Caniçada. Die sportlichen Teilnehmer unserer Gruppe erklimmen beim nächsten Halt den Aussichtspunkt «Miradouro das Rocas». Die von schroffen Granitfelsen, tief eingeschnittenen Tälern sowie Eichen- und Kastanienwäldern geprägte, dünn besiedelte Landschaft wirkt still, rau und ursprünglich. Ebenso lohnend ist der Spaziergang zur Cascata do Arado. Das klare Wasser fällt in mehreren Stufen über glatte Granitfelsen in ein türkisgrünes Becken und ist eingebettet in eine moosige, dicht bewachsene Naturkammer im Wald. Wir haben heute eine Seite Portugals entdeckt, die abseits der grossen Touristenströme liegt und dadurch umso eindrücklicher wirkt.
Auf den Spuren der portugiesischen Geschichte
Am vierten Tag unserer Reise tauchen wir in die Geschichte Portugals ein. Unser Car bringt uns nach Guimarães, das als Wiege des Landes gilt. Wir spazieren um das Schloss, in dem im 12. Jahrhundert Afonso I von Portugal, der erste König Portugals, geboren wurde. 1139 machte er Guimarães zur ersten Hauptstadt des Landes. Auf unserem Rundgang erleben wir die mittelalterliche Innenstadt von Guimarães, die mit ihren malerischen Plätzen und Gassen von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde.
Auch das benachbarte Braga atmet viel Geschichte. Von den Römern um 16 v. Chr. gegründet, gilt sie als eine der ältesten Städte Portugals. Mit ihrer charmanten Fussgängerzone und den blumengeschmückten Parks wirkt Braga zugleich lebendig und einladend. Wir lassen uns von der Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert beeindrucken, während draussen ein starkes Gewitter niedergeht. Als wir die Kirche verlassen, haben sich die dunklen Wolken bereits wieder verzogen und machen der Sonne Platz. Den Abschluss des heutigen Ausflugs bildet der Besuch der Wallfahrtskirche Bom Jesus do Monte ausserhalb von Braga. Schon von weitem ist auf einem Bergrücken die Fassade der doppeltürmigen Barockkirche sichtbar. Einige Mitglieder unserer Gruppe steigen zu Fuss über die monumentale, von Brunnen und Statuen gesäumte Treppe zum Heiligtum hinauf, während sich die anderen bequem von José im Car chauffieren lassen. In der reich mit Blumen geschmückten Kirche erleben wir sogar eine glamouröse Hochzeitsfeier, bevor wir schliesslich nach Porto zurückkehren.
Das Dourotal und der Abschied von Nordportugal
Was wäre eine Reise nach Nordportugal ohne einen Ausflug ins Dourotal? Selbstverständlich gehört der Besuch des ältesten abgegrenzten Weinbaugebiets der Welt zum Programm unserer Car-Tours-Reise. Bereits die Anreise ist eindrücklich: Über die 2,8 Kilometer lange und rund 230 Meter hohe Corgo-Brücke, eine der höchsten ihrer Art in Europa, erreichen wir die Region. Anschliessend führt die kurvige Strasse hinab ins Tal, doch zuvor legen wir an einem Aussichtspunkt einen Halt ein und lassen die Landschaft auf uns wirken. Vor uns breiten sich endlose, terrassierte Weinberge aus, die sich die steilen Hänge hinabziehen und in frischem Grün leuchten. Am Talgrund schlängelt sich der Douro ruhig und glitzernd durch die gewaltige Landschaft.
Unten in Pinhão angekommen, besteigen wir ein Ausflugsschiff, um das Dourotal auch vom Wasser aus zu erleben. Wir sehen das beschauliche Dorf mit seiner Eisenbrücke, die Rebhänge sowie die Quintas und Weingüter am Ufer. Neben den Reben wachsen vor allem Oliven- und Feigenbäume, Korkeichen, Ginster, Rosmarin und andere mediterrane Sträucher sowie vereinzelt Pinien, die sich an die trockenen, steilen Schieferhänge angepasst haben. Zurück in Pinhão probieren wir während der Mittagsrast in einem gemütlichen Lokal luftgetrockneten Presunto, flambierte Chouriço-Wurst und regionalen Käse. Am Nachmittag werden wir in der Quinta do São Luiz zu einer Weinprobe erwartet. Die Quinta liegt idyllisch in den Weinbergen über dem Fluss. Noch einmal nutzen wir die Gelegenheit, die Portweine der Region zu verkosten. In Peso da Régua, wo viele Flusskreuzfahrtschiffe festmachen, legen wir einen kurzen Halt ein, bevor wir nach Porto zurückkehren.
Unser Rückflug in die Schweiz startet erst am Abend, sodass wir unseren letzten Reisetag in Porto noch einmal in vollen Zügen geniessen können. Einige nutzen die Zeit für einen letzten Bummel durch das bunte Porto, für Einkäufe oder eine Einkehr in einem der vielen gemütlichen Lokale. Ein Teil der Gruppe spaziert durch den Parque de Serralves im Westen der Stadt, ein weitläufiges Gelände mit einer Villa im Art-déco-Stil der 1930er Jahre, Skulpturen, Rosengarten, Teichen und einem Baumwipfelpfad.
Viele Eindrücke haben wir auf unserer Reise durch den Norden Portugals gesammelt. Entsprechend bereichert und zufrieden landet unsere Car-Tours-Gruppe am späten Abend am Flughafen Zürich. Getreu dem Motto von Car-Tours waren wir in bester Gesellschaft unterwegs. Umso herzlicher fällt der Abschied von den anderen Gruppenmitgliedern aus – verbunden mit der Vorfreude auf ein baldiges nächstes Reiseerlebnis.
Luzius Thürlimann