Es ist früh am Morgen, nach einigen Tagen mit intensivem Regen scheint endlich wieder die Sonne. Die Reise fängt mit den besten Voraussetzungen an. Thun, Bern, Pratteln, Basel, der Bus hat sich gefüllt, grosse Freude, hohe Erwartungen, alle sind in bester Laune.
Die Fahrt in unserem komfortablen Extrabus nach Rouen zieht sich in die Länge. Julien, unser junger und sympathischer Chauffeur, meistert souverän den Verkehr wie ein alter Fuchs. Die Kaffeepause und eine längere Mittagspause tragen dazu bei, ein fröhliches Klima zu erhalten. In Rouen werden wir mit einem feinen Nachtessen erwartet.
Nach dem Frühstück werden wir zu einer Stadtführung durch Rouen von unseren zwei lokalen Guides Françoise und Inga erwartet. Es regnet, wir folgen den zwei Damen durch die engen Gassen. Dann ändert sich das Wetter plötzlich und siehe da, die ersten Sonnenstrahlen. Das Wetter ist hier sehr wechselhaft, aber mit viel Glück werden wir während der ganzen Reisen lang immer trocken bleiben.
Die Hafenstadt an der Seine wird auch «die Stadt der 100 Kirchtürme» genannt, la Tour de l’Horloge, die grosse Kathedrale, das Kloster mit dem offenen Friedhof, die grosse Markthalle und, immer präsent, Jeanne d’Arc, die Heldin und Schutzpatronin Frankreichs.
Anschliessend fahren wir über die spektakuläre, mehr als 2 Kilometer lange und im Jahr 1995 eröffnete Pont de Normandie an den Ärmelkanal in das beschauliche Honfleur. Die Region ist bekannt für den Calvados, den bernsteinfarbenen Apfelbranntwein, welchen wir auf unserem Weg in den Badeort Deauville verkosten. Die Brennerei ist ein echter Bauernhof, 40 000 Apfelbäume sind auf diesem Gut gepflanzt worden. Die schier endlose Strandpromenade und der Charme von Deauville mit den hunderten, den grössten Schauspielern Amerikas benannten, Strand-Kabinen verzaubern uns!

Heute sind wir in der charmanten Stadt Caen. Wilhelm der Eroberer und seine Frau Mathilda liessen hier die Burg und zwei Abteien errichten, welche heute zu den Höhepunkten der Metropole zählen. Die Stadt ist schön herausgeputzt, man erwartet hier doch im Juli eine Etappe der Tour der France. Unten am Hafen tauchen wir in den Sonntagsmarkt ein, ein Wahrzeichen der Französischen Gesellschaft. Ein multiethnisches Volk treibt hier seine Geschäfte: Marokkaner, Algerier, Asiaten, Ostafrikaner, Normannen und Bretonen – jeder hat seine Spezialitäten anzubieten. Die Farben und die verschiedenen Gerüche vermischen sich in einem sympathischen Chaos.
Zum Mittag fahren wir weiter zum berühmten Landungsstrand in Arromanches. Am 6. Juni 1944 landen die britischen Soldaten am Gold Beach und erobern Arromanches. Im Meer sind immer noch die riesigen Betonklötze zu sehen, welche den Bau des künstlichen Hafens der Briten ermöglicht haben. Wir besuchen das Museum. Es ist unglaublich, was für eine Organisation es gebraucht hat und was für mutige Menschen hier die Landung ermöglicht haben. Eine kurze Pause an dem amerikanischen Friedhof in Colleville-sur-Mer und am Omaha Beach zeigen uns zusätzlich den Horror dieses Krieges und mahnen uns weitere Kriege in der Zukunft zu vermeiden. Wir fahren weiter in die Bretagne, wo wir von unserem Hotel in Le Tronchet überrascht werden. Das Landgut ist riesig, das Hotel ist aus einem alten Kloster, am Ufer eines ruhig fliessenden Flusses entstanden. Luxus pur!
Die geschichtsträchtige Stadt Saint-Malo ist die meistbesuchte Stadt der Bretagne. Die Festungsstadt sieht auf den ersten Blick durch die hohen Wehranlagen sehr grau und ernst aus. Sie ist auf drei Seiten vom Meer umgeben und bietet die Möglichkeit, einen Spaziergang auf den Mauern zu unternehmen. Die Malonois (so nennt man die Stadtbewohner) sind somit in ihrer idyllischen Altstadt Jahrhunderte geschützt gewesen und haben ihre Aktivitäten als Fischer und Korsaren ungestört in Freiheit treiben können. Weiter führt es uns in Dinard, einen Badeort, welcher sich vom Fischernest zur Spielwiese der High Society gemausert hatte. Die grossen Villen und Hotels wurden Ende 1800 gebaut, man spürt, dass Dinard seine besten Zeiten hinter sich hat.

Dinan zeigt sich später als Pendant zum schmucken Badeort. Hier sind die unzähligen alten, malerischen Fachwerkhäuser noch unverändert, man verliert sich in den engen Gassen zwischen schmucken Geschäften und sympathischen Cafés.
Heute Morgen fahren wir weiter nach Cancale. Wir steigen ab zu dieser Austern-Farm am Strand in der Mitte der riesigen Bucht. Austern leben in der Gezeitenzone. Sie werden deshalb auf dem Strand in netzartige Säcke gelegt und mindestens 3 Jahre lang immer wieder bewegt. Einige von uns haben heute das erste Mal im Leben Austern verkostet. Es wurde eine Mutprobe! Am Nachmittag erwartet uns ein unvergessliches Panorama auf die Bucht, das Meer und den berühmten Mont-Saint-Michel. Seine Bucht ist Schauplatz der stärksten Gezeiten Europas und der Klosterberg wird somit regelmässig wieder zur Insel. Wir überqueren den kurzen Meerärmel bei Ebbe und besuchen das Kloster hoch über dem Hügel. Die engen Gassen auf dem Weg sind mit Restaurants und kleinen Geschäften überfüllt.
Entlang der berühmten Smaragdküste, einem 40km langen Küstenabschnitt an der Nordküste der Bretagne, geniessen wir die Sicht auf das smaragdfarbene Meer. Unser erstes Ziel ist das Cap Fréhel mit seinen spektakulären Steilküsten und der historischen Festung. Wir sind im Mai, die meisten Vogelarten sind hier am Brüten. Wir sichten auf einem Felssprung pinguinartige kleine Vögel, doch es sind die berühmten Tordalk-Pinguine, Frankreichs seltenster und am stärksten gefährdeter Seevogel. Sie verbringen die meiste Zeit auf dem Meer, kehren aber zur Brutzeit an die Küsten zurück. Zum Zmittag fahren wir nach Erquy, die Strände hier sind durch die hohen Gezeiten nicht sicher genug, um Badegäste einzuladen. Die Muschelernte ist aber bei Ebbe eine attraktive Beschäftigung. Wir geniessen im Hafen also die einheimischen frisch gefangenen Jakobsmuscheln.

Unsere Fahrt führt weiter nach Brest. Wir haben vor dem Abendessen noch Zeit, die Stadt kurz zu besichtigen. Brest wurde von den Alliierten komplett zerstört, hier waren die deutschen U-Boote versteckt. Heute zeigt sich die Stadt modern, nur das Schloss ist immer noch da. Wir fahren mit der Stadtseilbahn über die Bucht und die Docks mit der riesigen Werft.
Das berühmte Kap Pointe du Raz ist ein Meisterwerk der Natur. Leider ist sie heute durch einen dicken Nebel umwälzt. Wir spazieren trotzdem bis zum Kap. Die farbigen Blumen in dem kargen, gebüschartigen Feld sehen grell aus in diesem grauen Umfeld. Ein mystisches Erlebnis. Die 72m hohe Landzunge ragt tief hinein in den wilden Atlantik und hat deshalb den Ruf, der wohl westlichste Punkt der Bretagne zu sein. Mit den beiden vorgelagerten Leuchttürmen wäre es das ideale Fotosujet! Ich bekomme noch ein Foto der beeindruckenden Statue der «Gottesmutter derErtrunkenen». Zum Mittagessen entdecken wir die bretonische Städteperle Quimper mit ihrer Kathedrale und der Statue des englischen Königs Gradlon, der nach dem legendären Untergang der Stadt Ys, um das Jahr 500 hierher geflohen ist. Wir fahren durch die wilde, authentische Region Cornouaille. Bevor wir unser Hotel in Vannes erreichen, machen wir, mit der Begeisterung unserer Mitreisenden, einen kurzen Halt in Concarneau, der Stadt vom Kommissar Dupin. Hier das Café l’Admiral, dort la «ville close». Die Altstadt liegt von hohen Mauern geschützt, auf einer kleinen Insel. Das Abendessen werden wir in der schmucken Altstadt von Vannes in einer typischen Brasserie haben, – Zeit, um das wunderschöne Stadtzentrum zu besuchen. Heute ist Auffahrt. Die Bretonen feiern «La semaine du Golfe». Der kleine Hafen und die Stadt sind von unzähligen Besuchern besucht. Wir mischen uns gerne unter die fröhlich feiernde Menge.

Heute machen wir eine Zeitreise zurück in die Vorgeschichte und entdecken die Megalithen-Stätte in Locmariaquer. An diesem Sommertag bei über 25 °C ist der Eindruck der alten Gesteine noch grösser. Der grosse zerbrochene Menhir Brisé ist ein Granitblock von über 20m Länge und 280 Tonnen Gewicht. Er ist damit der grösste Monolith, der zur damaligen Zeit aufgestellt wurde. Ein Wunder, wie ein solcher Koloss vor 4000 Jahren hier transportiert und senkrecht gestellt wurde. Zu Mittag fahren wir dann in die kleine Stadt Auray, zuerst unten am Hafen, wo am linken Ufer die ältesten Häuser sind. Sie gehen noch auf das 15. Jh. zurück. Dann oben im Stadtzentrum mit der grossen Markthalle. Hier entsteht die abstruse Geschichte um die hl. Anna die als Schlossherrin schwanger wird, ins Heilige Land gelang und dort ihre Tochter Maria zur Welt brachte, die später durch unbefleckte Empfängnis Mutter den jungen Jesus bekam. War Jesus also ein Bretone?
Es ist schon Zeit, zurück in die Schweiz zu kehren: tausende Fotos in der Kamera, hunderte Emotionen im Herz und die Erinnerung an eine der besten Reisen mit wunderbaren Mitreisenden. Es war für mich echt eine Ehre, mit euch allen in der Bretagne zu reisen. Vielen Dank und bis zur nächsten Reise!
Daniele

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