Zum Inhalt springen

Stockholm im Advent mit Susanna Giovanoli

 

Glitzernde Seen, verwinkelte Gassen und festlich geschmückte Weihnachtsmärkte: Stockholm im Advent ist ein Erlebnis für alle Sinne. Wir schlendern durch Gamla Stan, staunen über die Schärenlandschaft, geniessen skandinavische Leckereien und tauchen ein in die magische Mischung aus Geschichte, Kultur und nordischem Charme. Eine Stadt, die Herz und Kamera gleichermassen füllt.
Susanna Giovanoli
Bericht von Susanna Giovanoli, Reiseleiterin, 3. - 7. Dezember 2025

 

Unser Stockholm-Abenteuer beginnt angenehm entspannt. Der Flug von Zürich verläuft so ruhig, dass selbst die Turbulenzen offenbar beschlossen haben, an diesem Tag ausschlafen zu dürfen. Während wir über die glitzernden Seen Schwedens hinweg dem Flughafen entgegenfliegen, steigt bei allen die Vorfreude. Kaum sind wir auf dem Flughafen gelandet, begrüsst uns die klare skandinavische Luft: frisch und herrlich belebend. Ich «sammle» meine 40 Gäste ein, und los geht es in Richtung Hotel.

Am ersten Tag starten wir, begleitet von unserer tollen Stadtführerin Birgitta, mit einer ausgedehnten Panorama-Stadtrundfahrt. Auf unserer Fahrt eröffnet sich uns immer wieder der Blick auf glitzerndes Wasser. Stockholm ist ja schliesslich aus 14 Inseln zusammengesetzt; eine Tatsache, die wir auf unserer Rundfahrt mit jeder Brücke spürbar verinnerlichen. Wir fahren über breite Boulevards und vorbei an eleganten Häuserfassaden, sehen die berühmte Markthalle und das imposante Königliche Dramatische Theater, dessen goldene Verzierungen im Licht funkeln. Von weitem sehen wir auch die goldene Drei-Kronen-Spitze des Rathauses glänzen und beim Vorbeifahren stellen wir uns vor, wie im Blauen Saal jedes Jahr der Nobelpreis gefeiert wird. Wir steigen beim Königlichen Schloss aus, das so gross und majestätisch ist, dass man sich fragt, wie lange ein königlicher Bote wohl braucht, um eine Nachricht vom Nordflügel zum Südflügel zu überbringen.

Von hier aus machen wir einen Spaziergang durch die Gamla Stan, die Altstadt. Wir tauchen in die engen, verwinkelten Gassen ein. Die Häuser leuchten in warmen Farben: ocker, rot, orange, und wir spüren, wie der Boden unter unseren Schritten Geschichte atmet. Kleine Cafés locken mit Kardamomgebäck und Glögg, Kunsthandwerker öffnen ihre Türen, und über dem Stortorget-Platz schweifen unsere Blicke den Fassaden entlang.

Stockholm zeigt sich uns als Stadt voller Kontraste: elegant und bodenständig, lebendig und ruhig, historisch und modern.

Nach dem Spaziergang bringt uns der Bus zum Skansen Park, dem ältesten Freilichtmuseum der Welt, das jetzt zu dieser Zeit besonders still wirkt. Wir spazieren zwischen historischen Bauernhöfen, kleinen Werkstätten und alten Holzhäusern hindurch. In einigen der alten Stuben leuchten warme Lichter aus den Fenstern oder knistert ein Feuer im Kamin. Wir beobachten Glasbläser bei der Arbeit, sehen, wie Mitarbeitende in traditioneller Kleidung töpfern und schnitzen – Handwerkstechniken, die heute fast vergessen sind. Auf meinem Weg durch den Park begegne ich Rentieren und Elchen, die ruhig in ihren Wintergehegen stehen. Ihre Präsenz verstärkt das Gefühl, mitten in der nordischen Natur zu sein, obwohl ich mich eigentlich im Herzen Stockholms befinde.

Mit dem Ausflug nach Marienhamn steht am heutigen Tag ein weiteres Highlight an. Kaum betreten wir die Fähre Grace der Viking Line, verbreitet sich eine ganz besondere Stimmung aus maritimer Eleganz und Kreuzfahrtschiff-Feeling. Bevor wir uns der Schärenlandschaft widmen, wartet ein fantastisches Frühstück, das uns alle sofort überzeugt, dass so ein Tag nur gut werden kann. Das Buffet ist eine Mischung aus skandinavischer Leichtigkeit und nordischem Pragmatismus: frisches Brot, knusprige Waffeln, Lachs, verschiedene Wurst- und Käsesorten, Eierspeisen, Joghurt, Birchermüesli, Früchte… Die Stimmung ist ausgelassen.

Frisch gestärkt lassen wir nun die Schönheit der Schärenlandschaft auf uns wirken. Die Schärenlandschaft ist wie ein riesiges Naturmosaik aus tausenden kleinen und kleinsten Inseln. Wir gleiten vorbei an felsigen Inseln und Inselchen mit einsamen roten Holzhäusern, dichten Tannenwäldern, winzigen Bootsstegen und manchmal auch einfach nur einem dekorativen Felsen, der aussieht, als habe ihn ein Troll persönlich dort abgelegt.

Der heutige Tag ist «regnerisch und verhangen». Das Licht zaubert somit eine fast magische Stimmung. Wir sind ungewohnt ruhig – alle sind wir beschäftigt damit, zu staunen und zu fotografieren.

In Marienhamn steigen wir in die Retour-Fähre Glory um und fahren wieder durch die gleiche märchenhafte Inselwelt zurück. Diesmal mit noch mehr Begeisterung, weil wir inzwischen wissen, dass jeder Blick eine Postkarte sein könnte.

Am zweitletzten Tag erwartet uns ein riesiger Spass: das ABBA-Museum. Schon beim Betreten fühlen wir uns in eine bunte 70er-Jahre-Zeitreise versetzt. Vorab erklärte ich den Gästen, dass man hier praktisch unmöglich schlechte Laune haben kann. Und tatsächlich, nur wenige Minuten später bestätigen mir dies gleich ein paar Gäste lachend. Man könnte glatt meinen, ABBA habe heimlich ein Rezept für sofortige gute Laune entwickelt. Wir stehen vor Originalkostümen, die so glitzern, dass man kurz die Sonnenbrille auspacken möchte. Manch Gast meiner Gruppe merkt erst jetzt, dass sie offenbar doch eine kleine Schwäche für Pailletten besitzen. Wir verlieren jede Scheu und zeigen ungeahnte Talente: Wer bisher schüchtern war, singt plötzlich „Dancing Queen“ und tanzt zu «Mamma Mia» auf einer virtuellen Bühne. Fast würde ich wetten, einige hätten am liebsten gleich ein Castingformular ausgefüllt.

Bis zum Abend bleibt uns noch viel Zeit, um Stockholms Schönheiten kennenzulernen. Ein paar Gäste schauen sich das Vasa Museum an, andere bevorzugen das Viking Museum, wieder andere gehen auf Pippi Langstrumpfs Spuren oder in die Markthalle und einige schauen sich die unterirdischen Kunstgalerien der Metrostationen an. Hier leuchten überall kräftige Farben, skurrile Formen und riesige Wandgemälde aus dem rohen Fels. Jede Haltestelle kann ihre ganz eigene Geschichte erzählen.

Wir erfreuen uns auch an den Adventsmärkten. Besonders angetan hat uns derjenige in Gamla Stan, die stimmungsvolle Altstadt. Die engen Gassen wirken jetzt in der Adventszeit wie ein lebendiges Weihnachtsdorf: warm leuchtende Laternen, festlich dekorierte Schaufenster, kleine Cafés mit beschlagenen Fenstern, Weihnachtsmarktstände mit Handwerkskunst, und überall umhüllt uns ein Duftmix aus Glögg, frisch gebackenem Pfefferkuchen, Holzrauch und frischer Tanne. Wir lassen uns treiben, entdecken liebevolle Details an den alten Gebäuden und geniessen die gemütliche Atmosphäre.

Es ist einer dieser Spaziergänge, die man gerne noch ein paar Stunden verlängern würde.

Wenn wir uns am Ende der Reise am Flughafen verabschieden, sind wir uns alle einig: Stockholm hat nicht nur unsere Koffer gefüllt, sondern auch unser Herz ein kleines bisschen skandinavischer gemacht.

Mit besten Grüssen, Eure Reiseleiterin

Susanna Giovanoli

End of blog post. You can add modules below this.