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Faszination Nordkap mit Gisela Jähn

Zwölf Tage, vier Länder, fast 8000 Kilometer und unzählige unvergessliche Eindrücke: Unsere Reise ans Nordkap führte durch Schweden, Finnland und Norwegen bis zum nördlichsten Punkt Europas. Unterwegs erwarteten unsere Gäste faszinierende Städte, spektakuläre Landschaften, helle Sommernächte, Begegnungen mit Rentieren und viele besondere Momente. Begleiten Sie uns auf dieser aussergewöhnlichen Reise in den hohen Norden.

Gisela Jähn
Reisebericht von Gisela Jähn
Reiseleiterin
10. - 21. Juli 2026


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Aufbruch in den hohen Norden

Praktisch jeder Mensch hat einen Sehnsuchtsort, den er/sie einmal im Leben besuchen möchte. Und alles daransetzt, sich diesen Wunsch zu erfüllen. Genau das haben sich 47 Personen auch gesagt und die Gelegenheit genutzt, mit uns für 12 Tage in den Norden Europas zu fahren. Ja, fast 8000 Kilometer per Bus ist ein anstrengendes Abenteuer, das ist unbestritten, aber die Erlebnisse und Eindrücke auf dieser Reise bleiben ein Leben lang.

Am frühen Freitagmorgen ging es in St. Gallen los, erst mit Andrea, unserer Vorladechauffeuse und ab Pratteln in Doppelbesatzung, wie auf diesen Reisen üblich, mit Thomas und Jürg, allesamt erfahrene Busfahrer der Firma Zerzuben.

Mit Mittag- und Nachmittagspausen erreichten wir gegen 19 Uhr unseren ersten Übernachtungsort Hannover. Seit vielen Jahren verbringen wir die erste Nacht immer in Hannover oder in der näheren Umgebung. Von der Insel Fehmarn, im höchsten Norden Schleswig-Holsteins, brachte uns die Autofähre der Reederei «Scandlines», die ihren Sitz in Hamburg hat, in ruhigen 45 Minuten von Puttgarden (DE) nach Rödby (DK) auf der Insel Lolland. Dänemark besteht aus über 1400 Inseln, wir haben auf unserem weiteren Weg nach Helsingör deren zwei durchfahren, Lolland und Seeland. Eine weitere Fährüberfahrt erwartete uns am späten Nachmittag, von Helsingör (DK) nach Helsingborg (SE), dieses Mal nur kurze 20 Minuten. Helsingborg gehörte bis zur Unabhängigkeit Schwedens im Jahre 1523 zu Dänemark, zusammen mit Norwegen.

Der Tag war allerdings noch nicht zu Ende, weitere 250 Kilometer mussten bis zur ersten Übernachtung in Schweden zurückgelegt werden. Diese ersten zwei Tage gehören, streckenmässig gesehen, zu den anstrengendsten. Einmal geschafft, gewöhnte man sich zudem etwas an die langen Tagesetappen.

Als langjährige Reiseleiterin bei Car Tours mit viel Erfahrung in Skandinavien gehe ich jeweils davon aus, dass Gäste, die diese Reise buchen, zumindest in etwa wissen, was sie im Bezug auf die Strecke erwartet. Zudem bereite ich die Gäste bereits am ersten Tag darauf vor, dass es, mit wenigen Ausnahmen, frühe Tagwachen sein werden.

Die Hotels auf dieser Reise sind mit «gute Mittelklassehotels» bewertet, was der Ausschreibung absolut entspricht. Natürlich empfindet nicht jeder Gast ein Hotel auf die gleiche Art, den einen ist es zu modern, den anderen zu schlicht, den dritten zu laut … Die Hotels, vor allem in Finnland, passen wunderbar in die Gegend, ohne viel Schnickschnack – so wie sich der Finne selber bezeichnet. Geradlinig und ohne Schnörkel!

Von Stockholm nach Lappland

Mit Stockholm stand ein Highlight auf dem Programm. Nach etwas Freizeit für eine gemütliche Mittagspause in einem der zahlreichen Restaurants in der Innenstadt durften wir mit Birgitta, der lokalen Stadtführerin, diese interessante Metropole etwas näher kennenlernen. Birgitta kenne ich schon viele Jahre und ich freue mich immer riesig, wenn ich sie als Reiseleiterin bekomme. Wir hätten ihr noch stundenlang zuhören mögen, aber die Fähre nach Helsinki wollte erreicht werden.

Punkt 16 Uhr hiess es «Leinen los» für die 16-stündige Überfahrt nach Finnlands Hauptstadt. Auch dieses Mal meinte es der Meeresgott gut mit uns und verschonte uns vor gröberem Geschaukel. Kulinarisch werden wir auf diesen Fähren immer auf das Herrlichste belohnt: Üppige Buffets zum Abendessen und Frühstück verwöhnen uns mit allem, was das Herz begehrt. Dabei könnte man glatt vergessen, dass man sich nicht auf einem Kreuzfahrtschiff, sondern auf einer Fähre befindet.

Gut oder vielleicht auch etwas weniger gut ausgeruht erreichten wir gegen 9 Uhr morgens (Finnland ist eine Stunde voraus) Helsinki, wo uns bereits Petra, die Stadtführerin, erwartete. Mit Petra verhält es sich genau wie mit Birgitta in Stockholm – sie ist ein Juwel. Sogar einige Brocken dieser fast unmöglich zu lernenden Sprache Finnisch versuchte sie uns beizubringen. Ein beinahe aussichtsloses Unterfangen. Versuchen Sie mal «löilüalisa» oder «Suklaapäärynäjäätelötötterö» nachzusprechen. Ohne Knoten in der Zunge kommt man da nicht mehr raus!

Bevor wir in Kuopio, unserem ersten Übernachtungsort in Finnland, ankamen, machten wir einen kurzen Fotostopp bei den Sprungschanzen im weltbekannten Lahti.

Eine besondere Touristenattraktion stand am nächsten Tag auf dem Programm – der Besuch des Weihnachtsmanndorfes in Rovaniemi. Als Touristen, die wir nun einmal sind, führt kein Weg ohne Besuch dort vorbei. Neben Weihnachtsmusik, Weihnachtsschmuck und einem Foto mit dem Weihnachtsmann feierten wir dort mit einem Gläschen Kirsch auch die Überquerung des Polarkreises auf 66° nördlicher Breite.

Über dem Polarkreis geht die Sonne, je nach Standort, lange in die Nacht hinein oder, je nördlicher man kommt, gar nicht mehr unter. Wir hatten mit unserem Reisedatum das Glück, dass wir von Tag 5 bis 8 immer helle Nächte hatten. Es ist eigenartig, wie der Körper auf das lange Tageslicht reagiert. Man wird viel später müde und muss sich manchmal regelrecht zwingen, schlafen zu gehen.

Historisches Segelschiff im Hafen von Stockholm unter blauem Himmel

Der grosse Traum: Das Nordkap

Und dann war er endlich da – der Tag des Nordkaps, auf den man sich schon so lange gefreut hat.

Bevor es allerdings so weit war, machten wir noch einen Mittagshalt beim Inarisee, dem heiligen See der Samen, der indigenen Bevölkerung Fennoskandinaviens. Die Samen, die früher meist ausschliesslich von der Rentierzucht gelebt haben, gehen heute «normalen» Berufen nach. Die Rentiere leben im Sommer frei in ihren Revieren und werden im Winter bei ihren Besitzern gehalten. Auf den Strassen ab etwa Rovaniemi bekommt man die Tiere immer wieder zu sehen. Bei den ersten Rentieren herrscht jeweils grosse Begeisterung, später wird das Anhalten meistens nicht mehr gewünscht. Ein Elch hingegen wäre etwas ganz Besonderes, denn diese sieht man nur sehr selten.

Am Abend dann der grosse Moment. Leider wollte das Wetter nicht so, wie wir wollten – Nebel, Graupelschauer, Wind und Kälte … und dies mitten im Sommer! Der Globus auf dem Felsplateau konnte gerade noch ausgemacht werden, von der Mitternachtssonne fehlte jedoch jede Spur. Das Wetter auf 71° nördlicher Breite kann innerhalb weniger Stunden komplett drehen.

Unsere Gäste waren sensationell. Sie haben es hingenommen, wie es war – Hauptsache wir waren da! Und die Sonne konnten wir ja an den Tagen zuvor geniessen. Tolle Einstellung für etwas Unabänderliches – danke Euch!

Als kleine Entschädigung durften wir am nächsten Morgen etwas länger schlafen. Via Alta mit der eindrucksvollen Nordlichtkathedrale ging es nochmals zurück nach Finnland nach Ylläsjärvi. Einmal die Hälfte der Reise hinter sich gebracht, verstrichen die restlichen Tage nun Schlag auf Schlag.

Schwedens Höhepunkte auf dem Rückweg

Es gab aber noch einiges zu sehen und zu erleben. Gammelstad, die alte Kirchenstadt bei Luleå am Bottnischen Meerbusen, statteten wir einen kurzen Besuch ab. Am Folgetag wähnte man sich für einen Moment in der falschen Stadt – nein, auch wenn die Brücke aussieht wie die Golden Gate Bridge in San Francisco, wir waren immer noch in Schweden. Es handelt sich um die «Högakustenbron», eine knapp zwei Kilometer lange Hängebrücke über den Ångermanälven.

Im hübschen Städtchen Sundsvall, der Drachenstadt, verbrachten wir die Mittagspause. Nach diversen verheerenden Feuern im 19. Jahrhundert wurden in die neuen Steinhäuser kleine Drachen eingemauert, um sie vor zukünftigen Bränden zu schützen. Daran erinnern heute die mannshohen, farbigen Drachenfiguren in der Fussgängerzone.

Vor dem Hotelbezug in Borlänge statteten wir der ehemaligen Kupfergrube in Falun einen kurzen Besuch ab. Die Mine ist seit 1992 geschlossen, der riesige Krater kann jedoch besichtigt werden. Aus Falun stammt auch die bekannte rote Farbe, mit der die meisten schwedischen Häuser gestrichen sind – das berühmte Falunrot.

Borlänge liegt in der Provinz Dalarna, der Heimat des wohl bekanntesten schwedischen Souvenirs: des roten Dala-Pferdchens. Diese Holzpferdchen werden bis heute von Hand geschnitzt und bemalt.

Tag 10 führte uns weiter Richtung Süden. In Örebro legten wir einen Kaffeehalt ein, später machten wir in Motala am Göta-Kanal Mittagspause. In Gränna, am Vätternsee, durfte natürlich ein Besuch der berühmten «Polkagris»-Bonbonmanufaktur nicht fehlen, wo die süssen Spezialitäten seit 1859 von Hand hergestellt werden.

Abschied mit vielen Erinnerungen

Am vorletzten Tag statteten wir, auf dem Weg nach Rödby, der Stadt Malmö einen kurzen Besuch ab, bevor es über die gut sieben Kilometer lange Öresundbrücke zurück nach Dänemark ging. Auf demselben Weg, wie die Reise begonnen hatte, endete sie langsam. Rödby–Puttgarden mit der Fähre und weiter nach Hildesheim war die zu bewältigende Strecke an diesem Tag.

Nach einer letzten Nacht im Hotel Intercity in Hildesheim nahmen wir den Weg in die Schweiz zu den verschiedenen Ausstiegsstellen unter die Räder. Mit einer leichten Wehmut, wie sie bei den meisten Reisen aufkommt, verabschiedeten wir uns – eine fremde Gruppe, die innert zwölf Tagen zu einer gemeinsamen Truppe zusammengeschweisst wurde.

Wir bedanken uns bei allen Reiseteilnehmern für die tollen zwölf Tage und hoffen, dass Ihr die doch recht anstrengende Reise stets in guter Erinnerung behalten werdet.

Und vergesst nicht – SISU (nie aufgeben), so heisst das Zauberwort.

In diesem Sinne: Machet's guat, auf irgendwann und irgendwo.

Herzlichst, Gisela (Reiseleitung), Thomas & Jürg (Chauffeure)

Und ist man erst einmal zu Hause und denkt an die vergangenen zwölf Tage zurück, sagt sich so mancher: Es war gar nicht schlimm, so viele Kilometer zu fahren. Was wir erlebt haben, hat uns voll entschädigt für das lange Sitzen.

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