Reiseblog

Trüffelzauber in der Toskana mit Steffy Wunderlich

Geschrieben von Steffy Wunderlich | Feb 12, 2026 12:55:05 PM

Noch einmal Sonne, Genuss und italienisches Lebensgefühl, bevor der Winter kam: Unsere Reise durch die Toskana war ein Fest für alle Sinne. Zwischen Olivenhainen, historischen Städten und lebhaften Märkten genossen wir feine Pasta, edle Weine und den unvergleichlichen Duft frischer Trüffel – eine genussvolle Auszeit, die lange in Erinnerung bleibt.

Bevor der Winter Einzug hält, nochmal in die schöne und wärmere Toskana zu fahren, das ist eine sehr gute Idee.

Als die Anfrage von car-tours.ch an mich kam, nahm ich sofort an. War ich doch den ganzen Sommer (5 Monate) daheim – Fuss gebrochen im Garten, Operation und an Krücken. Jetzt wieder fit geht es ab in die Toskana.

Bei niedrigen Temperaturen startet unsere schöne Reise in Thun. Und schon sehe ich bekannte Gesichter: Anne und Thomas – die Norwegen-Reisenden, die jedem Sturm auf dem Schiff getrotzt haben – stehen vor mir. Ich freue mich sehr, wenn Stammkunden in meiner Gruppe sind.

Über Bern, Aarau (die Basler sind auch dabei), und Pfäffikon machen wir einen «Boxenstopp» in Sagans beim Hotel Post für die Cafépause. Dort wird auch der Chauffeur gewechselt. Für lange Fahrten sind immer 2 Chauffeure nötig, der eine macht den «Vorlad» und dann kommt der Hauptchauffeur. Strenge Gesetze für die Arbeits- und Ruhezeiten müssen dringend eingehalten werden.

Christoph, Chauffeur 1, hat Feierabend und übergibt den Bus an Yvo. Er wird die Reise mit uns zusammenfahren. Wir sind im meistfotografierten Bus der Firma Zerzuben unterwegs. Semino Rossi, Hansi Hinterseer und Oeschs die Dritten zieren die Heckansicht des Busses.

Nun geht es endlich los in Richtung San Bernadino.

Vorbei am Weinbaugebiet Bündner Herrschaft, Chur – der ältesten Stadt der Schweiz – sieht man auch den Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein in Reichenau.

Ein Blick in die Viamala-Schlucht lässt erahnen, warum die Übersetzung „Miserabler Weg“ heisst. Im 13. Jahrhundert wurde der Saumweg erstmals in Aufzeichnungen erwähnt. Heute ist die Schlucht eine Sommerattraktion für die Touristen. Dank eines neuen Besucherzentrums mit Shop und kleinem Café ist die Schlucht für Besucher geöffnet und bietet sogar verschiedene Veranstaltungen.

Durch den 6,6 km langen San Bernadino Tunnel geht es weiter Richtung Süden. Bei Mailand machen wir die Mittagspause und treffen dort auch unsere Kollegen vom Bus 2, die ebenfalls auf dem Weg in die Toskana sind. Die Gruppe ist fröhlich und es wurden bereits erste Bekanntschaften geschlossen. Gegen Abend treffen wir in unserem Hotel in Montecatini Terme ein.

Montecatini Terme ist bekannt durch die vielen Thermen. Die Quelle der Therme La Fortuna wurde bereits im Jahr 1853 entdeckt. Die Tettuccio-Therme wurde zwischen 1779 und 1781 entworfen und gebaut. Und genau diese Thermen haben dafür gesorgt, dass Montecatini Terme am 24. Juli 2021 in die UNESCO als eine der bedeutendsten Kurstädte Europas aufgenommen wurde. Ausserdem gilt der Ort als Zentrum der Art- Nouveau- Architektur.

Die heutige Anreise wird mit einem feinen Nachtessen im Hotel beendet. Und für die, die noch mögen, steht noch ein Spaziergang im bereits weihnachtlich geschmückten Montecatini Terme auf dem Programm.

Am 2. Tag widmen wir uns am Morgen dem Olivenöl. Der Shuttle-Bus (Traktor) der Firma Frantoio di Croci steht bereit zum Einsteigen und bringt die Gruppe über die steil ansteigende Strasse zum Hof der Familie, der im Herzen der Valdinievole liegt. Seit dem frühen 20. Jahrhundert bewirtschaften sie hier ca. 20 Hektar, auf denen 5'000 Olivenbäume stehen. Nach einigen Erklärungen darf natürlich eine Degustation der 4 verschiedenen Öle nicht fehlen. Mit etwas toskanischem Brot (ohne Salz) sowie hausgemachtem Schinken, Salami und Speck sitzen wir draussen und geniessen ganz nebenbei den fantastischen Ausblick ins Tal.

Der Shop lockt und es finden sehr viele Liter Olivenöl den Weg in den Bus. Wohl nicht zu Unrecht gewinnt dieses Olivengut die höchsten Auszeichnungen für ihr fantastisches Oel.

Die Mittagspause verbringen wir in der Geburtsstadt des Komponisten Puccini in Lucca.

Lucca wird umgeben von einer Stadtbefestigung mit 4 Toren, die zu den bemerkenswertesten von ganz Italien zählt. Der Bau wurde 1504 begonnen und 1645 fertiggestellt und ist bis heute sehr gut erhalten. Auf der Stadtmauer findet man eine von Bäumen gesäumte Promenade rings um den alten Stadtkern. Lucca zählte im 13. und 14. Jahrhundert zu den einflussreichsten Städten von ganz Europa.

Früher war Lucca Zentrum der Luxusstoffindustrie, berühmt unter anderem für ihre Seide. Heute ist die Papierindustrie eine der wichtigsten Säulen der Wirtschaft in der Provinz.

Lucca besitzt ein Amphitheater. Es steht am Piazza dell Anfiteatro und wurde mit Wohnhäusern zugebaut. Die Ellipsenform lässt auf die ursprüngliche Bestimmung zurückführen – ein von Römern erbautes Amphitheater.

Bei einer gemütlichen Stadtführung zu Fuss lernen wir Lucca und die vielen alten Gassen genauer kennen. Es wird abgebaut: Vor ein paar Tagen fand die Comics & Games, die zweitgrösste Comic- und Gaming-Messe der Welt, statt. Lucca ist immer einen Besuch wert, und vergessen Sie nicht, einen der hohen Geschlechtertürme zu besteigen und die Aussicht zu geniessen.

Es geht zurück ins Hotel und fast alle Kunden haben sich heute noch vorgenommen, Montecatini Terme unsicher zu machen. Viel Spass Euch allen.

Der 3. Tag unserer Reise steht im Zeichen von Pasta und Trüffel. Wir fahren nach Lari. Innerhalb der Burgmauern steht dort ein kleines gelbes Haus genau unterhalb des Castello: Pastificio Martelli – seit 1926 produziert man hier Pasta, ab 1967 ausschliesslich aus Hartweizen. Was ist das Geheimnis dieser Pasta? Die Herstellung erfolgt aus Hartweizengriess und kaltem Wasser. Der Teig wird langsam durch eine runde Bronzematrize gepresst. So entsteht eine poröse Oberfläche, an der die Sauce hängen bleibt. Bei 36 Grad, gleichmässiger Belüftung und Luftfeuchtigkeit wird die Pasta in 50 Stunden getrocknet. Dann ist sie bereit für die gelbe Verpackung. Lucca Martelli erklärt uns alles ganz genau und da ich auf dem Weg nach Lari schon von der Pasta geschwärmt habe, ist die Einkaufsrunde eröffnet.

Ebenso degustieren wir noch den feinen Kirschlikör, der auch in Lari hergestellt wird. Und die Salami vom Metzger darf natürlich auch nicht fehlen im Einkaufsbeutel…

Und da pilgern sie, voll beladen mit Köstlichkeiten, in Richtung Bus. Auch Yvo hat einen Job geschnappt. Er ist jetzt neuer Mitarbeiter in der Auslieferung der Firma Martelli. Mit einem Sackkarren in Gelb bewaffnet ist er mit 60 kg Pasta unterwegs Richtung Bus (sehe ich da etwa Schweissperlen auf der Stirn unseres Chauffeurs?). Kollegen von uns wissen, wie fein die Pasta ist, und haben bestellt. Ja, man kann sagen, unser Bus hat ein wenig Schräglage als wir Lari verlassen. Aber wir kommen wieder, denn Lari ist kein «Lari Fari».

Da hätte ich doch fast vergessen: Es geht noch nach San Miniato. Auf dem Trüffelmarkt, der jedes Jahr seit den 60er Jahren hier stattfindet. An 3 Wochenenden im November kann man hier alles rund um den Trüffel finden. Der grösste weisse Trüffel der Welt wurde ganz in der Nähe von San Miniato gefunden, am 26. Oktober 1954 und er wog stolze 2,52 kg. Trüffelpasta, Trüffelcreme, Trüffelsalami, Trüffelkäse, Trüffelschoggi und natürlich auch ganze Trüffel kann man hier käuflich erwerben. Die weissen Trüffel (1 kg = ab 3'000 Euro) kosten mehr als die Schwarzen (1kg = ab 1'500 Euro). Und natürlich darf die Pasta mit frischem Trüffel zum Mittag nicht fehlen. Alle Restaurants bieten diese an.

Ich stehe am Treffpunkt in San Miniato und kann unsere Kunden schon von weitem erkennen. Die mit den grossen Einkaufstüten. 😊 Schön, könnt Ihr das alle so geniessen.

Es fängt an zu regnen und wir fahren zurück ins Hotel.

Der 4. Tag wartet mit einigen Programmpunkten auf unsere Kunden und mich. Am Morgen geht es nach Siena. Onkel Paolo 😊 wartet auf uns und wir beginnen die Stadtführung. Bei schönstem Wetter geht es durch die Altstadt bis zum Dom von Siena. Dieser ist aus schwarz-weissem Marmor und der Baubeginn war am Anfang des 13. Jahrhunderts. Fertiggestellt wurde er erst gegen Mitte des 14. Jahrhunderts. Die historische Altstadt von Siena gehört seit 1995 zum UNSECO Welterbe. Die 1240 gegründete Universität der Stadt ist eine der ältesten Italiens und wird heute von 16'000 Studenten besucht. Siena ist ebenso bekannt für den Palio di Siena, ein Pferderennen, das auf dem Piazza del Campo stattfindet. 17 Contrade treten gegeneinander an. Immer schön in 2er-Reihe, mal links, mal rechts, enden wir die Stadtführung mit Onkel Paolo, unserem Guide am Piazza del Campo. Dort gibt es die Mittagspause bevor es weitergeht nach San Gimignano.

Das Stadtbild des «Manhattan des Mittelalters» sehen wir schon von weitem. Paolo wartet am Stadttor auf uns und wir beginnen den Rundgang in der meistbesuchten Stadt der Toskana. Der historische Stadtkern mit seinen vielen Geschlechtertürmen ist seit 1990 Teil des Weltkulturerbes der UNESCO. Die Türme in San Gimignano waren einst ein Statussymbol der reichsten Kaufleute der Stadt. Die Stadt lebt von den Touristen und ein Magnet für diese ist die Gelateria Dondoli. 1992 eröffnete die erste Filiale in San Gimignano. Die zweite Filiale eröffnete Sergio Dondoli in Paris. Im Jahr 2016 wurde Sergio mit dem «MAM Preis» (Maestro dÀrte e Mestiere) ausgezeichnet, dem italienischen Pendant zum japanischen «Lebenden Nationalschatz». Nur 75 Meisterhandwerker wurden in Italien geehrt und Sergio ist der einzige Maestro Gelatier, dem diese bedeutende Auszeichnung zuteilwurde.

Paolo wurde fast gezwungen, die Stadtführung zu kürzen und wir enden vor der Gelateria Dondoli. Eissorten wie Merlot, Vernaccia, Safran und vieles mehr findet man in der Theke. Dann allen «Guten Appetit». Und irgendwie ist es schade, dass man das Gelati nicht mit nach Hause nehmen kann…

Ab zum Wein für Fattoria Poggio Alloro vor den Toren San Gimignanos.

Ein Mischbetrieb: Olivenbäume, Wein, Safran, Weizen, Gemüse und artgerechte Tierhaltung. Vernaccia di San Gimignano und Chianti sind in unseren Gläsern und dazu das toskanische Brot mit dem feinen Olivenöl, Käse und Salami. Ganz nebenbei gibt es noch einen fantastischen Ausblick auf die Türme von San Gimignano sogar bei einsetzender Dunkelheit.

Es geht zurück ins Hotel und heute sind alle ein wenig müde. Aber: zufrieden. Über Nacht gibt es starken Regen und sehr starke Gewitter. Das morgendliche Kofferladen wird zur nassen Angelegenheit. Armer Chauffeur.

Es geht Richtung Schweiz, der Regen lässt nach und ich frage mich insgeheim: Wie wollt Ihr Eure ganzen Einkäufe heimbringen??? Vielleicht könntet ihr ja unseren Chauffeur fragen, er hat ja Erfahrung mit dem gelben Sackkarren.

Trüffelzauber in der Toskana – so die Überschrift dieser Reise. Es war eine Reise mit Teamgeist, mit viel Lachen, mit Witz und Einigkeit. Ich bin überwältigt von dem Miteinander meiner Gäste (jeder half denen, die Hilfe benötigten). Fast so, als würden sich alle schon ewig kennen.

Ein grosses Kompliment an die Gäste des Bus Nr. 1 – ihr wart echt Spitze!!!

Ein grosser Dank natürlich auch an unseren «Mitarbeiter der Firma Martelli» Busfahrer Yvo. So macht es Spass. Auch wenn Du einige zusätzliche Aufgaben bekommen hast und auf der Heimfahrt mehr Diesel wegen Übergewicht gebraucht hast. Danke danke.

 

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