Reiseblog

Fragen zum Reisen an Bernhard Russi

Geschrieben von Fabian Salzmann | Feb 12, 2026 12:55:13 PM

Reisen ist für Bernhard Russi weit mehr als ein Ortswechsel. Es ist Freiheit, Abenteuer und Lebenslust. Im Interview spricht die Schweizer Ski-Legende offen über seine schönsten Reisen, grosse Sehnsüchte wie die Mitternachtssonne und darüber, warum ihn das Unterwegssein bis heute nicht loslässt. Ein persönliches Gespräch über Fernweh, Erinnerungen und die Freude am Entdecken.

Wohin führte Sie Ihre letzte Reise?
Nach Patagonien an die Südspitze Südamerikas. Es war eine Traumreise. Ich reise übrigens noch immer viel. Viel zu viel eigentlich.

 

Wo führt Sie Ihre nächste Reise hin?
Ich möchte nun endlich einmal die Mitternachtssonne sehen. Geografisch war ich schon in der Nähe, aber leider war das Wetter schlecht.

Wohin würden Sie nie reisen?
Das kann ich nicht klar beantworten. Aus dem einfachen Grund, weil eine Reise auch immer von Umständen, Gründen oder Verpflichtungen begleitet ist.

Welche von Ihren vielen Reisen bleibt Ihnen als die bisher schönste in Erinnerung?
Ganz klar Island. Drei Wochen abseits aller touristischen Wege und Ziele. Mit Familie, einem Allradfahrzeug, mit Kompass und Zelt. Diese Zeit bleibt unvergesslich.

«Ich möchte endlich die Mitternachtssonne sehen»

Ihr Lieblingsland und warum?
Argentinien ist ungemein beeindruckend. Die Vielfalt der Natur ist grandios. Die Berge, Seen und Gletscher, die Sprache und auch die Küche haben es mir angetan. In Argentinien verspüre ich immer so etwas wie Abenteuerlust.

 

Wurden Sie von einer Reise oder Destination auch schon enttäuscht?
Nein! Wenn ich reise, sehe ich nur das Positive und die Schönheiten. Und davon gibt es überall viel. Was unangenehm ist, akzeptiere ich, weil es ganz einfach dazugehört.

Gibt es etwas, das Sie unbedingt einmal sehen möchten?
Früher war es der Cerro Torre, der berühmte Granitberg an der argentinisch-chilenischen Grenze. Das ist nun abgehakt. Jetzt will ich endlich, wie schon erwähnt, die Mitternachtssonne sehen und mit ihr vierundzwanzig Stunden verweilen.

Was gibt Ihnen das Reisen?
Viel. Spannung, Abenteuer und Überraschung vor allem. Ab und zu bringt es wirklich auch Entspannung.

Russi mit einem Hoteltester vor dem Weltklassehotel The Chedi Andermatt.
 
Mit welcher Person reisen Sie am liebsten?
Mit meiner Partnerin oder mit meiner Tochter. Das macht immer grossen Spass.
 
Gab es auf einer Ihrer Reisen auch mal brenzlige Situationen?

Eigentlich nie. Klar, ein paar schlechte Hotelzimmer, die eine oder andere Magenvergiftung, unangenehme Flüge und unfreundliche Menschen sind hie und da schon drin, aber die gibt’s auch zu Hause. Ich weiss mich zu wehren. Ich bin Klartext- Rock‘n’Roller.

Reisen Sie lieber individuell oder in der Gruppe?
Gruppenreisen sind etwas, wofür ich mich nicht eigne. Ich bin ein Individualist, ein Ausreisser und kein Herdenmensch.

Mit welchem Transportmittel reisen Sie am liebsten?
Ich bin ein Zug-, Flug- und Auto-Typ. Auto: Rolls-Royce oder Cadillac, Zug: Speisewagen und Flug möglichst Business Class. Wenn ich es mir nicht leiste, wird’s einmal meine Tochter tun. (lacht).

Was halten Sie von der so genannten Flugscham?
Man kann alles übertreiben mit der Umwelthysterie. Ich sehe das weniger verkrampft oder gar panikhaft. Und: Scham ist schlecht für die Seele und Gesundheit. Wir sollten uns am Erlebnis erfreuen und trotzdem Sorge tragen zur Mutter Erde. Da gibt es andere, grössere Probleme als die paar Flugmeilen von mir.

Wie wichtig ist Ihnen Luxus auf Reisen?
Nach jahrelangen Konzerttouren im Tourbus und in schäbigen Hotels mag ich es inzwischen schon komfortabler, besonders beim Fliegen. Ich schätze ein tolles Hotel und den Luxus sehr, kann aber auch die Einfachheit voll geniessen. Auch ein lauschiges Häuschen mit schönem Garten oder Aussicht kann purer Luxus sein.

«Am liebsten reise ich mit Mari».
 
Was ist in Ihrem Koffer immer drin?
Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Klamotten, Toilettensachen, ein Sackmesser, ein gutes Buch und meistens habe ich zum Verschenken ein paar Krokus-Shirts, Schweizer Schokolade und ein, zwei von meinen Büchern dabei. Und natürlich mein Kopfkissen. (lacht).
 
Was würde Ihnen am meisten fehlen, wenn Sie es vergessen hätten?

Mein Kopfkissen.

Nach welchen Kriterien buchen Sie ein Hotel?
Nach meinen Bedürfnissen, je nach Urlaubsart. Mir sind ein bequemes Bett, ein grosszügiges Zimmer, wo man die Beleuchtung noch versteht, und ein feines Frühstück mit gutem, frischem Brot am wichtigsten. Das gilt für die einfache Pension genauso wie fürs Luxushotel.

Ihre drei Lieblingsstädte und warum?
London aufgrund der schönen Pärke, der Musikgeschichte und der interessanten Stadtteile. Rom wegen der Geschichte, der Mentalität, der Bauwerke und des feinen Essens und Los Angeles wegen des Klimas und des super Vibe.

Was machen Sie in einer fremden Stadt als erstes?
Ich gehe zuerst in die gebuchte Unterkunft, mache eine Kurz-Siesta und dann erkundige ich die Umgebung und suche die nächste Kaffee-Bar.

Die Berge gehören zu Russis Leben.
 
Würden Sie sagen, dass Reisen bildet?
Ja. Aber man muss offen sein für Neues, auch für Ungewohntes.
 
Mit welcher Person reisen Sie am liebsten?

Mit Mari, meiner Frau. Wir haben die gleichen Interessen – zumindest fast. Ab und zu muss ich mich allerdings schon anpassen, zum Beispiel bei Museumsbesuchen. Danach bin ich aber immer dankbar, dass ich dort gewesen bin.

Gab es auf einer Ihrer Reisen auch mal brenzlige Situationen?
Für eine Fernsehsendung landete ich einmal mit einem Helikopter auf einer Bohrinsel ausserhalb von Abu Dhabi. Dummerweise war es die falsche Insel. Die Polizei nahm mich fest und brachte mich auf den Posten. Es dauerte zwölf Stunden, bis sie mich wieder laufen liessen.

Reisen Sie lieber individuell oder in der Gruppe?
Ganz klar individuell und nur äusserst minimal vororganisiert. Ich liebe es, mit Unvorhergesehenem konfrontiert zu werden und zu improvisieren

Mit welchem Transportmittel reisen Sie am liebsten?
Zu Fuss, mit dem Fahrrad, dem Auto und dem Flugzeug. In dieser Reihenfolge.

Was halten Sie von der einst so viel zitierten Flugscham?
Es gibt nun einmal gewisse Ziele, Träume und Verpflichtungen, für die man auf das Flugzeug angewiesen ist. Nun kann man natürlich auch einwenden, dass nicht alle Ziele und Träume verwirklicht werden müssen.

Lebenslänglich: Walter Frey mit Russi.
 
Wie wichtig ist Ihnen Luxus auf Reisen?
Wenn damit ein kaltes Bier oder eine warme Dusche gemeint ist, dann ist Luxus für mich sehr wichtig. Ansonsten ist mir die unvergleichliche Aussicht aus einem Biwak wichtiger als die Air Condition im Rolls Royce.

 

Was ist in Ihrem Koffer immer drin?
Badehose und Daunenjacke.

Was würde Ihnen am meisten fehlen, wenn Sie es vergessen hätten?
Das Buch, das ich unbedingt während dieser Reise lesen wollte.

Nach welchen Kriterien buchen Sie ein Hotel?
Da ich ein schlechter Planer bin, ist für mich die wichtigste Frage: Hat es noch Platz?

Ihre drei Lieblingsstädte und warum?
Da habe ich bloss eine: Rio de Janeiro. Die vibrierenden Strände von Ipanema und Copacabana, der Berg Corcovado mit der Christusstatue, der Zuckerhut oder die Rhythmen des Samba – die Kombination fasziniert mich stets aufs Neue.

Was machen Sie in einer fremden Stadt als erstes?
Den Stadtplan gründlich studieren. Immer und überall.

Haben Sie sich in einer fremden Stadt auch schon mal verlaufen?
Nein, eben weil ich den Stadtplan studiert habe.

Welche berühmte Persönlichkeit hätten Sie auf einem Langstreckenflug gern einmal zufällig auf dem Platz neben sich?
Tiger Woods, den erfolgreichsten Golfspieler der Sportgeschichte.

Worüber würden Sie sich mit ihm unterhalten?
Über das Leben im Allgemeinen. Über den Menschen und seine Schwächen im Besonderen.

Was fällt Ihnen beim Reisen am meisten auf die Nerven?
Die Ungeduld einiger Reisender.

Gibt es eine Art von Menschen, mit denen Sie auf Reisen Ihre liebe Mühe haben?
Es gibt leider immer Besserwisser und Plauderi. Die brauche ich nicht. 

Nach der Gründung des Ski-Weltcups fuhren die Schweizer den Franzosen und Österreichern meist hinterher. Nie war deshalb das Umfeld für die Geburt eines neuen Stars so günstig wie 1970 an den Weltmeisterschaften von Val Gardena. Was der 22-jährige Aussenseiter Bernhard Russi mit seinem sensationellen Sieg damals auslöste, war ein Begeisterungstaumel von ganz neuen Dimensionen. Zwei Jahre später folgte der Olympiatriumph von Sapporo, 1976 gewann er vor 60 000 Zuschauern am Bergisl über Innsbruck Olympia-Silber hinter dem neuen Superstar und heutigen Freund Franz Klammer. Zwei Jahre später trat Russi, mehrfach zum Schweizer Sportler des Jahres gekürt, zurück und startete eine zweite glanzvolle Karriere. Er war Co-Kommentator beim Schweizer Fernsehen und plante als technischer Berater beim Weltskiverband FIS zahlreiche neue Abfahrtspisten. Die Strecken von Olympia Calgary 1988 bis hin zu Olympia Peking 2022 trugen seine Handschrift ebenso wie die WM-Pisten in Sestriere, Are, Beaver Creek und St. Moritz. Als Verwaltungsrat von Andermatt Swiss Alps und Andermatt-Sedrun Sport AG kümmerte er sich hauptsächlich um sportliche Belange und trug an der Seite von Investor Samih Sawiris entscheidend zum Erfolg und der «Wiedergeburt» seines Heimatdorfes Andermatt bei, das nach dem Rückzug des Militärs in der kollektiven Depression versunken war. Der begeisterte Extrem-Bergsteiger und hervorragende Golfspieler Russi (einstelliges Handicap) ist weiterhin aktiv und gefragt. Mit Autoimporteur Walter Frey hatte er schon kurz nach dem Rücktritt einen lebenslänglichen (!) Vertrag als Markenbotschafter für Subaru unterzeichnet. Markenbotschafter ist er auch für die Skifirma Völkl und für den Optiker Visilab (seit 18 Jahren!). Bei der Andermatt-Sedrun Sportbahnen AG sowie der Bogner Sport AG sitzt er im Verwaltungsrat, und seit vielen Jahren ist er Kolumnist beim «Blick». Er mache «noch immer viel zu viel», findet Russi, der mit seinen 77 Jahren nach wie vor zu den prominentesten Persönlichkeiten im Land zählt.

 

 

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