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Wo die Uhren anders ticken

von KARL WILD

Es gibt nicht viele Hotels mit dieser unbeschreiblichen Aura, die den Gast unweigerlich in ihren Bann zieht. Das Waldhaus im malerischen Oberengadiner Flecken Sils- Maria gehört dazu. Denn hier ist alles ein bisschen anders als anderswo. Im Wissen, dass es Dinge gibt, die zeitlos gut sind, hat man im Waldhaus gewissermassen die Zeit angehalten. Fast alles ist noch so wie vor hundert Jahren. Selbst das hauseigene Trio (Klavier, Violine, Bassgeige) spielt abends noch Salonmusik. Albert Einstein, Marc Chagall, Hermann Hesse, Thomas Mann, Richard Strauss, Rod Stewart, David Bowie und wie sie alle heissen: Die ungewöhnlich vielen Künstler und Intellektuellen von Weltruf, die hier schon abgestiegen sind, würden sich so wohl fühlen wie damals.

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Das Traditionsbewusstsein ist eine der ganz grossen Stärken dieses faszinierenden Hauses, das in fünfter Generation von den Brüdern Patrick und Claudio Dietrich geführt wird. Selbst die Hotelhalle, in vielen Häusern mit fünf Sternen ein Prunkstück, wirkt trotz beachtlichen Dimensionen unspektakulär und beeindruckt eher durch prächtigen Blumenschmuck. Nun heisst Zeitlosigkeit aber nicht Stillstand. Alljährlich werden Millionen in die Infrastruktur investiert. Vor einigen Jahren Jahren waren es deren zehn in einen edlen neuen Spa. Seither ist das Waldhaus erst recht das, was es schon für Hermann Hesse war – ein «vorgeträumtes Paradies». Dass Hesse und Nietzsche, klassische Konzerte, Lesungen, Literaturgespräche und überhaupt die Kultur im Waldhaus weit gegenwärtiger sind als Seminare und Wirtschaftsforen, versteht sich von selbst.

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Das Waldhaus in Sils-Maria zieht Berühmtheiten aus aller Welt an.

Es passt zum schönen Bild von gelebter Tradition, dass etwa ein Concierge hier nicht bloss für Empfang und Schlüsselübergabe zuständig ist, sondern für den Gast eine wichtige Rolle als Vertrauensperson spielt. Laura Bründler wurde vor vier Jahren denn auch als Concierge des Jahres ausgezeichnet. Diskretion, Einfühlungsvermögen und das Eingehen auf individuelle Spezialwünsche zählen zu den grossen Stärken dieser jungen Frau. Und sie löst auch heikelste Probleme unaufgeregt und souverän. Wir reden aus eigener Erfahrung. Überhaupt heimst das Waldhaus mit schöner Regelmässigkeit Auszeichnungen ein. Vorläufiger Höhepunkt: Vom Schweizer Hotelrating wurde es 2017 als Hotel des Jahres ausgezeichnet.

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Ob andere mit der Seilbahn auf den Piz Corvatsch fahren oder zu Fuss nach Maloja wandern, ob es regnet, schneit oder stürmt: Dem Schweizer Schriftsteller Alain Claude Sulzer, bekannt geworden vor allem mit seinem Roman «Ein perfekter Kellner », ist das alles herzlich egal. Der Waldhaus- Stammgast kann hier eine Woche leben, ohne das Haus auch nur für eine Sekunde zu verlassen. Ihn dränge hier nichts, es mangle ihm an nichts, sagt Sulzer. Zum vorübergehenden Glücklichsein brauche er ein Zimmer, das Frühstück, die Halle, ein Abendessen, die Bar und die Bibliothek. Es sei ein wunderbares Gefühl, zu nichts verpflichtet zu sein. Und in einem der Fauteuils in der Halle auch mal über der Lektüre einzuschlafen.

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Hotelmärchen

von KARL WILD

Vor bald zehn Jahren rettete Grant Maunder zusammen mit seinem Bruder Craig das Jugendstilhotel The Cambrian in Adelboden. Jetzt schenkten die beiden dem Dorf ein weiteres Klassehotel: The Brecon, das frühere (sanft entschlafene) Hotel Waldhaus, ist eine Designperle für Leute, die Privacy und unaufdringlichen Luxus suchen.

Wohlfühloase: The Brecon

Grant Maunder, ein walisischer Vermögensverwalter, ist seit Jahrzehnten Gast in Adelboden und hat stets Wert auf Anonymität gelegt. Vor zwei Jahren verkaufte er seine Anteile an der Firma, die er aufgebaut hatte, und widmete sich seinem neuen Projekt, dem alten Hotel Waldhaus im geliebten Adelboden.

Auf seinen vielen Geschäftsreisen rund um die Welt hatte er sich oft gefragt, weshalb er sich in einem Hotel wohlfühlte, im andern aber nicht. In Adelboden sollte das frühere Waldhaus nun zu dem werden, wonach er sich immer gesehnt hatte: ein Ort der Geborgenheit, eine Wohlfühloase. Ein Zuhause auf Zeit mit dem Charme früherer Tage und Chalet-Gemütlichkeit, aber ohne Jagdtrophäen an den Wänden und ohne Alpinkitsch. Er beauftragte ein Amsterdamer Designstudio mit dem zehn Millionen Franken teuren Umbau und eröffnete vor eineinhalb Jahren The Brecon, benannt nach einer Bergkette nahe seiner walisischen Heimatstadt.

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The Brecon, Haus voller Überraschungen.

Entstanden ist nicht irgend ein Hotel, sondern ein grandioses Haus voller Überraschungen. Die Zimmer, der Eingangsbereich mit Rezeption, Restaurant, offener Küche, Lobby und Bar ist eine Wucht. Einzigartig ist auch das Konzept: Im Zimmerpreis (ab 750 Franken) ist alles, wirklich alles inbegriffen. Nur Kinder, externe Besucher und Haustiere findet man hier nicht. Und weil Grant Maunder weiss, wie matchentscheidend die Gastfreundschaft ist, holte er mit Martina Deschwanden eine Host ins Haus, die in Adelboden aufgewachsen ist und sich als Lottosechser erwies.

www.thebrecon.com

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