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Mit dem Genusszug am Iseosee

Bericht vom 4. – 7. September 2020 | Bus Nummer 3

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Es berichtet für Sie unsere Reiseleiterin

Viola Schärer

Im Netz gefangen

Ja wer oder was hat sich denn im Netz verfangen? Die Sardine (Agone), oder ein WM-Fussball? Aber was hat denn ein Fussball mit dem Fisch gemeinsam? Das herausfinden werden wir nun während den nächsten 4 Tagen auf unserer Reise durch Norditalien. Doch spulen wir erstmal zurück.
Um das Rätsel zu lösen, müssen wir zuerst an den Tatort.

Überschrift der Reise:
Mit dem Zug der Genüsse am Iseosee

Na, das klingt doch verlockend.
Schnell gebucht, gepackt und Zähne geputzt, schon sitzen wir alle im komfortablen Zerzuben Bus, bereit für unser Abenteuer am Iseo- und Gardasee.
Nach nur wenigen Einsteigeorten wie Aarau, Zürich und Luzern, durchqueren wir mühelos den Gotthardtunnel. Okay, ein bisschen „tröpfelt “ der Verkehr vor der Röhre, doch da sind wir schon abgelenkt mit heissem Nespresso Kaffee oder kühlem Apero – Prosecco. Prost!
Kaum eingecheckt im Hotel startet so mancher mit der zweiten Runde. Was leuchtet rot und ist mittlerweile schon fast ein italienisches Nationalgetränk? Richtig, der berühmte Aperol Spritz. Italien- und zugleich Ferienfeeling, willkommen in der Lombardei. Schon werden unter den Gästen erste Kontakte geknüpft. Apropos, werden nicht auch die Fischernetze geknüpft? Das Netz, auf Italienisch „la rete „, wir kommen dem Geheimnis so langsam auf die Spur.

Ausgeschlafen! Ein heisser Cappuccino mit weissem Häubchen weckt im Nu unsere Geister am nächsten Morgen.
Nach einem stärkenden Frühstück fahren wir mit Thomas, unserem Chauffeur, der eigentlich von la Chaux-de-Fonds kommt, aber nebst der welschen Sprache auch ein gemütliches Bärndüütsch spricht, los, Richtung Gardasee. Erster Halt: Sirmione.

Ein breiter Wassergraben trennt Sirmiones historische Altstadt vom Festland, das hier schmal und lang vier Kilometer in den Gardasee ragt. Hoch türmt sich vor uns das Skaliger Kastell auf. In der Burg, die zu den bedeutendsten mittelalterlichen Wasserfestungen in Europa gehört, sollen sich einst grausame Szenen abgespielt haben. Sirmione war im 11. Jahrhundert das Zentrum der Patariner. Die Patariner waren der Ansicht, dass die Welt vom Teufel und die Seele von Gott geschaffen sei. Im Auftrag des Papstes wurden die damals sogenannten Ketzer oder „Irrgläubigen“ inmitten der Burganlage auf lodernden Scheiterhaufen erbarmungslos verbrannt. Phhhuuu wie gruselig! Durch enge Gässchen gelangt man zu den Grotten des Catull. Mit Felshöhlen haben die Grotten des Catull genauso wenig zu tun wie mit dem römischen Dichter. Vielmehr handelt es sich um die weitläufigen Ruinen einer antiken Villenanlage an der Spitze der Halbinsel. Auch die Thermalbäder von Catull sind weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Das Wasser soll bei Rheumaerkrankungen, Hautkrankheiten, Schwerhörigkeit und Erkrankungen der Atemwege helfen. Wir sind früh unterwegs, das Dorf ist erst am Erwachen. Man begegnet nur den einheimischen Ladenbesitzer, hört sie schwatzen und tratschen und ist noch verschont von den vielen, täglichen Besuchern. Ein ganz spezielles, morgendliches Erlebnis, ein Sirmione, wie es kaum ein Tourist kennt.
Ein Blick über das klare, türkisblaue, leicht wellende Wasser des Gardasees lässt karibische Gefühle aufkommen. Und Hunger – der Magen knurrt.
In einem Ristorante mit typischen rot-weiss karierten Tischtüchern, essen wir alle zusammen eine traditionelle Pizza und verbringen anschliessend den Nachmittag in dem hübschen Städtchen Garda mit “lädele”. Der Grund übrigens, weshalb wir Frauen zum schwachen Geschlecht gehören, ist der, dass wir jedes Mal, wenn wir an einem Handtaschen Geschäft vorbeikommen, schwach werden. Zurück im Bus stellen wir fest, dass so manche Dame eine neues Handtäschen trägt. Rundum wird geschmunzelt. Zum Trost für die Männerwelt gibt’s auch noch ein Olivenöl, damit kochen wir dann zuhause ein feines italienischen Gericht. So hat ein jeder eine Erinnerung an den wunderschönen Gardasee, Lacus Benacus.
Doch wissen wir nun wie der Ball ins Netz kommt?
NEIN! Dann finden wir die Antwort vielleicht am Iseosee? Der kleine Bruder vom Gardasee, nicht minder schön, ist mit seinen 65 km² der viertgrösste See Italiens (der Gardasee ist der Grösste mit 370 km²) Die wunderschöne Strecke entlang den Olivenhainen am Ostufer erkunden wir mit dem Treno dei Sapori, dem italienischen Zug der Genüsse. Mit dem modernen Frecciarossa 1000 (roter Pfeil) hat er aber nichts gemeinsam. Die Waggons sind nostalgisch eingerichtet, Sitzplätze mit Tisch, alles aus Holz, wie anno dazumal. Auch die Geschwindigkeit ist gemächlich, so dass uns reichlich Zeit bleibt, uns mit den verschiedenen Köstlichkeiten der Region zu verköstigen. Nicht umsonst hat das Gebiet Franciacorte in den letzten Jahren an Ruhm erlangt, der berühmte Franciacorta millesimato, ein Spumante /Schaumwein ist unter den Weinliebhabern international bekannt. Ein Sommelier lässt uns einige erlesene Weine kosten.

Am Nachmittag besteigen wir in Sulzano das Boot nach Monte Isola, eine winzig kleine Insel. Das heißt, gar so winzig ist das Eiland gar nicht, es handelt sich um die größte Insel inmitten eines Sees in Europa. Die Insel misst zwei mal drei Kilometer, liegt im Iseosee in der Lombardei und ragt aus diesem stolze 400 Meter heraus.
Während der kurzen Überfahrt kreuzt uns ein Boot, beladen mit Netzen, auf dem Weg zum Festland. Doch sind das wirklich Fischernetze?

In Peschiera Maraglio, einem Fischerdorf auf der Insel mit gerade mal 345 Einwohner (
Volkszählung von 2001), scheint die Zeit noch still zu stehen. Keine Autolärm (verkehrsfreie Insel ausser dem Geknatter der Mopeds und einem Verkehrsminibus für die Einwohner und Touristen) stört uns hier. Farbige Häuser, enge Gassen und einige Restaurants entlang der Uferpromenade laden zum Schlendern ein. Am Pier erblicken wir ein paar Fischerboote, doch wo sind die Netze? Nicht weit entfernt finden wir das Geschäft: la rete! Vor dem Laden hängen ein paar Netz- Handtaschen. Im Hinterhof liegt versteckt ein grünes Fischernetz und was noch? Hier erfahren wir nun die Geschichte über den Fussball und das Netz:

Handgeknüpfte Fischernetze
Einst waren die Bewohner von Monte Isola sehr wohlhabend, denn sie lebten inmitten ihres glasklaren und fischreichen Alpensees vortrefflich von ihrer traditionellen Handwerkskunst: von handgeknüpften Fischernetzen.
Doch dann kamen die 1960er-Jahre und eine übermächtige Billigkonkurrenz aus China. Der einst so schwunghafte Handel flaute ab und erstarb beinahe ganz. Bis Fiorello Turla, Spross der letzten verbliebenen Netzweberei „La Rete“, eine pfiffige Idee hatte. Wo siegt nach wie vor Qualität vor Preis, wo zählt Prestige immer noch mehr als asiatische Masse? Wir dürfen nicht vergessen: wir befinden uns in Italien – und so war die Antwort für ihn ganz klar: Calcio – Fußball!

Die Fußball-Insel
Das Sortiment wurde kurzerhand umgestellt und Turla brachte 1970 eine Innovation auf den Markt: mit wabenförmigen (statt quadratischen) Netzmaschen gewann er das Vertrauen der Fußballmannschaften. Das rettete die Firma. Heute ist „La Rete“ die absolute Nummer eins für Fußball-Netze in Europa und war auch Ausstatter der Fußball-WM in Italien (1990), der WM in Japan und Korea (2002), der Olympischen Spiele in Athen (2004) etc.
Mittlerweile verfügt die Firma über mehrere Standbeine: Hängematten, Sicherheits-, Sport- und Schutznetze. Tag für Tag verlässt ein Schiff, randvoll beladen, die Insel. Ein Netz erobert die Welt!

Nun haben wir das Rätsel gelöst und fahren in einer romantischen Sonnenuntergangsstimmung mit dem Boot zurück nach Iseo und weiter mit dem Bus zum Hotel. Ein letztes gemeinsames Abendessen, ein letzter Aperol Spritz und ein letzter Austausch unserer Erlebnisse und schon fahren wir am nächsten Morgen zurück in die Schweiz.

Beim nächsten Fussballmatch denken wir sicher zurück an die schönen Tage am Garda- und Iseosee.
Oder ging der Ball doch nicht ins Netz? 😉

Schlussbemerkung:

Ach ja, die Maskenpflicht! Nun so selbstverständlich und diszipliniert wie sie die Italiener tragen, gelingt uns dies anfänglich nur, wenn wir daran erinnert werden. Doch schon bald wird es auch für uns fast zur “ Normalität“, sowie das Fiebermessen an gewissen Orten, wie z. Bspw. im Hotel oder auf dem Schiff. Es stört kaum jemand und wird bald auch zur Selbstverständlichkeit. Es dient ja schlussendlich auch zur eigenen Sicherheit, gesund sein ist doch das wichtigste Gut im Leben!

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