Überspringen zu Hauptinhalt

Südtiroler Brauchtum, Kulinarik & Musik

Bericht vom 3. – 7. September 2020 | Bus Nummer 30

Weiterempfehlen / Teilen

Es berichtet für Sie unser Reiseleiter

IMG_5592 Urs Oesch

Urs Oesch

‚Südtiroler Brauchtum, Kulinarik und Musik‘ 03.09. – 07.09.2020, RH 30

Kurz vor Sonnenaufgang treffe ich die vier ersten Teilnehmer am Bahnhof in Thun. Pünktlich fährt Rolf Dirren mit dem Car auf den Parkplatz und die Fahrt kann losgehen. Ein weiterer kurzer Stop in Bern, danach Aarau und Zürich. Nach dem letzten Einsteigeort in Sargans haben wir das kleine Grüppchen zusammen und wir machen uns auf den Weg ins Südtirol. Eigentlich wäre die Gruppe um einiges grösser gewesen, aber der unsichtbare Feind hat für Programmänderungen gesorgt, darunter auch die Absage des für viele als Höhepunkt der Reise angesehenen Konzertes der Spatzen. Aber zum Glück und zur Freude von Rolf und mir wollten sich 14 Teilnehmer die Lust eines Tapetenwechsels nicht nehmen lassen. Via Inntal, Innsbruck und über den Brennerpass erreichen wir am frühen Abend den Ort Feldthurns, umgeben von saftigen Wiesen und kräftigen Weinreben thronend gelegen über dem Eisacktal unweit der Stadt Brixen. Ein herzlicher Empfang wird uns im Hotel Oberwirt bereitet, die Zimmer sind grandios und lassen keine Wünsche offen, genauso wenig das feine erste Abendessen im Hotel.

Der zweite Tag unserer Reise führt uns zuerst an einen sehr wichtigen Wirtschaftszweig des Südtirols. Jeder zehnte verzehrte Apfel in Europa (EU) stammt aus dieser Gegend, bzw. aus Südtirol und dem Trentino. Stefan, unser Guide für den heutigen Tag, führt uns durch den Obstverarbeitungsbetrieb Melix in Brixen. Nebst interessanten Erklärungen über den Anbau der verschiedenen Apfelsorten dürfen wir diese auch probieren und abschliessend werden wir auch in die Geheimisse edler Erzeugnisse entführt wie Apfellikör oder Apfelkorn. Unsere beiden Geburtstagskinder während dieser Reise werden beschenkt mit Küchenschürze und soviel Schnaps zum Versuchen wie sie wollten. Sie wollten aber nicht so viel, keine Angst. Schliesslich steht auch noch ein Aufenthalt in der ältesten Stadt Tirols auf dem Programm; die Bischofsstadt Brixen. Majestätisch überragen die Türme des Brixner Doms die schmucke Altstadt. In den oftmals engen Gassen und Gässchen laden feine Restaurants zum Verweilen ein, Geschäfte bieten ein vielfältiges Angebot an und die geschichtsträchtigen Bauten zeugen von einer bewegten Historie. Am frühen Nachmittag sind wir wieder zurück in Feldthurns. Im heimeligen Weinkeller lädt Stefan zu einer Käse- und Weinprobe ein. Edle Tropfen werden uns zu den passenden Käsesorten gereicht, die Stimmung und der Geräuschpegel steigen merklich. Die anschliessende Besichtigung des Schlosses Feldthurns, im 16. Jahrhundert als Sommerresidenz und vermutlich auch als Lustschloss für die Brixner Fürstbischöfe erbaut, beendet das heutige Besichtigungsprogramm. Zum Abendessen werden wir zum Glangerhof gefahren, wo uns ein typischer Südtiroler Brauchtum näher gebracht wird. ‚Törggelen‘ ist ein fester Bestandteil der hiesigen Kultur. Ursprünglich besuchten im Spätherbst Städter und Wirte die Winzer, um den neuen Wein zu verkosten und dessen Qualität zu überprüfen. Über die Jahre entwickelte sich der Brauch zur Touristenattraktion. Nebst dem jungen Wein werden Speck, Kaminwurzen (Landjäger), Sauerkraut, Blut- und andere Würste und süsse Krapfen serviert. Im 400 Jahre alten Bauernhaus fühlen wir uns von Anfang an wohl, Speis und Trank schmecken und als dann auch noch Wirt Martin zusammen mit Reini in die Tasten der Akkordeons greifen, können die Teilnehmer nicht mehr ruhig auf den Bänken sitzen. Zu bekannten Volksmusik-Hits schunkeln und schaukeln die Gäste fröhlich bis in die Nacht hinein.

Am dritten Tag, wieder bei Bilderbuchwetter, führt uns der lokale Führer Hubert zuerst nach Castelrotto. Besser bekannt auf Deutsch als Kastelruth. Hier sollte es stattfinden, wenn nicht dieser vermaledeite Virus unser Leben durcheinander gebracht hätte. ‚Noch grösser als der Everest ist das Kastelruther Spatzenfest‘ pflegen die eingefleischten Fans dieser phänomenalen Volksmusikgruppe zu skandieren. Am Spatzenfest lassen sich alljährlich bis zu 50‘000 Fans (verteilt auf drei Tage im Festzelt) von dieser Volksmusikgruppe verzaubern – ausser im Jahre 2020. Die Spatzen verkauften mehr Tonträger als die Backstreet-Boys oder viele andere Rock-und Popstars. Unser Spaziergang durch das herzige Örtchen führt uns zum Fanshop der bekannten Musikgruppe. Gleich unter dem Fanshop haben sich die Spatzen ein Museum eingerichtet, aber eigentlich ist es eher ein Schrein. Dort stehen die Echos, die Fernsehpreise, die goldenen Schallplatten und besonders aufwendige Basteleien, Stickereien und Malereien von Fans ausgestellt. Nachdem die Teilnehmer die neuesten CD’s oder andere Devotionalien von den Spatzen erstanden haben, führt uns später eine kurze Fahrt nach Seis. Mit der Seiser Alm Bahn gelangen wir in wenigen Minuten auf die grösste Hochalm Europas. Das prächtige Wetter lädt zu einem Spaziergang ein oder auf eine Fahrt mit der Pferdekutsche. Das grosse Hochplateau, eingebettet in den Dolomiten, zeigt sich an diesem Tag von seiner besten Seite. Gemeinsam spazieren wir bis zur Tuene Hütte und lassen uns vom freundlichen Personal verköstigen. Nach genügend Zeit in dieser fantastischen Umgebung fährt uns Rolf zum Abschluss des Tages zum Putzerhof in Karnol. Dort wartet das Personal schon mit einer weiteren Spezialität auf uns: Apfelstrudel. In der urigen und sehr heimeligen Stube geniessen wir diese Köstlichkeit, deren Ursprung interessanterweise aus Arabien stammen soll und mit den Türken den Weg nach Wien und Restösterreich gefunden hat. Wo immer der Apfelstrudel herkommen soll, derjenige bei Hubert im Putzerhof gehört sicher zu den besten im Südtirol! Die Schlemmerei war aber noch nicht zu Ende, zurück im Hotel wurden wir wieder hervorragend bekocht und Dank dem Geburtstagskind Peter gab es noch ein zusätzliches Dessert.

Am Tag vier steht eine Panoramafahrt durch beeindruckende Landschaften auf dem Programm. Zuerst führt uns die Route ins Pustertal und weiter ins Gadertal, über die Pässe Valparola, Falzarego und Tre Croci vorbei an bekannten Orten wie Cortina d’Ampezzo, Misurinasee und Toblach bis nach Antholz, der bekannten Austragungsstätte für Biathlon-Wettkämpfe. In der Südtirol Arena, der eigens für die Biathlon-Weltcuprennen aufgebauten Infrastruktur, werden wir zu einem weiteren feinen Kuchen mit Kaffee erwartet. Der geplante Spaziergang am Antholzersee fällt buchstäblich ins Wasser. Als Ausgleich zum fantastischen Wetter der ersten drei Tage, durften wir am vierten Tag erfahren, wie es sich in dieser an sich sehr schönen Gegend wolkenverhangen und regnerisch anfühlt. Hubert erzählt uns während der Panoramafahrt viel Wissenswertes über das ehemals sehr harte Leben im Südtirol, das Leiden der Bevölkerung während der faschistischen Italianisierung des bis 1918 zu Österreich gehörenden Gebietes und den langen aber erfolgreichen Weg, bis Südtirol zu den wohlhabensten Gebieten Italiens und sogar der Europäischen Union wurde. Zurück im Oberwirt Hotel rundet ein köstliches Galadinner diesen interessanten Tag ab.

Vollgepackt mit vielen schönen Erlebnissen, Erinnerungen und Souvenirs treten wir am fünften Tag unsere Heimreise an. Obschon das Reiseprogramm coronabedingt einiger Änderungen bedurfte, waren doch alle Teilnehmer dankbar und glücklich, die fünftägige Abwechslung vom Alltag zusammen mit volksmusikreisen.ch erlebt zu haben.

Vielen Dank an alle Teilnehmer für diese unvergessliche Reise!

Euer Reiseleiter

Urs Oesch

An den Anfang scrollen