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Klassik in Prag

Bericht vom 9. – 13. Oktober 2017 | Bus Nummer 6

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Es berichtet für Sie unsere Reiseleiterin

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Roswitha Gassmann

«Was suchen wir andere Länder unter anderer Sonne? Entkommt, wer sein Land hinter sich lässt, sich selber?» von Horaz

Weitere Infos

Wie bist du Reiseleiterin geworden?

Ich war als Gast unterwegs in einer Gruppe. Als der Reiseleiter entdeckte, dass ich mich in mehreren Sprachen mit Leichtigkeit unterhielt, sagte er mir: «Wir brauchen ganz dringend Leute wie Sie». Da ich gerade an einem beruflichen und privaten Scheideweg stand, nahm ich die Aufforderung an und bewarb mich – mit Erfolg.

Was zeichnet dich als Reiseleiterin aus?

Die Neugierde für neue Länder, Geschichten, Kultur, aber auch die Freude an den Menschen, die ich betreue.

Worin siehst du die Vorteile / den Mehrwert einer Gruppenreise?

Die Gäste sitzen im Bus, können hinausschauen, schlafen, lesen, und an den Zieldestinationen ist alles organisiert. Die Gäste können sich entspannen und gehen lassen. Oft entstehen anlässlich solcher Gruppenreisen Freundschaften auf ewig.

Was gefällt dir an deinen Aufgaben als Reiseleiter bei Car Tours am besten?

Den Gästen zu einem unvergesslichen Erlebnis zu verhelfen. Die meisten sind sehr, sehr dankbar dafür.

Welches Reiseziel in Europa ist dein liebstes und warum?

Ein Kollege hat mir einmal gesagt: «Touristen reisen nur an schöne, spannende Orte, deshalb ist jede Destination reizvoll». Seither muss ich immer an ihn denken, wenn mir diese Frage gestellt wird. Mir gefällt es überall – am besten vielleicht dort, wo das Essen gut!

Welche drei Dinge sind auf jeder Reise unverzichtbar?

Gute Gesundheit, Humor und die Zahnbürste

Was ist das lustigste, was du auf einer Reise mit einer Gruppe erlebt hast?

Hier hätte ich ein paar Geschichten auf Lager, allerdings stammen sie alle aus meiner Kuoni-Zeit. Ich kann jederzeit gerne nachliefern. Hier mal ein Beispiel:

Lang ist’s her: In Gran Canaria flogen jeden Sonntag zwei Schweizer Chartergesellschaften ein. Sata um 11.00 Uhr morgens, Balair um 13.00 Uhr nachmittags. Eines Tages kam Sata mit Verspätung und die Balair verfrüht an. Beide landeten um 12.00 Uhr. Mein Kollege von der Konkurrenz hatte auf beiden Maschinen Ankünfte und musste daher mit seinen verschiedenen Listen hantieren. Also fragte er alle Leute: „sind Sie mit der Sata oder mit der Balair gekommen?“ um gleich zu wissen, welche Liste er zur Hand nehmen musste. Da kam ein mittelalterlicher Herr, schaute Dominik auf seine Frage hin entsetzt an und sagte: „Ich?? Ich bin mit meiner Mutter gekommen“!!

Welches war das schönste Kompliment, das du von einem Gast erhalten hast?

Kürzlich: Es gab zwei Höhepunkte auf dieser Reise: die Oper Nabucco und Sie.

Was war dein schönstes Erlebnis bei Car Tours Reisen?

Auf meiner letzten Reise, als 47 Gäste in einer Weinverkostungskantine «joyeux anniversaire» für mich sangen. Dabei hatte ich es geheim behalten wollen.

Klassik in Prag

Unvergesslich dürfte sie werden, unsere Reise nach Prag. Nicht nur, weil Prag zweifellos zu den schönsten Städten Europas zählt, sondern auch, weil wir in zwei wunderbaren, herausgeputzten Opernhäusern je eines der berühmtesten Werke der Opernliteratur hören werden. Doch davon später. Noch sind wir auf der Anreise.

Ruhig fährt uns Roland Schätti durch die herbstliche Landschaft Deutschlands. Immer hat er ein Lächeln auf dem Gesicht, sogar als wir in einen längeren Stau geraten. Kein Grund, die gute Laune zu verlieren – für niemanden. Es ist ja sowieso Mittagszeit und daher nutzen die Gäste die Wartezeit auf der Autobahn, um sich einen Apéro zu genehmigen: für die einen Weisswein oder Prosecco, gekühlt, Rotwein für die anderen. Das Car-Unternehmen Zerzuben, seit Anbeginn der Walliser Geschäftspartner von car-tours, sorgt dafür, dass es in den Kühlschränken der Busse an nichts fehlt. Die Stimmung ist locker und die Gäste kommen ins Gespräch, erste Bekanntschaften und Freundschaften werden geschlossen.

Für ein langes Mittagessen reicht es später nicht mehr, aber das ist nicht weiter tragisch, erwartet uns doch im Hotel ein abwechslungsreiches Buffet am Abend. Vorerst aber geniessen wir die Weiterfahrt durch die geschichtsträchtigen Landschaften Deutschlands. Sie rufen wahrscheinlich nicht nur in mir Bilder hervor: Als Kind hatte ich mich nicht sattsehen können an der Darstellung der gemütlichen Fachwerkhäuser und den allgemein farbenprächtigen Bildern in den deutschen Märchenbüchern. Jetzt, im Oktober, leuchten die Wälder in allen Farben: grüne Blätter vermählen sich mit gelben, roten, braunen, in allen Schattierungen zaubern sie wahrliche Landschaftsgemälde vor unsere Augen.

Es ist schon dunkel, als wir im Hotel Don Giovanni (wie sinnig, Mozart hat die gleichnamige Oper in Prag uraufgeführt!) ankommen. In der grossen, hellen Empfangshalle mit der eleganten Marmortreppe in der Mitte fühlt man sich sofort wohl. Rascher Zimmerbezug und Staunen: Die Zimmer sind gross und schön, «zu gross für mich», sagt einer, dem eine Junior Suite zugeteilt wurde, völlig perplex. Aber die anderen freuen sich, denn schliesslich verbringen wir hier vier Nächte. Die sind ruhig, obwohl das Hotel an einem wichtigen Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs liegt. Direkt daneben breitet sich der neue jüdische Friedhof aus. Eine blühende Kunst- und Literaturszene ist mit dem Verschwinden der jüdischen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Die Stadt ist reich an Spuren dieser Vergangenheit, nicht zuletzt mit der ältesten noch aktiven Synagoge der Welt.

Sonja, unsere Lokalführerin, holt uns anderntags ab und zeigt uns die Stadt, der man verschiedene Beinamen zuordnet: «Stadt der hundert Türme», «goldene Stadt» oder die «Mutter aller Städte». Zeitweilig war Prag gar Sitz des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches. Kunststück, gilt das riesige Schloss auf einem der sieben Hügel Prags als die grösste Burg der Welt. Über 1000 Jahre bauten Handwerker an dieser Residenz der böhmischen Könige. Heute ist die Anlage der Sitz des tschechischen Präsidenten. Herrlich, die Aussicht über die grosse Stadt, deren Zentrum von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Die intakte Altstadt mit seiner gut erhaltenen barocken bzw. gotischen Architektur und den wunderbar renovierten Jugendstilgebäuden zieht Touristen aus aller Welt an. Prag zählt nicht umsonst zu den zehn meistbesuchten Städten Europas.

Über verwinkelte Gassen und Treppen verlassen wir den Burghügel. Wir spazieren vorbei an Franz Kafkas Museum, schlendern hinunter zur Karlsbrücke – dem wohl meistfotografierten Wahrzeichen der Stadt – und erreichen ihr Herz, den Altstädter Ring. Hier ragt – als Teil des Rathauses – einer der immer noch zahlreichen Türme in die Höhe. Der ehemalige Marktplatz wird auch heute noch während der Vorweihnachtszeit als Standort für die Verkaufsstände benutzt – aber nicht nur: Ein riesiger Weihnachtsbaum ziert im Advent den Platz. Der Platz wird gesäumt von Renaissance-, Barock- und Rokokohäusern, eine Augenweide. Er war aber auch Schauplatz eines gruseligen Ereignisses im 17. Jahrhundert: Hier wurden die 27 Adligen geköpft, die man für den «Prager Fenstersturz» verantwortlich gemacht hatte. Sie hatten sich gegen die Bevormundung durch die Habsburger gewehrt, die ihren Untergebenen verboten, den neuen protestantischen Glauben anzunehmen. Wutentbrannt schmissen letztere zwei kaiserliche Abgeordnete aus dem Fenster… Die Folgen waren verheerend: Dieses Ereignis führte zum 30-jährigen Krieg, der Europa verwüstete. Einzelne Landstriche verloren bis zu zwei Drittel ihrer Bevölkerung. Eine Tragödie, die eine architektonische Wende einläutete: Sie brachte den Barockstil hervor. In der Gegenreformation machte es sich die katholische Kirche zum Ziel, die Gläubigen mit der Entfaltung von Prunk und Pracht in die Kirche zu locken. Fürsten, Herzöge, Könige folgten dem Beispiel rasch und stellten ihren Reichtum zur Schau. Es entstanden glanzvolle Bauten.

Wir aber beenden unseren Stadtrundgang im Obecní dům, zu Deutsch Gemeindehaus. Dieses Gebäude dürfte eines der schönsten Jugendstilgebäude Europas sein. Es beherbergt ein Café, ein Restaurant und einen Konzertsaal, der Sitz des Prager Symphonieorchesters ist. Das Gebäude wurde von 1994 bis 1997 saniert und ist heute ein beliebter Treffpunkt sowohl von Einheimischen wie auch von Touristen. Nicht zuletzt sind es die wunderbaren Torten, die einen (mich!) immer wieder anziehen. So ergötzen wir uns an den Haselnusstorten oder anderen Mehlspeisen, für die die böhmische Küche so berühmt ist. Spätnachmittags wartet die Hotelküche wieder mit einem reichhaltigen Buffet auf uns.

Am Abend ist Mozarts Don Giovanni angesagt. Die Komposition gilt als Meisterwerk in der Opernliteratur. Geschaffen wurde sie nach der alten Don-Juan-Sage, die sich in Sevilla (Andalusien) abgespielt haben soll. Vielleicht. Lorenzo da Ponte hat ein spannendes Libretto geschrieben und Mozart fulminante Musik dazu komponiert. Diese Oper im Ständetheater zu sehen, ist ein besonderes Erlebnis, denn das Theater war der Schauplatz der Uraufführung. Gerüchten zufolge soll sogar Casanova einer Vorstellung beigewohnt haben – und der gilt uns als die Inkarnation des Don Giovanni.

Das Ständetheater wurde zwischen 1982 und 1990 renoviert, gerade rechtzeitig, um Mozart 1991, zweihundert Jahre nach seinem Tod, zu feiern. Die Prager verehrten Mozart und daraus schlagen sie heute noch Kapital. Klug haben sie das gemacht, die Tschechen, denn das Gedenkjahr hat– kurz nach dem Fall der Mauer – viele Touristen angezogen.

Wir sitzen auf den besten Plätzen des Theaters, in den vorderen Reihen, ich habe meinen Feldstecher also umsonst mitgebracht. Auf der Bühne entwickelt sich ein grossartiges Spektakel und der Abend ist uns keine Minute zu lang.

Den Mittwoch gehen wir locker an: Wir schlafen aus, frühstücken spät und um 10 Uhr chauffiert uns Roland in die Stadt. Der Tag steht zur freien Verfügung: Die einen gehen den schönen Geschäften nach, die anderen besichtigen die zahlreichen Kirchen oder eines der Museen, eine Dame besucht Theresienstadt, das berühmt-berüchtigte ehemalige Vorzeige-Konzentrationslager Hitlers. Am Abend sehen wir uns wieder. In dieser biertrinkenden Nation darf auch die Tradition nicht vergessen gehen: Car-Tours hat uns Tische reserviert im berühmtesten Bierlokal der Stadt, im U Fleku. Es ist die einzige Bierbrauerei Mitteleuropas, in der seit über 500 Jahren ununterbrochen Bier gebraut wird. Das Lokal ist in stimmige Räume unterteilt. Die Speisekarte ist vielfältig – alles böhmische Spezialitäten natürlich – das Bier schmackhaft und die Musik lüpfig.

Auch den Donnerstag gehen wir gemächlich an. Abfahrt wiederum um 10 Uhr. Ziel ist die Schiffsanlegestelle an der Moldau. Die «Klara» erwartet uns, sie fährt uns vorbei an prächtigen Gebäuden aus verschiedenen Epochen, die von der jahrhundertealten, erlebnisreichen, manchmal tumultuösen Geschichte des böhmischen Königreiches zeugt. Vor lauter Staunen vergessen wir fast, den Kuchen zu essen, den uns die Schiffsmannschaft serviert.

Am Abend ist wiederum Kultur angesagt. Im ebenfalls prachtvollen Nationaltheater wird die Aida gegeben. Auch diese Oper gilt als Meisterstück und ist eine der erfolgreichsten und meistgespielten Opern des 19. Jahrhunderts. Verdi hat sie – nach langem Drängen – auf der ursprünglichen Basis eines Librettos des berühmten französischen Ägyptologen Auguste Mariette 1870 komponiert. Ismail Pascha, der osmanische Herrscher Ägyptens, sowie dessen Operndirektor, hatten Verdi gebeten, ein Werk zur Eröffnung des Suezkanals zu schreiben. Dazu hatte der italienische Opernkomponist jedoch überhaupt keine Lust, und das neue Opernhaus Kairos wurde mit seinem Rigoletto eröffnet. Erst als man dem Dickschädel Mariettes Szenario schickte und ihm buchstäblich drohte, den Auftrag an seinen Konkurrenten und Widersacher Richard Wagner zu vergeben, gab er nach. Er verlangte zwar als letzten Trick eine ausserordentlich hohe Gage, in der Hoffnung, dass sie abgelehnt werde… aber als Kairo die Forderung akzeptierte, gab er klein bei.

Der legendäre Einsatz von lebenden Elefanten auf der Bühne (wie angeblich in der Arena von Verona) kann natürlich im Nationaltheater nicht nachgestellt werden. Doch die Gruppe ist begeistert von den Stimmen und den traditionellen Kostümen der Inszenierung.

«Und jetzt würden Sie bitte car-tours nahelegen, dass wir als nächstes eine Opernreise an die Mailänder Scala machen möchten?», so verabschiedete sich eine der Damen zusammen mit ihrem Mann – und ihr Wunsch sei hiermit weitergeleitet. Ja, gerne!

Roswitha Gassmann

 

…übrigens, haben Sie meinen Bericht über «Adventszauber in Prag» bereits gelesen? Hier geht es zu meinem Reisebericht!

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