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Karneval in Venedig

Bericht vom 25. – 28. Februar 2022 | Bus Nummer 7                              

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Es berichtet für Sie unsere Reiseleiterin

Viola Schärer

Karneval in Venedig

Endlich!  Die Entscheidung ist gefallen. Die Basler Fasnacht findet dieses Jahr wieder statt, nach 2-jähriger Pause aufgrund der Pandemie. Auch wenn in diesem Jahr einiges „e weeneli“ anders sein wird. Welch eine Freude, wieder heisst es um 04.00h morgens: Morgestraich vorwärts Marsch!
Doch nicht nur Basel hat wieder seine Fasnacht, auch in Venedig, der romantischsten Stadt Italiens, wird wieder „Carnevale“ gefeiert. Zum ersten Mal in Hybridform. Hybrid? Online? Doch nicht für unsere Cartours Gäste! Frohgelaunt und aufgeregt starten wir unsere 4-tägigen Reise zum Karneval in Venedig. Welch eine Freude, dieses faszinierende und farbenfrohe Schauspiel wieder bestaunen zu dürfen. Abfahrt in Basel ist um 06.00 Uhr, frühmorgens, da wir noch Gäste aus Zürich, Pfäffikon, Thun, Luzern und Sargans erwarten. Unsere bunt gemischte Gruppe wird von Carmelo, unserem Bus Chauffeur, mit seinem charmanten Walliser Dialekt begrüsst. Grosses Gelächter, als er den Gästen erzählt, dass er von seinem Papa von Italien in die Schweiz importiert wurde. Seither lebt er im Wallis und ist ein richtiger Walliser mit italienischem Charme. Seine ruhige Art, sein sicherer Fahrstil und sein langjähriges Knowhow lassen die lange Hinfahrt wie im Flug vergehen.  Während der Reise werden auch schon erste Kontakte geknüpft, was mich immer wieder erfreut und manchmal schmunzeln lässt. Einige der Gäste kennen Venedig schon, doch im Winter den Karneval zu erleben, sich ganz in eine andere, fremde, mystische Welt versetzen zu lassen, ist auf jeden Fall ein Grund nochmals hierher zu fahren. Mindestens viermal sollte man eine Stadt besuchen um einiges zu sehen, meinte ein Gast augenzwinkernd. Gegen Abend treffen wir im Hotel Bolivar in Lido di Jesolo ein. Obwohl nur 100m vom Meer und Strand entfernt, zieht es uns zuerst nur noch ins Zimmer. Kurz durchgekämmt und frisch gemacht treffen wir uns alsbald wieder zum Aperol Spritz an der Bar. Wir prosten uns zu als kennen wir uns alle schon seit längerer Zeit. Naja, mit den Vornamen hapert’s noch ein bisschen, Walter und Walti, diese beiden Namen kann ich mir gerade noch merken. Um 19.30h suchen wir den Speisesaal auf und geniessen unser erstes italienisches Abendessen. Pasta Amatriciana und eine Torta di Nonna, da kann keiner widerstehen. Als Bettmümpfeli noch ein Limoncello? Pssst, ich habe nix gesehen…

Nach einer Portion Schlaf gibt es erstmal Frühstück. Mit Kaffee, schade, kein Cappuccino. Den gibts sicher später noch. Oder ein Caffè Macchiato? Einen Kaffee in Italien zu trinken will gelernt sein, plötzlich ist ein Kaffee hier grad mal ein Espresso. Ein Schnellkurs – wie bestell ich in Italien Kaffee- und schon sind alle Fragen geklärt.
Danach geht`s los bei Sonnenschein und einer frischen Brise. Carmelo bringt uns in kurzer Zeit zum Punta Sabbioni, wo das Schiff uns nach Venedig bringt.

40 Minuten dauert die Überfahrt, einfach herrlich, wieder auf dem Meer zu sein. Blaues Wasser, blauer Himmel, am Horizont die Stadt Venedig, sämtliche Handys sind im Dauerbetrieb, zu schön ist einfach die Kulisse. Prächtige historische Palazzi und hohe Kirchtürme bilden die Kulisse der Lagunenstadt, vor der die traditionellen Gondeln seit Jahrhunderten durch die Kanäle gestakt werden. Inmitten einer Lagune eines flachen Binnenmeeres wurde die Stadt (Provinz) auf mehr als 100 Inseln erbaut. Diese Inseln sind über 400 Brücken miteinander verbunden. Mehr als 150 Kanäle dienen als Straßen. Die Stadt mit ihrem historischen Zentrum von ca. 7 km² und der Lagune von Venedig zählt seit 1987 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Venedig, in der Stadt der Kanäle, findet der gesamte Verkehr auf dem Wasser statt. Zwar gibt es auch Straßen in Venedig, genau genommen über 3000 Gassen und Gässchen, doch diese können nur zu Fuß genutzt werden. Autos, Motorroller und Fahrräder sind in der italienischen Lagunenstadt verboten.  Auch Tauben und Möwen füttern ist strengstens verboten, die Strafgebühr beträgt 25-500 Euro.
Bei diesem Wetter sind wir natürlich nicht die einzigen Besucher, aber einfach der Reiseleiterin mit dem leuchtend roten Schweizer Schirm nachlaufen und schon finden wir die Piazza San Marco und unsere lokale Stadtführerin. Der Markusplatz ist das bekannteste Wahrzeichen Venedigs. Er ist zwar nicht die einzige Piazza in Venedig, dafür aber einer der schönsten Plätze der Welt. Außerdem befinden sich hier der berühmte Markusdom mit seinem Glockenturm und der Dogenpalast. Während der ca. 2h Stadtführung erfahren wir viel wissenswertes über die Lagunenstadt und ihre Vorfahren und auch dass der ewige Junggeselle George Clooney sich hier am 27. September 2014 mit seiner Braut Amal vermählt hat.
Gegen Ende der Führung erreichen wir die Rialtobrücke. Eine der berühmtesten Fußgängerbrücke in Venedig und eines der Wahrzeichen der Stadt. Sie überspannt den Canal Grande und bietet von ihrem höchsten Punkt aus einem herrlichen Blick auf die Stadt. Ein besonderes Highlight: Auf der Brücke reihen sich auf beiden Seiten zahlreiche kleine Boutiquen aneinander, mit einem überwältigenden Angebot von Accessoires und Schmuck aus mundgeblasenem venezianischem Glas. Am Fuße der Brücke findet noch bis 14h der Mercati di Rialto statt, ein bekannter Markt, auf dem immer eifriges Kommen und Gehen herrscht.

Hier findet man auch die „Bacari“, die traditionellen Weinbars von Venedig, die es in jedem Stadtviertel gibt. Der Name Bacari leitet sich übrigens vom Weingott Bacchus ab. Von außen meist unscheinbar und leicht zu übersehen. Innen sind sie meist winzig klein und urig eingerichtet, oft mit Holz vertäfelt und nur mit einigen Stehplätzen. Hier gönnen sich Bauarbeiter und Gondolieri, feine Damen oder Studenten und natürlich auch Touristen gerne ein Gläschen Wein, ein sogenanntes „Ombra“. Wörtlich übersetzt bedeutet „Ombra“ Schatten. Eine Erklärung für diesen Namen ist, dass Im 19. Jahrhundert apulische Weinhändler ihren Wein auf dem San-Marco-Platz zum Verkauf anboten. Damit der Wein im Sommer nicht zu warm wurde, sollen sie im Laufe des Tages mit ihren Weinfässern dem Schatten des Campanile Turms gefolgt sein. Der Name blieb auch, als die Händler in Weinschenken umzogen. Zu einem «Ombra» gehört natürlich auch ein Cicchetto – die venezianische Variante der spanischen Tapas. In der Februarsonne lässt sich dies draussen beim geschäftigen Treiben am Marktplatz besonders geniessen. Den kostümierten Gestalten nachschauen, die verträumt durch die engen Gassen huschen, dank Petrus sind wir richtige Glückspilze.  Im Kaffee Florian am Markusplatz (zählt zu den ältesten Cafés der Welt) ist kein Tisch mehr frei, hier tummeln sich die Reichen und Schönen, in antiken und teuren Kostümen, und geniessen es von uns «Touristen» fotografiert zu werden. Auf den rotsamtenen Diwanen sassen eben schon viele illustre Persönlichkeiten. Jean-Jacques Rousseau ebenso wie Goethe oder Lord Byron. Ernest Hemingway trank hier am liebsten Rotwein. Kaffee war damals etwas, das sich vor allem die Betuchteren leisten konnten. «Ein türkischer Kaffee mit Zucker hat etwa doppelt so viel gekostet wie ein Wein». Wer heute ins Caffè Florian geht, muss deutlich tiefer ins Portemonnaie greifen, als es normalerweise der Fall ist. Für einen einfachen Cappuccino, den Bestseller, muss man 10.50 Euro bezahlen. Die ­Cioccolata Casanova, eine heisse Schokolade mit Mintcreme und Schokoraspeln, kostet 13.50 Euro.  Serviert werden die Spezialitäten in feinem Porzellan und auf einem Silbertablett. Elegant sind auch die 20 Kellner, allesamt Männer. Sie dürfen keine Tattoos, Piercings oder Ohrringe haben und tragen Smoking Jacke, weisses Hemd und eine Fliege, die bei der einen Hälfte schwarz, bei der anderen Hälfte weiss ist. An der schwarzen Fliege erkennt man die verdienten, erfahrenen Kellner, an der weissen den jüngeren Nachwuchs. Schon in früheren Jahrhunderten wurden hier auch die Frauen als Gäste zugelassen. Dies war mitunter ein Grund, dass der berühmte venezianische Schriftsteller, Abenteurer und Frauenheld Giacomo Girolamo Casanova zum Stammgast des Caffè Florian wurde.

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr, zu Beginn der Pandemie, musste das «Florian» erstmals fast drei Monate schliessen. Doch seit der Wiedereröffnung floriert das Kaffeehaus wieder wie zu den besten Zeiten. Vielleicht hat sich ja einer unserer Gäste hier einen Cappuccino gegönnt?

Am Nachmittag wird die freie Zeit bis zur Rückfahrt am Abend individuell genutzt. Die Romantiker unternehmen eine klassische Gondelfahrt auf dem Canale Grande, Geschichts- und Kunstinteressierte besuchen den berühmten Dogenpalast inklusive der Seufzerbrücke (so viele Treppen, seufzt eine Dame), einige suchen ein Bacari auf oder lassen sich in den vielen kleine Gassen von Shop zu Shop treiben.
Mit einigen venezianischen Masken als Souvenir im Gepäck treffen wir uns dann wieder bei der Bootsanlegestelle und fahren zurück zum Hafen Punta Sabbioni wo Carmelo uns schon erwartet. Schnell einsteigen und sich im warmen Bus aufwärmen. Zu später Stunde, ohne Sonne, kann Venedig ganz schön kalt werden.
Ein bisschen müde aber glücklich fahren wir zurück zum Hotel mit sicher hunderten von schönen Fotos. Noch ein Schlummertrunk an der Bar und danach wird geträumt vom Carnevale di Venezia.

Der dritte Tag verspricht wieder blauen Himmel und Sonnenschein. Gegen 10h Uhr fahren wir wieder mit dem Schiff und besuchen am Vormittag Burano und Murano, die wohl bekanntesten Inselgruppen in der Lagune von Venedig. Unsere lokale italienische Führerin begleitet uns auf dieser Rundfahrt. Schon bald erblicken wir den schiefen Turm von … nein, nicht Pisa, es ist der schiefe Glockenturm der Kirche San Martino auf Burano, der kleinen Schwester von Venedig, Es ist eine der größten Inseln im venezianischen Italien und die malerischste, vor allem die bunteste Insel in der Lagune.  Es leben knapp 3000 Einwohner hier, welche ursprünglich von der Fischerei und der Spitzenstickerei lebten. Unterdessen ist aber klar der Tagestourismus die Einnahmequelle Nummer eins.

Überlieferungen behaupten, dass die bunten Farben der Häuser dazu dienten, den heimkehrenden Fischern im Nebel den Weg zu weisen oder auch damit die Fischer nach vielen Gläsern Wein noch das richtige Haus finden konnten.

Berühmt ist Burano nicht nur wegen seiner bunten Fischerhäuser, sondern auch wegen seiner Luftspitzen oder Nadel-Spitzen.
Die Spitzenstickereien von Burano reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück.
Zu Fuss erkunden wir das malerische Fischerdorf. Wir sind so beschäftigt mit fotografieren, dass die Hälfte der Gruppe plötzlich nicht mehr weiss, wo die Reiseführerin ist. Nicht schlimm, ich lotse die “ Verlorenen“ zurück zur Hauptgasse, wo sich nun jeder einen Cappuccino oder ein Kaffee gönnt und dazu einer der süssen, typischen traditionellen Butterkekse namens Bussolai Burane auf der Zunge zergehen lässt. Burano ist eine kleine, ruhige und überschaubare Insel. Folglich entgeht mir nicht, dass manche Gäste mit einer Einkaufstüte aus den kleinen schmucken Geschäften oder Feinkostläden zurückkommen. Die Auswahl ist zu verführerisch, auch ich kann oft nicht widerstehen 🙂

Schon ist Mittag und wir fahren zur nächsten Insel, Murano.

Murano ist eine kleine Inselgruppe von 7 eng aneinandergeschmiegten Inselchen, durchzogen von 8 Kanälen und verbunden mit 11 Brücken und ist weltweit für seine Glaskunst bekannt, insbesondere für die venezianischen Lampen und Leuchten, aber auch für Schmuck, Skulpturen, Gläser, Perlen, Spiegel und Souvenirs.
Die Glasproduktion und die Glasöfen wurden 1295 aus Brandschutzgründen von Venedig weg und nach Murano verlagert.
Vor allem diente diese Maßnahme jedoch dazu, das streng gehütete Geheimnis der Glasherstellung zu bewahren. Den gut bezahlten Glasbläsern war es unter Androhung der Todesstrafe verboten, ihr Wissen weiterzugeben.

Wir werden schon in der Glasbläserei erwartet. Marco, der Glasbläser Meister, demonstriert uns hier anschaulich das Handwerk der Glasbläser. In nur wenigen Minuten zaubert Marco vor unseren Augen, wie aus Sand und Hitze plötzlich ein schön geformter Teller oder ein filigranes Pferdchen entsteht. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus und es wird klar, weshalb es mindestens 15 Jahre dauert, bis man die Kunst der Glasbläserei beherrscht. Anschliessend haben wir noch Gelegenheit uns ein Murano Glas Souvenir zu „poschten“, echtes Murano Glas wohlverstanden! Ein Herr hat gerade zwei schön farbige Delphine gekauft. Die werden zuhause noch beleuchtet, so dass die Farben noch mehr zur Geltung kommen, meint er zu mir, als er sieht, dass ich ganz neidisch seinen Einkauf beäuge. Daraufhin zeigt er mir einen blauen Schwan, der nun auch auf ein Plätzchen wartet bei mir im Wohnzimmer.
Wieder zurück auf dem Schiff, fahren wir noch ein letztes Mal nach Venedig. Freizeit für die Gäste, jeder kann seinen Interessen nachgehen und tun was ihm beliebt und so füllen sich unsere Taschen und Herzen mit Erinnerungen. Unglaublich, wieviel Touristen sich heute in Venedig tummeln, Sonntag- da feiert so mancher Italiener mit seiner Familie hier den Karneval. Die Polizei muss sogar den Fussgänger Verkehr koordinieren, eine Brücke zu überqueren scheint fast unmöglich. Trotz allem, unsere Gruppe hat es geschafft und sich rechtzeitig wieder zur Rückfahrt beim Schiffsteg eingefunden. Grosses Kompliment, ihr seid die Besten. Belohnt werden wir noch mit einem spektakulären Sonnenuntergang, vom Schiff aus betrachtet glüht Venedig im feurigen Abendrot als würde die Stadt brennen.  Ein Bild, das sich in unseren Herzen einprägt.
Carmelo bringt uns anschliessend wieder wohlbehalten zurück ins Hotel zu unserem letzten gemeinsamen Nachtessen. Einige der Gäste erscheinen maskiert mit einer venezianischen Maske, kaum zu erkennen wer sich dahinter verbirgt, ist es Casanova?
Der krönende Abschluss unserer italienischen Reise ist ein Tiramisu, mhhhhh che buono.

Am nächsten Tag fahren wir zeitig zurück und geniessen bei herrlichem Sonnenschein die Fahrt und schon heisst es wieder Auf Wiedersehen, Arrivederci, bis zum nächsten Mal. Wer noch keine Maske hat kommt sicher nächstes Jahr wieder – zum Carnevale di Venezia!

Der venezianische Karneval ist im Grunde wie die Stadt selbst: zauberhaft und sinnenbetörend, aber auch ein wenig melancholisch.

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