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Hamburg mit Elbphilharmonie

Bericht vom 6. – 9. September 2019 | Bus Nummer 4

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Es berichtet für Sie unsere Reiseleiterin

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Roswitha Gassmann

«Was suchen wir andere Länder unter anderer Sonne? Entkommt, wer sein Land hinter sich lässt, sich selber?» von Horaz)

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Wie bist du Reiseleiterin geworden?

Ich war als Gast unterwegs in einer Gruppe. Als der Reiseleiter entdeckte, dass ich mich in mehreren Sprachen mit Leichtigkeit unterhielt, sagte er mir: «Wir brauchen ganz dringend Leute wie Sie». Da ich gerade an einem beruflichen und privaten Scheideweg stand, nahm ich die Aufforderung an und bewarb mich – mit Erfolg.

Was zeichnet dich als Reiseleiterin aus?

Die Neugierde für neue Länder, Geschichten, Kultur, aber auch die Freude an den Menschen, die ich betreue.

Worin siehst du die Vorteile / den Mehrwert einer Gruppenreise?

Die Gäste sitzen im Bus, können hinausschauen, schlafen, lesen, und an den Zieldestinationen ist alles organisiert. Die Gäste können sich entspannen und gehen lassen. Oft entstehen anlässlich solcher Gruppenreisen Freundschaften auf ewig.

Was gefällt dir an deinen Aufgaben als Reiseleiter bei Car Tours am besten?

Den Gästen zu einem unvergesslichen Erlebnis zu verhelfen. Die meisten sind sehr, sehr dankbar dafür.

Welches Reiseziel in Europa ist dein liebstes und warum?

Ein Kollege hat mir einmal gesagt: «Touristen reisen nur an schöne, spannende Orte, deshalb ist jede Destination reizvoll». Seither muss ich immer an ihn denken, wenn mir diese Frage gestellt wird. Mir gefällt es überall – am besten vielleicht dort, wo das Essen gut!

Welche drei Dinge sind auf jeder Reise unverzichtbar?

Gute Gesundheit, Humor und die Zahnbürste

Was ist das lustigste, was du auf einer Reise mit einer Gruppe erlebt hast?

Hier hätte ich ein paar Geschichten auf Lager, allerdings stammen sie alle aus meiner Kuoni-Zeit. Ich kann jederzeit gerne nachliefern. Hier mal ein Beispiel:

Lang ist’s her: In Gran Canaria flogen jeden Sonntag zwei Schweizer Chartergesellschaften ein. Sata um 11.00 Uhr morgens, Balair um 13.00 Uhr nachmittags. Eines Tages kam Sata mit Verspätung und die Balair verfrüht an. Beide landeten um 12.00 Uhr. Mein Kollege von der Konkurrenz hatte auf beiden Maschinen Ankünfte und musste daher mit seinen verschiedenen Listen hantieren. Also fragte er alle Leute: „sind Sie mit der Sata oder mit der Balair gekommen?“ um gleich zu wissen, welche Liste er zur Hand nehmen musste. Da kam ein mittelalterlicher Herr, schaute Dominik auf seine Frage hin entsetzt an und sagte: „Ich?? Ich bin mit meiner Mutter gekommen“!!

Welches war das schönste Kompliment, das du von einem Gast erhalten hast?

Kürzlich: Es gab zwei Höhepunkte auf dieser Reise: die Oper Nabucco und Sie.

Was war dein schönstes Erlebnis bei Car Tours Reisen?

Auf meiner letzten Reise, als 47 Gäste in einer Weinverkostungskantine «joyeux anniversaire» für mich sangen. Dabei hatte ich es geheim behalten wollen.

Hamburg und die Elbphilharmonie

«Sie sind zu spät», rüge ich den Taxifahrer, etwas verärgert. «Aber nur ein bisschen» lacht er mit der Unbekümmertheit des Afrikaners. «Der sollte sich ein Beispiel an meinen Car-Tours-Gästen nehmen», denke ich. Selten kommt es vor, dass da jemand zu spät kommt.

Ja. In der Tat. Pünktlichkeit erleichtert nicht nur die Arbeit des Reiseleiters, sondern sichert generell auch die Stimmung im Bus. Die ist zu Beginn weg gut auf dieser Reise nach Hamburg. Frühmorgens dösen die Leute normalerweise noch ein bisschen vor sich hin. Der Bus ist sauber, die Sitze bequem und unsere bewährten Fahrer steuern ihre Fahrzeuge routiniert und ruhig durch den Verkehr. Diesmal ist es ein Schuler-Bus. Es ist Hochsaison und die 20 Busse von Zerzuben, dem offiziellen Geschäftspartner von Car-Tours, sind alle unterwegs. In dieser Situation heuert Zerzuben qualitativ gleichwertige Busse anderer Unternehmen an. In Hegau, unweit der Schweizer Grenze (nahe bei Singen), wartet bereits Marcel de Féminis auf uns. Der Deutschschweizer mit französischem Namen löst Sascha Steiner ab, der die erste Etappe gefahren ist. Marcel wird uns während der viertägigen Reise sicher durch Deutschland und später durch Hamburg kutschieren. Die Gäste fühlen sich sicher. Wir sitzen im Bus als wären wir auf Schienen und die ersten Gäste durchstöbern bereits die von Zuhause mitgebrachte Zeitung, lesen in ihrem Kindle, lösen Kreuzworträtsel oder geniessen einfach die Landschaft, die an uns vorbeizieht: Es sind Mais- und Kohlfelder, die darauf warten, geerntet zu werden, aber auch bereits abgeerntete Weizenfelder. Wälder, hübsche Dörfer mit Fachwerkhäusern in der Ferne, jedoch durchaus erkennbar, Kirchtürme im Zentrum, hie und da ein ruhig daliegender Wassertümpel umgeben von Sträuchern und Birken – immer wieder entdeckt das wachsame Auge hübsche Idyllen.

«Das war kurzweilig», sagt eine Dame anlässlich unserer Ankunft in Hamburg. «Damit habe ich nicht gerechnet.»

Die Gäste konnten zwischen zwei Hotels wählen. Beide sind hervorragend und gut gelegen: das 5-Sternehotel Steigenberger ist direkt an einem Wasserkanal, das andere, das Designhotel East, am Rand des Hamburger Vergnügungsviertels gelegen. Da staunen wir. Wohl keine/r von uns hat je so ein Hotel gesehen. Das Gebäude war ursprünglich eine Eisengiesserei, die in den 80er-Jahren stillgelegt wurde und in der Folge mehrere Jahre leer stand. Zu Beginn des neuen Jahrtausends nahmen Unternehmungslustige den originellen Umbau in Angriff. Die ursprünglichen Mauern und Kasematten (= Gewölbe) sind Teil der Innenarchitektur, das Mobiliar ist speziell entworfen worden und sehr aussergewöhnlich. Alle Zimmer sind gross und modern. Mit den Lichtschaltern müssen wir uns etwas zurechtfinden… man kann sie auch mit Fernsteuerung bedienen und mit dem Empfang kommuniziert man über ein Tablet. Alles in allem ungewohnt, aber spannend, doch sämtliche Gäste kommen klar damit.

Heute gehört das East Hotel Hamburg dem Verbund der «Preferred Hotel Group» an. «Preferred Hotels & Resorts» ist die weltweit größte, unabhängige Hotelmarke. Sie vertritt mehr als 650 außergewöhnliche Hotels, Resorts und kleine Hotelgruppen in über 85 Ländern. Aussergewöhnlich ist es tatsächlich. Sowohl am Abend unserer Ankunft wie auch am Samstag ist das Restaurant restlos ausgebucht: Die Küche hat einen hervorragenden Ruf und man munkelt, dass es eine Sterne-Küche sei. Tatsächlich sind unsere beiden Nachtessen erstklassig und vom Frühstück will ich schon gar nicht erzählen – man müsste einfach hungrig sein am Morgen!

Am zweiten Tag, Samstagmorgen, freuen wir uns bereits auf den ersten Höhepunkt: der Besuch der Elbphilharmonie. Car-Tours hat es fertiggebracht, eine schöne Anzahl von Konzertkarten zu ergattern. Matthias Georg Kendlinger, Dirigent und Komponist, lädt mit seinen K&K Philharmonikern zu einer Mozart-Matinée. Der grosse Konzertsaal mit seinen 2000 Sitzplätzen ist voll, das Publikum neugierig. Nicht nur die Architektur der Schweizer Architekten Herzog und De Meuron ist spektakulär, auch die Akustik des berühmten Japaners Yasuhisa Toyota soll umwerfend sein, davon wollen alle Zeugen werden. Die Gäste werden nicht enttäuscht. Das Programm ist gut ausgewählt, Kendlinger lässt es sich nicht nehmen, die einzelnen Musikstücke zu kommentieren. Zum Schluss gibt es noch ein paar Evergreens als Zugabe(n). Das Publikum ist begeistert. Vor dem Konzert und während der Pause wird spaziert, fotografiert, gestaunt und wohl auch der eine oder andere Sekt oder gar Champagner getrunken.

Nach dem Konzert haben die Gäste Zeit zum Bummeln, einen kleinen Imbiss einzunehmen oder eine Siesta zu machen. Marcel hat ein Fahrrad gemietet und kurvt damit durch die Stadt und zwischen den beiden Hotels hin und her. Er fürchtet nämlich um seinen Parkplatz, den er in der Nähe des East-Hotels verlieren könnte.

Ein leckeres Nachtessen wartet bereits um 17.30 Uhr auf uns. In den Kasematten der ehemaligen Giesserei brennen die Kerzen und wir laben uns an einem feinen Curry, während es im Steigenberger Hotel ein schmackhaftes Buffet gibt.

Bei den Landungsbrücken am Hafen von Hamburg erwartet uns gegen 20 Uhr Carsten Schön, unser Lokalführer. Eine Lichterfahrt ist angesagt. Mit über 20’000 Light-Elementen an rund 150 prägnanten Gebäuden, Hafenindustrieanlagen und Schiffen verwandelt der Hamburger Lichtkünstler Michael Batz den Hamburger Hafen beim «Blue Port» seit 2008 alle zwei Jahre in eine magisch leuchtende Bühne. Die «Blue Port Hamburg» genannte Kunstaktion ist eine temporäre, 10-tägige Aktion und wir haben das Glück, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Zahlreiche Schiffe – Barkassen, Fähren und der Schwimmkran der HHLA (= Hamburger Hafen und Logistik AG) – bilden dabei eine blau illuminierte Hafen-Parade. Jeder Ort, jede Stadt sieht nachts anders aus als tagsüber. Ziel des Künstlers ist es, den Hafen durch das Licht so zu verfremden, dass der Betrachter wieder empfänglich ist für das, was vor den eigenen Augen geschieht. Feine Veränderungen in der Lichtinszenierung beeinflussen die Wahrnehmung. Tatsächlich sehen wir die Stadt mit anderen Augen – was etliche Gäste dazu inspiriert, anderntags eine Stadtrundfahrt bei Tag zu machen, um den Unterschied zu erkennen.

Am Sonntag gibt es zuerst das, was unsere französisch-sprachigenNachbarn «une grasse matinée» nennen. Total zutreffend: ein fetter, bzw. fauler Morgen. Wir können ausschlafen (oder auch nicht) und im Laufe des Morgens am Frühstücksbuffet schlemmen, denn die beiden Buffets sind vom Feinsten. Nichts fehlt, nicht einmal der Sekt, das Herz hüpft buchstäblich vor Freude. Pünktlich um zwölf Uhr sind sie dann alle da, die Gäste. Wir fahren los, um unsere Mitreisenden im Steigenberger Hotel abzuholen und dann geht’s wieder zu den Landungsbrücken. Wir können unser Glück kaum fassen: Ständig war Regen angesagt, aber noch ist kein Tropfen gefallen und unsere Hafenrundfahrt, toll kommentiert vom Kapitän, findet bei gutem Wetter statt. Vom Schiff aus sieht die Hansestadt noch einmal anders aus, beim Anblick der alten, wunderschönen Speicherhäuser kann man sich plötzlich das Gewusel von Handelsschiffen und die rege Tätigkeit in längst vergangenen Zeiten in dieser ausgesprochen attraktiven Stadt vorstellen. Fast sehnt man sich zurück in diese Zeiten, in denen alles anders war.

Der Rest des Tages steht zur freien Verfügung: Die einen erkunden die Stadt weiter zu Fuss, die anderen besteigen einen Bus, dritte besuchen die umwerfende Kunsthalle mit ihren 3500 Bildern, die einen quer durch die ganze Kunstgeschichte führen… keinem wird langweilig. Das Nachtessen ist frei, einige suchen sich feinste Adressen aus, andere essen noch einmal Fisch, und dritte profitieren vom vielseitigen Angebot im nahegelegenen St. Pauli, doch früh gehen wir wohl alle zu Bett, denn anderntags wollen wir nicht zu spät abfahren: Viel zu rasch verlassen wir Hamburg, dabei gäbe es noch so viel zu sehen. «Aber ich komme wieder», schwärmt Herr N. «Wann bietet Car-Tours das nächste Konzert in der Elbphilharmonie an? Nächstes Jahr? Da bin ich wieder dabei!»

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