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Halbinsel Sorrent – ein Panorama der Genüsse

Bericht vom 14. – 20. Oktober 2019 | Bus Nummer 51

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Es berichtet für Sie unsere Reiseleiterin

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Christine Oberholzer

Wer offenen Sinnes reist, wird sich oft freuen, manchmal wundern und vielleicht auch mal ein bisschen ärgern; aber gleichgültig wird eine Reise nie bleiben.

Weitere Infos

Wie wurdest Du Reiseleiterin?

Mit Menschen zusammen arbeiten zu dürfen, war für mich von je her etwas Faszinierendes, und diese Leidenschaft mit meinem persönlichen Interesse, dem Reisen, verbinden zu können war grossartig. so wählte ich vor 24 Jahren einen Berufswechsel, zur Rundreiseleiterin, noch heute mein Traumjob.

Welche Eigenschaften braucht es, um diesen Beruf professionell auszuüben?

Positives Denken, kontakt- und entscheidungsfreudig im Organisieren und Handeln; ein Feingefuehl fuer Menschen; sich mit der Firma und dem Produkt identifizieren können und hierfür Begeisterung zeigen und weitergeben.

Was sind Deine liebsten Reiseziele als Reiseleiterin?

Ein jeder Ort, den ich bereisen durfte, hat sein Faszinierendes; die Schätze und Sanftmut Asiens, das temperamentvolle, geschichtsträchtige Südamerika voller Lebensfreude, der Sagen umworbene Orient, oder nunmehr Österreich, das ich durch car-toours entdecken durfte mit seinen Traditionen, der lieblichen Landschaft, seiner Gastfreundschaft und seiner Musik, die überall präsent ist und Fröhlichkeit schafft.

Was macht eine car-tours-Reise aus?

Car Tours hat im Gegensatz zu sehr grossen Busveranstalter nur ein kleines, aber ein sehr feines Angebot. Die Reisen haben sehr viele Inklusivleistungen und bewegen sich auch abseits von touristischem Pfaden. Das macht die Reise spannend. Besuche bei Konzerten oder sonstigen Events sorgen oft für Abwechslung und schaffen Höhepunkte, die für den Gast bleibend sind.

Verreist Du auch in den eigenen Ferien? Wenn Ja, wohin?

Ich verreise sehr oft und wann immer ich kann in den Ferien. Reisen ist wie ein spannendes Buch lesen, oder Musik hören; Reisen verschafft traumhafte Bilder und Begegnungen und das Verständnis für andere Voelker und Kulturen.

Halbinsel Sorrent – ein Panorama der Genüsse

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt…

…vom azurblauen Golf von Neapel, dem unvergesslichen Duft von Zitronen, einer herrlichen Landschaft mit Terrassengärten, Steilklippen an denen sich pastellfarbene Häuser kunstvoll gebaut übereinander stapeln – die dramatische Geschichte vom Untergang Pompejis zu hören, einmal durch einen Gemüse- und Früchtegarten spazieren zu dürfen, sich kulinarisch rundum verwöhnen zu lassen, und die ansteckende Fröhlichkeit der Einheimischen hautnah miterleben zu dürfen. – Ja, wir waren im „Paradiso“!

also andiamo!

Unser VIP Bus, gelenkt von Chauffeur Yvo steht bereit.

Eine wunderbare Reisefamilie gesellte sich zusammen, viele Gäste kannte ich von vorherigen Reisen, und die Freude beim Wiedersehen war riesen gross; aber auch diejenigen, die ich neu kennenlernen durfte, wurden sogleich herzlich aufgenommen, ein freundschaftliches Miteinander. „Das wird eine tolle Reise!“ meinte ich zu Yvo, und er pflichtete mir in seinem sympathischen Walliser Dialekt bei: „das chunt güet!“

Auf halber Strecke, dürfen wir den Gästen ein Walliserplättli servieren: Trockenfleisch, Rauchwürstli, Speck, Käse, Cornichon, Tomaten und Walliser Roggenbrot. Abgerundet wird dieser leckere Schmaus mit einem feinen Tröpfchen Heida. Man prostet sich zu, die Stimmung ist ungezwungen, Kathrin häkelt an ihrem Topflappen, eine rundum fröhliche Gesellschaft.

Unser Etappenziel ist Montecatini Terme, und anderntags geht es weiter in den Süden, dort wo mein Italien noch ganz Italien geblieben ist.

Neapel – Sorrento –Sant’Agata sui Due Golfi –

Mare, Sole, Amore, Pizza, Vespa. Dazu die schwarz/weiss Filme: „Es begann in Neapel“ oder „L’oro di Napoli“, in der Sophia Loren als kleine Pizzetten Verkäuferin zu sehen war, ein Film von Schicksalen kleiner Leute, Gaunern und Prostituierten in prächtiger Umgebung. All dies hat etwas Anhaftendes; und noch heute, nachdem ich schon verschiedene Male in dieser Gegend war, ist es für mich immer noch etwas Besonderes, Spezielles.

Benvenuti al Sud!

Wir fahren an Neapel vorbei, im Hintergrund der alles beherrschende Vesuv mit seinen 2 Köpfen, das Häusermeer der ausufernden Stadtviertel Neapels und vom Meer umspült, kann man im Abendlicht, die Inseln Capri, Ischia und Procida erkennen. Oh Dio mio, che bello!

Wie sagt man so schön: „Vedi napoli e poi muori“ damit ist einerseits die Schönheit Neapels gemeint, aber auch das südliche Temperament, und das tägliche Verkehrschaos – mamma mia! Hier herrschen anarchische Zustände. Yvo meisterte jedoch alles brillant. Er hat sich in den chaotischen Verkehr eingefädelt, mitgespielt, sich durch enge Gassen an falsch parkierten Fahrzeugen und nervösen Motorradfahrern vorbei manövriert… – un artista!

Hotel Hermitage Sant Agata sui due Golfi – Charme und Romantik hoch über Sorrent

Mit einem herzlichen „Benvenuti“ werden wir vom Hotelpersonal empfangen, einem Familienbetrieb voller Herzblut. Das Hotel liegt malerisch über dem Golf von Neapel. Die azurblauen Schattierungen des Meers, die grünen Hügel und die mächtige Silhouette des Vesuvs, entlocken jedem ein „Che bello“! Am Abend schimmern tausend kleine Lichter an der Küste, während wir kulinarisch im Speisesaal verwöhnt werden; – atemberaubend, unvergessliche – Balsam für die Seele.

Von hier aus erkundigen wir in den folgenden Tagen die Umgebung

Amalfi Küste – wo die Landschaft zur Kunst wird – mal anders – per Boot

Auf dem Weg zum Hafen Marina del Cantone erzählt uns unsere Guide Vittoria: „Eine Reise an die Costa Amalfitana ist immer ein Höchstgenuss an Belvedere, nur wenige Orte auf dieser Welt wurden mit solch prächtiger Natur so reich beschenkt. Hier wachsen Wallnüsse, Tomaten, Oliven, Orangen und Zitronen, im typischen Terrassenanbau. Von hier kommt die berühmte Zitrone Sfusato Amalfitana, sie ist besonders gross und von auffallend heller Farbe. Die Schale ist mitteldick und dank der vielen ätherischen Öle verbreitet sie einen besonders intensiven Duft, ein köstliches Aroma. Man verwendet die Schale der Sfusato-Zitronen zur Herstellung des berühmten Limoncellos. Zum Schutz gegen Kälte und Feuchtigkeit werden die Zitronen mit Netzen bedeckt, ursprünglich verwendete man Strohhalme. Diese Pergolas, prägen das landschaftliche Bild der Amalfiküste, ja der gesamten Sorrentinischen Halbinsel, die liebevoll “costiera divina” genannt wird.

„Das Licht, die Menschen, die Kultur sind hier so gänzlich anders,“ meint Vittoria; Armut und Reichtum, Elend und Glanz liegen hier so nahe beieinander. Insbesondere für die Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren, sei es schwierig einen Job zu finden. Die Arbeitslosigkeit ist bis auf 60 % gestiegen. Auch für gut ausgebildete Jugendliche bleiben Job und Karriere ein Traum, der kaum in Erfüllung gehen wird; es sei denn, man spreche mehrere Sprachen und könne im Tourismus arbeiten. Doch hier sind wir alle irgendwie Lebenskünstler, wir leben wie eine Lasagne mit mehreren Schichten, wohnen auf zwei Vulkanen und haben unsere eigene Philosophie entwickelt: „Heute sind wir hier, wir wissen nicht, was morgen kommt… tutto a posto!“ sagt der Südländer, „Arrangiarsi“ heisst das Zauberwort.

Wer den Gipfel des Chaos sucht, findet ihn hier im Verkehr. Das können mir meine lieben Reisefreunde beipflichten Die Strasse nach Marina del Cantone zum Schiffsanlegestelle ist eng und schmal, 2 Autos passen zuweilen eben mal nebeneinander, kommt dann der Ortsbus oder ein Dörfli, mit eng aneinandergereihten Häusern – uiiiii, da kann man nur mit Haaresbreite passieren, da nützt im besten Fall noch ein Aussenspiegel Einklappen oder ein verwegenes Rückwärtsfahren… „Und immer wieder diese schrecklichen Töfffahrer,“ meint Gerda, die sich halsbrecherisch um unseren Bus schlängeln…, oh Dio mio zum Glück haben wir Yvo! Er meisterte das Süditalienische Wirrwarr souverän!

Ja meine lieben Schweizer, meint Vittoria, so ist es bei uns im Süden, und wir haben gelernt, uns im täglichen Verkehrschaos zurecht zu finden. Hinweisschilder sind Dekorationen, bei 50 fährt man 70. Die meisten besitzen einen Fiat Panda, selbstverständlich verbeult; das Auto ist hier kein Prestige, einfach ein Fortbewegungsmittel. Fiat = Agnelli – Oh, die lieben wir überhaupt nicht, die Agnellis unterstützen den Fussballclub Juve! Sie können mir glauben, wenn Juve gegen Irland spielt, sind wir im Süden für Irland, wir mögen den Norden nicht!

 

So allmählich kommen wir zur Marina del Cantone und besteigen unser Boot. „Wow ist das schön!“, schwärmen Ruth und Doris. Hier scheint das Meer noch blauer, die ins Meer abfallenden Felsen schroffer und die Häuser noch kunstvoller, als anderswo: „Siamo in Paradiso!“ Meint Christin und Max. Wir fahren vorbei an den kleinen Inseln Li Galli (die Hähne) diese Inseln zogen von je her viele berühmte Persönlichkeiten und prominente Besitzer an, so den Tänzer Leonide Massine, den Schauspieler Eduardo de Filippe und den Tänzer Rudolf Nurejev, der hier eine Tanzschule aufbauen wollte.

„Der Blick ist überwältigend;“ schwärmt Esther. An den Steilklippen stapeln sich Häuser und formen sich zu pittoresken freundlichen Orten. Am ehemaligen Kloster Santa Catarina vorbei, dort wo Angelina Jolly und Brad Pitt in einer Liebessuite für € 6’000 übernachteten, erreichen wir Amalfi, die ehemalige Seerepublik und Handelsstadt. Wir spazieren durch enge Gässchen, sanft geschwungene Mauerbögen und kommen zum eindrucksvollen Domplatz, mit dem plätschernden Brunnen Sant‘ Andrea oder Fontana delle Size wie er liebevoll genannt wird. Dahinter der imposante Dom; eine beinahe schwebende Architektur in schwarz und weiss, was Leben und Auferstehung bedeutet. Wir besuchen den Dom und den imposanten Kreuzgang Chiostro del Paradiso. Danach haben wir freie Zeit. „Schau mal, dort gibt es ein herziges Beizli! Platz für uns alle!“ meint Remo. und diese Leckereien: Spaghetti al Ragu, Vongole, Tomaten, Büffelmozarella, Pizza, Vino… Sogleich werden Tische und Stühle zusammengerückt, zu einer fröhlich gesellige Tavolata.

 

Wieder auf dem Schiff ist Positano, das vertikale Dorf mit 90 % Meerblick unser nächstes Ziel. Die Welt trifft sich in Positano. Hier haben sich die Schönen und Reichen niedergelassen in ihren prunkvollen „Sozialwohnungen“, meint Vittoria. La Dolce vita der 60ziger Jahre Sophia Loren, Gina“ Lollobrigida, Pablo Picasso. Der Blick ist atemberaubend schön, in der Mitte stolz die Kirche, deren Kuppel mit Majolika Kacheln verziert ist. Im Kanon klicken die Kameras – che bello! Wir gehen vom Boot „Jetzt habe ich Lust auf einen Aperol Spritz!“ Meint Anna und Franz, wer kommt mit? Da braucht es keine grosse Überredungskunst in einem hübschen Terrassen Restaurant mit traumhaftem Blick lassen wir es uns wohl ergehen – ein Postkartenidyll!

Wieder auf dem Schiff erreichen wir die Bucht der Millionäre, die Kennedy Family Agnellis, Sophia Loren, Bill Gates – sie alle besitzen hier eine Traumvilla – unglaublich, diese Gegensätze

In Marina del Cantone treffen wir wieder Yvo und unseren Bus. Es war grossartig, und wir fragen uns alle, was kann da noch kommen, nach einem solch prächtigen Tag.

 

Pomeji – die meist besuchte Archäologische Stätte der Welt

Unter sachkundiger Führung von Guide Nadia entdecken wir die Geheimnisse der antiken Stadt Pompeji, die bei einem Vulkanausbruch im Jahre 79 unter einer 7 m hohen Schicht aus Bimssteinen und Asche vollständig verschüttet, konserviert wurde. Die gut erhaltenen Ruinen und Menschenkörper liefern heute ein fantastisches Bild des Lebens in der Antike und seiner Fortschrittlichkeit, – eine zeitliche Momentaufnahme für die Nachwelt.

Die Straßen bildeten dabei das typisch antike Gitternetz. Hypomanische Stadtplanung wie New York, erklärt uns Nadia. In der Hauptstrasse gab es Geschäfte, 80 Konditoreien, „Schauen sie mal! Einen Street food Laden! hier in diesen Töpfen wurden warme Speisen gelagert und verkauft!“ Die meisten Einwohner Pompejis lebten in engen Verhältnissen, und da gab es weder Herde noch fließendes Wasser, sie holten sich das Wasser in den öffentlichen Brunnen der Stadt. Selbstverständlich gab es auch zahlreiche wohlhabende Bürger. „Schauen sie mal, an diesem Haus können sie noch ein Wahlplakat erkennen, z.B für Bürgermeister oder Minister. Da steht candidato tunica = weisse Weste. Heute würde vermutlich auf diesen Plakaten überall Renzi stehen; spannend!“ Und sehen sie! Die Frauen haben in einem anderen Raum geschlafen, schon damals gab es diese Macho Kultur! Zum Schluss besuchten wir noch die Termen der Stadt, mit ihren erotischen Fresken Zeichnungen an den Wänden. Offensichtlich hat man hier nicht nur Entspannung und Reinigung gesucht.

Es war eine grossartige Führung und zuweilen fühlte man sich selber als Römer/Römerin, so phantasievoll verstand Nadia zu erzählen.

Circumvesuviana – ein aussergewöhnliches Verkehrsmittel

In den schrillen Wagen der Circumvesuviana wurden wir von Pompeji nach Sorrento „gerumpelt“. Es war ein Erlebnis inmitten all der Einheimischen. – Italia, la storia reale

Sorrento – traumhaft schön, auf einer Tuffsteinplatte gebaut.

„Oh Dio mio“ ist das schön! Und unweigerlich kommt einem das Szenario des Filmes „pane, amore e.…“ mit Sophia Loren, in den Sinn: all dies könnte sich gerade jetzt, heute abspielen. Noch immer dümpeln Boote in der Bucht, die pastellfarbenen Häuser übereinander geschachtelt, und die Sonne versinkt mit einem dramatischen Farbenspiel im Meer, wie im Film von Dino Risi.

Durch seine erhöhte Lage auf dem Tuffsteinfelsen über dem azurblauen Meer, wirkt Sorrento wie ein riesiger Balkon. In den engen, rechtwinkligen Gassen spielt sich das Leben ab. Überall in den „piccoli negozi“ werden die gelben Früchte präsentiert, auf Porzellan auf Tischtüchern, da gibt es Zitronenspaghetti, Zitronenkonfekt, Zitronenseife und der allgegenwärtige Limoncello. In den Konditoreien locken verführerisch die himmlischen Sfogliatelle, ein Gebäck von den Nonnen kreiert, Babà al Limoncello… „andiamo mangiare meint Emilio!“ Wir setzen uns in ein Ristorante, wieder werden Tische zusammengestellt und der Kellner serviert uns eine leckere Scialatielli ai frutti di mare (selbstgemachte Nudeln mit Meeresfrüchten) Spaghetti alle noci, oder der frisch „gezupfte“ Büffelmozzarella; dabei geniessen wir das Schauspiel der lässig vorbeischlendernden Italiener

Bar Orlando – die süditalienische Seele…

Noch vor dem Abendessen begleitet uns der Neffe des Hoteliers, Renato, in die Einheimischen Bar Orlando, Wir sind dort zu einem Apéritvo eingeladen. Renato ist in diesem kleinen Ort aufgewachsen, temperamentvoll, gestikulierend, erzählt er uns über sein Dorf. „Schaut mal diese Kinder, die haben keine Handys, die spielen noch zusammen, selbstverständlich Fussball, wir sind alle für Napoli!“ Wir spazieren vorbei an gelben Häusern, zwischen denen die frisch gewaschene Wäsche flattert, ein vollbeladener Kleintransporter der Marke Ape, kreuzt unseren Weg; eine dörfliche, zauberhafte Atmosphäre. Die Bar Orlando ist Treffpunkt der Einheimischen, hier wird über Politik und Fussball diskutiert oder Karten gespielt. Mit einem herzlichen „Benvenuti a tutti!“ begrüsst uns Orlando; „come ti chiami? Ahhh Massimo, Katharina, Anna, Vreni,Trudi, Remo – Benvenuti Ciao Renato, mio grande bandito!“ Frauen und Männer werden gleichsam umarmt, im Hintergrund die Einheimischen, vor allem ältere Männer und Junges Volk, ein wunderbares Schauspiel, eine Mélange voller Lebensfreude; der lebendige Mittelpunkt von San’Agata.

Der Apéro wird uns serviert, mit leckeren Bruschettas. Dann kommt Orlando mit einem abgegriffenen Fotoalbum. Er ist ein überzeugter liebenswürdiger Selbstdarsteller, wie übrigens alle hier im Süden. „Renato è l’uomo piu belle del paese!“ Schreit Orlandeo durch die Bar – und recht hat er, insbesondere wenn man die Frauen unserer Gruppe danach fragen würde. Che ridere! Er erzählt die Geschichte der rauchenden Katze: „in den 60er Jahren gab es in Sant’Agata nur ein Hotel und die Bar Orlando, es kamen nur wenige Leute hierher. Da kam ich auf die Idee mit der rauchenden Katze, eine Katze die raucht? überall verbreitete sich dieses Phänomen und PW’s und Busse kamen mit einem Mal hoch zu mir ins Lokal, um die rauchende Katze zu sehen. Ich sagte, ich brauche Futter für die Katze, Lire 1’500 pro Person… und die Leute gaben mir das Geld – hahaha. Heute gibt es diese Katze nicht mehr.

Das Leben hier im Süden ist eine Plattform, ein jeder ist als Schauspieler gefragt und das Leben verteilt seine Rollen – Es ist leidenschaftlich, unbeständig, daher – carpe diem –

 

Spaziergang durch den Gemüsegarten – ein Panorama der Genüsse

Ein phantastisches Programm erwartet uns heute, der Spaziergang zum Gemüsegarten von Don Alfonso, dem ersten Koch südlich von Rom, der mit 3 Michelin Sternen ausgezeichnet wurde. Auch heute werden wir wieder begleitet von Renato. Sein leidenschaftliches Temperament ist spürbar, es brodelt in ihm wie der Vulkan Vesuvio. „Andiamo, meine lieben Freunde, ich zeige euch das Paradies!“ Renato schwingt sich auf sein Motorrad, fährt Yvo voraus Richtung Termini. Blauer Himmel, der kein Wölkchen befleckt, und zudem feiert Emilio seinen Geburtstag: „Tanti auguri! und die ganze Reisefamilie feiert mit.

In Termini angekommen spazieren wir Richtung Punta Campanella zum Gemüsegarten „Peracciole“ von Don Alfonso. Eine märchenhafte Landschaft mit farbenprächtiger Vegetation, Klippen über türkisblauem Meer, romantische Buchten und der Duft von Blüten und Kräutern. Renato hat schon bald bemerkt, dass wir den Botanik-Spezialisten Remo mit in der Gruppe haben. „Remo, mein bester Freund komm zu mir!“ meint Renato, indem er ihn in südländischer Manier liebevoll an sich drückt. Dann beginnt Remo eine Arie gleich von den Pflanzen und deren Eigenarten zu erzählen: „Das ist Wolfsmilch, und hier Feigenkaktus, Myrte, Maulbeerbaum, Lorbeer, das jedes Gericht verfeinert…;“ er gibt uns köstliche Rezepte weiter, wie man aus all dem ein leckeres Gericht zaubern kann. „Hier ein Feigenbäum, ein Erdbeerbaum, deren Beeren, allmählich rot werden“, ein erquickender Mix zwischen Renato und Remo, es war lustig und interessant zugleich.

In der Schönheit der Natur liegt der Charme dieser Gegend; malerische Landschaft; dahinter glitzert das Meer, und die Insel Capri, das Naturschauspiel der Faglioni, jener berühmten Felszacken, ist zu erkennen. Wir sind überwältigt; hier muss der Herrgott eine besondere Eingebung gehabt haben, um eine solches Paradies zu schaffen.

Wir erreichen Peracciole, den Gemüsegarten von Don Alfonso, immer noch mit spektakulärem Blick auf Capri. „Oh, wie ist das schön!“ meint Christin. Jeder Flecken Erde ist hier mit Gemüse, Oliven-, Orangen und Zitronenbäumen bepflanzt und mit Kräutern überwuchert, ehe die Küste steil abfällt. In dieser einzigartigen, verschwenderischen Natur rücken Alltag, Raum und Zeit in weite Ferne. „Attenzione!“ Seine Eminenz Don Alfonso kommt angefahren, er begrüsst uns liebenswürdig in seiner Vornehmheit, dann gibt er uns weiter an Fortunato, seinen Angestellten. Die Arbeiter sind eben damit beschäftigt, die Oliven zu ernten; Das Ernten der Früchte bestimmt der jährliche Zyklus: zuerst werden die Trauben, dann die Zitronen und zum Schluss die Oliven gepflückt. Gleich daneben sammeln Arbeiter frischen Honig, für die Gäste von Don Alfonso. Neben einem prächtigen Zitronenhain, werden uns Bruschetta mit dem frisch gewonnen Olivenöl zur Kostprobe gereicht, „wie lecker aromatisch das schmeckt,“ meint Vreni. Die Ursprünglichkeit von Natur und Landschaft, vereinen sich hier zur vollkommenen Harmonie.

„Aber irgendwie müssen wir da wieder hoch kommen nach Termini?“ Dies kann ich aus verschiedenen Gesichtern der Gäste lesen. „Kein Problem meine Lieben; in diesem Land voller Gegensätze, Chaos und Lebensfreude ist einfach alles möglich. Im kleinen roten Panda von Fortunato sind wir schliesslich, immer 4 Personen miteinander, hochgefahren, wohl etwas eng, aber so reist eine südländische Familia. Kathrin, Gerda und Anna, die Sportlichen, sind hoch spaziert sowie auch unser Ironman Bruno und Marguerita, wie es Renato immer wieder betonte.

Funiculi Funicula – trallala…

Nach so viel Gemüse, Speisen und deren Zubereitung haben wir Lust auf etwas Leckeres. Wir fahren nach Marina della Lobra, einem kleinen Fischerort, abseits des Touritenstroms zum Ristorante Funiculi Funicula, Wein steht bereits auf dem Tisch, und mit einem prickelnden Prosecco stossen wir auf unser Geburtstagskind an. Kathrin und Gerda beginnen Tessiner Lieder zu singen, und alle stimmen ein. Die wenigen Einheimischen sind begeistert, wir werden gefilmt und als Trudi und Emilio im Duett „L‘ estate è terminata“ singen, wird es einem warm ums Herz… Einfach geniessen! Wie nennt es der Italiener? Dolce far niente! Wie ist doch das Leben schön!

San Paolo al Deserto – Benediktiner Kloster mit atemberaubender Aussicht

Heute ist unser letzter Tag auf der Sorrentinischen Halbinsel und einem Abschiednehmen gleich, pilgern wir zum Kloster der Benediktinerinnen San Paolo al Deserto. Dort besteigen wir den Turm und bestaunen die Belvedere: unter uns die „due Golfi“ und im Hintergrund der alles überragende Vesuvio. Mamma mia, wie ist das schön! – Campania, ti amo

Agricultura „Il Giardino di Vigliano“ – begeistert durch den ureigenen Charme

Noch einmal sich verwöhnen lassen mit all den neapolitanischen Köstlichkeiten, noch einmal den Duft von Zitronen spüren, noch einmal die herzliche Italianità del Sud geniessen… Wir fahren nach Massa Lubrense, in die zauberhafte Agricultura „Il Giardino di Vigliano. Für unseren Chauffeur Yvo indes war die Fahrt dorthin nicht so zauberhaft… Und wer glaubt, den Gipfel des Chaos auf Schweizerstrassen schon erlebt zu haben, der muss hierherkommen. Es war Freitagabend ganz Sorrento, all die sorrentinischen Pandas, Cinque Centos (grosse Fahrzeuge gibt es hier nicht), schienen uns entgegenzukommen. Unzählige Vespa Fahrer schlängelten sich ohne erkennbare Regeln kreuz und quer durch den Verkehr. Dann kam noch der Linienbus, und obwohl es eng und schmal wurde, flitzte ein Motorrad messerscharf an uns vorbei; das für diese Gegend so charakteristische Durcheinander war perfekt. Bei mir sammelten sich Schweissperlen an der Stirn, Ruth meinte: „Lueg emal dä, das isch en Wahnsinnigä!“ Und damit meinte sie einen Vespa Fahrer. Doch Yvo lenkte sein Fahrzeug ruhig und gekonnt; ein wahrer professionista -er schlängelte sich bravourös durch den Spettacolo furioso, als ob der dies tagtäglich machen würde Danke super Yvo, die Goldmedaille ist dir sicher.

Unsere Agricultura «Il Giardino di Vigliano», ist malerisch in die Landschaft eingebettet, inmitten einem Zitronenhain. Der mediterrane Flair ist spürbar. Während Mamma Nunziata eine sämige Risotto zubereitete, serviert uns ihr Sohn eine leckere Antipasta und schenkt den süffigen Wein ein; später gibt es Braten mit Gemüse, typisch neapolitanisch zubereitet, mit all den Kräutern und Gewürzen, die wir auf dem Spaziergang heute gesehen haben. „A tavola non s’invecchi“, heisst der Leitspruch der Süditaliener, also „Buon appetito!“

Der Dolce, verschiedene Kuchen und selbstverständlich Limoncello, wird uns später auf der Terrasse serviert. Der Blick auf die göttliche Küste, den Golf von Neapel, ist traumhaft – tausend Lichter tanzen und spiegeln sich im Meer, die glücklichen Wellen scheinen zu murmeln. – Kathrin stimmte ein Lied an, und wir alle singen mit, – O sole mio -, Canconi voller Wehmut – That’s amore!

Alles nimmt einmal ein Ende, aber die Erinnerungen bleiben im Herzen und der Aufenthalt wird zum unvergesslichen Erlebnis.

Es war eine phantatische Reise, wir haben den speziellen Charme dieser Region, erleben dürfen: wo sich Kultur, Natur und Lebensart auf allerhöchste Weise verbinden, wo Erwachsene Kindern gleich herzhaft lachen können, wo die Liebe, Leidenschaft und Eifersucht Hand in Hand gehen – wo das Essen zelebriert wird, – Grandi Momenti – grandi Emozioni

Grazie a voi! An die phantastische Reisefamilie, an den phantastischen Chauffeur Yvo, an den wilden Renato und die grossartigen Guides Vittoria und Nadia – è stato stupendo!!!

Eines ist sicher: TORNA A SURRIENTO

Christine Oberholzer

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