Azoren, Blütentraum im Atlantik mit Susanne Godli

Susanne Godli
Reisehit 52 | 8-tägige Reise
23. Februar - 2. März 2026 (Ausgebucht) | 2. - 9. März 2026 (Ausgebucht)
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CHF1699Zwischen Vulkanen, Atlantik und grüner Magie – Eine Reise auf die Azoren
Als wir auf São Miguel aus dem Flugzeug stiegen, roch die Luft bereits anders: frisch, mineralisch, nach Meer und Regen. Die Azoren – neun Inseln mitten im Atlantik – fühlen sich an wie ein Ort, an dem die Elemente noch miteinander sprechen. Und genau das macht diese Reise so besonders.
Tag 1 – Villa Franca do Campo und die Kraft der Keramik
Unser erster Ausflug führt uns an die Südküste nach Vila Franca do Campo, die einstige Hauptstadt São Miguels. Aber zuerst machten wir einen Halt bei den Portas do mar, bzw Portas do Atlantico (Türen zum Atlantik), eine moderne Skulpturengruppe in Ponta Delgada.
Die Skulpturen wurden vom Künstler Duarte Belo (nach manchen Quellen von José Aurélio) geschaffen und symbolisieren die Verbindung zwischen Menschen, Natur und Meer. Sie bestehen aus dunklem, vulkanischem Basalt und erinnern durch ihre Form an alte Tore oder Portale – daher der Name.
Sie stehen an der Küste nahe dem Jachthafen von Ponta Delgada und bilden einen markanten Punkt, an dem viele Spaziergänger und Besucher vorbeikommen, um den Blick über den Atlantik zu geniessen.
Danach ging die Fahrt weiter nach Villa Franca do Campo.
Das Städtchen liegt sanft zwischen Meer und Bergen und wirkt mit seinen weissen Kirchen, kleinen Gassen und gemütlichen Cafés wie ein ruhiger Auftakt für unsere Reise.
Vor der Küste liegt das besondere Naturjuwel der Region: die kleine Felseninsel Ilhéu de Vila Franca do Campo. Aus der Ferne sieht sie aus wie ein unregelmässiger Ring – doch im Inneren verbirgt sich ein fast perfekter, türkisgrüner Kratersee, geschützt vor den Wellen des Atlantiks. Im Sommer kann man dort baden, doch auch jetzt – nur vom Ufer aus betrachtet – wirkt die Lagune märchenhaft und beinahe unwirklich.
Weiter geht es zur traditionsreichen Cerâmica Vieira, einer Töpferei, die bereits seit dem 19. Jahrhundert besteht. Der Duft von Ton und warmem Ofen erfüllt die Halle, und wir beobachten, wie Teller und Fliesen von Hand bemalt werden. Die Muster – blau, weiss, zeitlos – erzählen Geschichten der Insel und ihrer Kultur. Viele von uns nehmen kleine Andenken mit, als Symbol für die Kunstfertigkeit der Azoreaner.
Der Nachmittag steht zur freien Verfügung. Viele zieht es nach Ponta Delgada, die lebhafte Hauptstadt der Insel. Hier mischen sich koloniale Architektur und moderne Leichtigkeit:
- die berühmten Stadttore Portas da Cidade,
- die schwarz-weiss gepflasterten Plätze,
- der Hafen mit seinen Cafés und Blick auf den Atlantik,
- alte Kirchen, kleine Läden und ein angenehmer Rhythmus, der niemals hektisch wird.
Ponta Delgada ist charmant, freundlich und perfekt für einen entspannten Bummel am ersten Tag.

Tag 2 – Wanderung im Wechselspiel der Elemente & Blick in den Feuersee
Der nächste Morgen beginnt mit einer Küstenwanderung in Vigia de São Pedro. Gleich nach den ersten Schritten werden wir vom typischen Azorenwetter begrüsst: Starker Wind, Regenschauer, Sonnenstrahlen – alles im Wechsel, manchmal innerhalb weniger Minuten.
Trotz (oder gerade wegen) dieses Wettermixes wird die Wanderung zu einem besonderen Erlebnis. Die Wellen schlagen rhythmisch gegen die Felsen, Wolken jagen über den Himmel, und immer wieder öffnet sich der Blick auf das tiefblaue Meer. Nach zwei Stunden steigen wir – vom Wind zerzaust, aber glücklich – wieder in den Bus ein.
Unsere Fahrt führt weiter hinauf zum Pico da Barrosa auf 947 m Höhe. Oben eröffnet sich ein überwältigender Blick auf den Lagoa do Fogo, den „Feuersee“. Mit 575 m Höhe ist er der höchstgelegene See der Azoren, eingebettet in einen Krater, dessen Hänge in sattem Grün leuchten. Die Wolken ziehen knapp über unsere Köpfe hinweg – ein Moment, der Stille und Ehrfurcht auslöst.
Mittagshalt machen wir in Ribeira Grande, der zweitgrössten Stadt São Miguels. Neben dem Essen wartet eine kleine Köstlichkeit auf uns: die berühmten Liköre der Insel, die wir probieren dürfen – mal süss, mal würzig, mal fruchtig.
Am Nachmittag erreichen wir die Caldeira Velha, ein Ort wie aus einem tropischen Märchen. Zwischen üppigem Grün dampfen warme Schwefelquellen, und der Duft von Erde und Mineralien liegt in der Luft. Einige von uns geniessen das 36 °C warme Thermalbad, während andere die riesigen Baumfarne bestaunen – Pflanzen, die wirken, als hätten sie die Zeit der Dinosaurier überdauert. Ein Ort voller Wärme, Wasser und Naturkraft.

Tag 3 – Ananas, Farbtöne der Seen und sanfte Landschaften
Der dritte Tag beginnt mit einem interessanten Stopp in einer Ananasplantage. Hier erfahren wir, wie viel Geduld diese Frucht braucht:
Vom Pflanzen bis zur Ernte vergehen 2 bis 2½ Jahre.
Und am süssesten sind die Azoren-Ananas in den Monaten ohne r Mai, Juni und Juli.
Dann geht es weiter Richtung Westen, Ein Höhepunkt war der Besuch der Lagoa das Sete Cidades, zwei Kraterseen, die in Blau und Grün schimmern. Vom Aussichtspunkt Vista do Rei wirkt die Landschaft wie ein Gemälde – friedlich, mystisch, die beeindruckende Vulkanlandschaft unter uns die zwei Kraterseen, getrennt durch eine Brücke, jeder mit seinem ganz eigenen Farbton. Blau und Grün – ein Naturwunder, das man so schnell nicht vergisst
Unterwegs begleiten uns weite, sattgrüne Hügelzüge, die so typisch für São Miguel sind – weich, beruhigend, harmonisch.

Tag 4 – Der Duft der Erde, der Geschmack der Tradition und ein Park voller Wunder
Am Morgen geniessen wir zunächst den herrlichen Blick über den Furnas-See, der still inmitten der üppigen Vulkanlandschaft ruht. Danach wandern wir gemütlich eine Stunde am See entlang. Der Weg führt uns direkt zu den Caldeiras von Furnas, wo die Erde dampft, brodelt und bis zu 100 °C heiss wird.
Hier wartet bereits ein besonderes Erlebnis auf uns: Unser Cozido, das traditionelle Inselgericht, wurde sieben Stunden lang in der heissen Erde geschmort. Wir schauen zu, wie der schwere Eisentopf aus der Erde gehoben wird – ein Moment voller Vorfreude und Staunen.
Im Tony’s Restaurant geniessen wir anschliessend die reichhaltige Mahlzeit:
Poulet, Rind- und Schweinefleisch, Karotten, Kartoffeln, Süsskartoffeln, Kohl und Wurst – gekocht allein mit der Kraft der Erde. Natürlich gibt es auch eine vegetarische Variante. Zum Dessert wird eine saftige Scheibe Ananas serviert. Dieses Gericht ist auf den Azoren ein familiäres Wochenendritual – und für uns ein tiefes Eintauchen in ihre Kultur.
Am Nachmittag besuchen wir den Terra Nostra Garden, einen der schönsten botanischen Gärten Portugals. Alte, majestätische Bäume begleiten unseren Weg, riesige Farne öffnen ihre Fächer, und inmitten des Parks liegt das berühmte Thermalbad. Das ockerbraune Wasser verdankt seine Farbe dem hohen Eisengehalt. Einige geniessen das warme Bad oder die Jacuzzis, andere lassen sich einfach von der Schönheit des Gartens verzaubern.
Ein abwechslungsreicher, gehaltvoller Tag klingt ruhig aus.

Tag 5 – Der Osten der Insel: Tee, Küsten, Wasserfälle
Der nächste Tag führt uns in den wilden Osten der Insel. Zuerst geniessen wir den eindrucksvollen Blick von Santa Iria auf die zerklüftete Nordküste – ein Panorama aus Wellen, Klippen und sattgrünen Hängen.
Weiter geht es zur Teeplantage, wo wir viel über die Herstellung von Grün-, Schwarz- und Weisstee lernen:
- Grüntee wird nicht fermentiert und etwa 20 Minuten gedämpft, dann gerollt und getrocknet.
- Schwarztee wird direkt gerollt, anschliessend 5–7 Tage fermentiert und bei 90°C rund 40–50 Minuten getrocknet.
- Weisstee trocknet ausschliesslich natürlich, ohne Maschinen.
Ein faszinierender Einblick in ein jahrhundertealtes Handwerk.
Danach besuchen wir den wunderschönen Park Ribeira dos Caldeirões, geprägt von Wassermühlen, moosbewachsenen Mauern und rauschenden Wasserfällen. Weiter geht es zu den beeindruckenden Küsten von Ponta do Amel mit Blick auf den Leuchtturm.
Unser Mittagessen nehmen wir in Povoação ein – jenem Ort, in dem sich einst die ersten Bewohner der Insel niederliessen. Geschichte und Natur liegen hier besonders nah beieinander.
Furnas – Das Städtchen im Dampfkessel der Erde
Natürlich darf Furnas selbst nicht fehlen – dieses kleine Städtchen, das wirkt, als würde es auf einer dampfenden Suppenkelle sitzen. Überall brodeln Quellen, manche mit Temperaturen von fast 100 Grad, sodass man gut daran tut, nichts davon zu trinken. Der Boden zischelt, dampft und atmet – man fühlt sich tatsächlich wie in einem natürlichen Dampfkessel.
Der schwefelige Geruch liegt ständig in der Luft. Für uns Besucher ist er ungewohnt, für die Bewohner hingegen scheint er längst Teil des Alltags zu sein. Mutig probieren wir das berühmte Mineralwasser, denn in Furnas gibt es zahlreiche Mineralquellen – jede mit ihrem eigenen Geschmack.
Und sagen wir es ehrlich:
Es ist… gewöhnungsbedürftig.
Ein leicht metallischer, schwefeliger Beigeschmack, der sicher gesund ist – aber nicht unbedingt ein Genuss.
Trotzdem gehört es dazu: Furnas ist ein Ort, an dem man die Kraft der Erde ganz unmittelbar spürt – warm, wild, lebendig.

Tag 6 – Ein Tag für eigene Wege: Wale, Delfine & botanische Ruhe oder Baden im Atlantik
Der letzte Tag steht zur freien Verfügung. Ich gehe mit einigen Gästen aus der Gruppe zur Walbeobachtung – ein Erlebnis, das wir keine Sekunde bereuen. Mehrere Delfinarten begleiten unser Boot, springen, spielen und schwimmen direkt voraus. Ausserdem zeigen sich zwei verschiedene Walarten, majestätisch und ruhig im weiten Atlantik.
Nach diesem eindrucksvollen Erlebnis gönnen wir uns noch einen Kaffee direkt am Hafen – ein kurzer Moment des Nachklingens und der Freude.
Danach trennen sich unsere Wege in verschiedene Richtungen. Ich besuche noch einmal den Botanischen Garten von Ponta Delgada, bevor der Tag sanft ausklingt.
Reisen auf den Azoren bedeutet, der Erde beim Atmen zuzusehen – den Wolken beim Tanzen, dem Meer beim Flüstern und dem Wind beim Geschichten erzählen. Und genau das durften wir gemeinsam erleben.
Wir haben gelacht, gestaunt, geschwitzt, gefroren, geschmeckt, gelauscht und uns von der Natur berühren lassen. Jeder Tag war anders, jeder Moment einzigartig – getragen von eurer Offenheit, eurer Freude und dem gegenseitigen Miteinander.
Gemeinsam haben wir Wege entdeckt, die man alleine vielleicht nie gegangen wäre. Wir haben die Kraft der Vulkanerde gespürt, die Wärme der Quellen genossen, die Sanftheit der Hügel bewundert und die Weite des Atlantiks in uns aufgenommen. Und zwischendurch diese kleinen, kostbaren Augenblicke geteilt: ein Lächeln, ein Staunen, ein spontanes Gespräch, ein gemeinsames Schweigen.
Vielleicht war es genau das, was diese Reise so besonders gemacht hat:
die Verbindung – zur Natur, zu den Momenten und zueinander.
Nun reisen wir wieder nach Hause – ein Stück erfüllt, ein Stück reicher, mit Bildern im Herzen, die bleiben, selbst wenn der Alltag wieder beginnt.
Und irgendwo, tief in uns, glimmt weiterhin ein kleiner Funke Inselmagie.
Ein warmer Windstoss, ein Duft nach Meer, ein Gefühl von Weite.
Die Azoren – sie begleiten uns weiter, auch wenn wir längst wieder am Festland stehen.
Danke für diese wunderbare Zeit.
Danke für euer Vertrauen.
Danke für euer Sein. Möge die Reise in euren Herzen noch lange weitergehen
Ein herzlicher Dank geht an unsere lokale Reiseführerin Emma, die uns mit viel Wissen, Humor und Liebe zu ihrer Heimat begleitet hat.
Durch sie haben wir die Azoren nicht nur gesehen, sondern wirklich kennengelernt.
Danke für deine Wärme, deine Geduld und dafür, dass du diese Reise so besonders gemacht hast.
Eure Reiseleiterin, Susanne Godli



